TEST: Journey – Die Reise beginnt von vorne

Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Und meistens führt so eine Reise zu einem bestimmten Ziel. Wer in den Urlaub fährt, der kennt meist Wochen im voraus schon die genaue Reiseroute und weiß, was ihn erwarten wird. In Journey ist das anders. Wir wissen nur, dass wir zu einem Berg gelangen müssen. Keine Ahnung wie oder warum. Wir müssen einfach dort hin. Und so machen wir den ersten Schritt und dann den zweiten……

Gameplay, Sound und Atmosphäre …

„Wir“ ist in diesem Fall eine kleine namenlose Person, in eine Robe und einen magischen Schal gehüllt, der uns fliegen lassen kann. Wir begeben uns auf den Weg zum Berg und lösen dabei verschiedene Rätsel, um uns unseren Weg zu bahnen, begegnen merkwürdigen Wesen, fliegenden Teppichen, sowie anderen besonderen Kreaturen und Gebilden. Dabei erleben wir immer wieder so etwas wie Visionen, deren Sinn und Inhalt frei ausgelegt werden kann. Die genaue Interpretation ist dabei allerdings jedem selbst überlassen. Genau wie die Herangehensweise, um ans Ziel zu gelangen. Es gibt keine vorgeschriebenen Wege, keine klaren Anweisungen oder sonst irgendwelche Hinweise. Manche verbringen mehrere Wochen damit, den Berg zu erreichen, andere nur wenige Stunden. Und genau diese Art von Selbstbestimmung ist es, die das Team von „thatgamecompany“ mit ihrem Titel Journey erreichen wollte. Der Spieler soll seine eigene, ganz individuelle Geschichte erleben. Wir begegnen dabei immer wieder anderen Spielern, bzw. immer nur einem anderen gleichzeitig, mit dem wir uns nur über eine Art Klangsignal unterhalten können, ohne zu wissen, wer am anderen Ende sitzt. Diese Information wird uns nämlich bis zum Abspann vorenthalten.

Journey on PS4

Durch solch eine recht unkonventionelle Art des Gameplays schaffte es Journey bereits auf der PS3, eine Vielzahl von Spielern zu begeistern. Unterstützt wurde dieses grandiose Reise-Erlebnis besonders durch den hervorragend abgestimmten Soundtrack, der wohl zurecht mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde. Beide Faktoren schaffen es, eine fesselnde Atmosphäre zu erzeugen, von der man nur schwer wieder loslassen kann, wenn man sich einmal auf sie eingelassen hat.

Abseits des Weges, der meist aus Wüstensand besteht, finden sich ein paar Sammelobjekte, welche dem Titel wohl ein paar einigermaßen „normale“ Aspekte verleihen sollen. So lassen sich einige versteckte Malereien entdecken, welche zumindest einen kleinen Hinweis auf die Hintergrundgeschichte liefern, jedoch noch immer genug Interpretationsraum offen lassen. Darüber hinaus lassen sich überall verteilt Stofffetzen finden, mit denen wir unseren magischen Schal verlängern können. Das hat zur Folge, dass wir in der Lage sind länger zu fliegen und auf neuen Wegen zu wandeln.

So eindrucksvoll dieses mutige Gameplay jedoch auch sein mag, gibt es ein wesentliches Problem: Das Erlebnis ist meist nur bei dem ersten Spieldurchgang so intensiv. Beim zweiten Mal weiß man bereits, was einen erwartet und ist daher nicht mehr so überraschend oder faszinierend. Daher ist es so, dass viele ehemalige Spieler sich nur schwer damit anfreunden können, nochmal auf diese Reise zu gehen oder womöglich enttäuscht werden, sollten sie es tun. Neulinge hingegen erwartet eine faszinierende Geschichte, der man sich voll und ganz öffnen muss, um sie zu genießen.

Grafik, Steuerung und Umfang …

Obwohl die PS3-Version schon sehr eindrucksvoll war, macht die PS4-Umsetzung nochmal einiges mehr her. Der gesamte Titel wurde auf 1080p aufpoliert und wirkt dadurch noch umwerfender. Hierdurch kommt auch die gute Darstellungen der Umgebung und die verschiedenen Details noch besser zur Geltung. Besonders der Wüstensand, in welchem wir uns fast permanent bewegen, wirkt nun noch realistischer und ist ein wahres Fest für die Augen. Aber auch die restlichen Umgebungsdetails, wie Gebäude oder Felsen, sind eindrucksvoll anzuschauen. Dies wird zudem auch durch den gelungenen Einsatz von Licht und Schatten erreicht, welcher sich nicht nur perfekt in das Gesamtbild einfügt, sondern auch als Vorbild für andere Titel dienen dürfte.

Journey on PS4

Anders als an der Grafik wurde am Umfang des Spieles nichts verändert. Es gibt keine Bonuslevel, kein Making-Of oder andere Bonusinhalte. Nicht einmal der preisgekrönte Soundtrack wurde als Bonus beigefügt. Hier hätte man ruhig ein wenig mehr auf den Spieler zugehen und diesen einen zusätzlichen Anreiz zum Neukauf bieten können. Das reine Spiel bietet hingegen einen sehr individuellen Umfang. So kann man entweder innerhalb kürzester Zeit das Ziel erreichen, man kann aber auch eine ganze Zeit dafür aufwenden .Auch an der Steuerung wurde nichts verändert. Sie ist genauso intuitiv wie bekannt, was auch nützlich ist, da man auch hier nur mit den nötigsten Informationen versorgt wird.

TEST: Journey – Die Reise beginnt von vorne
Ein einmaliges Spiel, dass durch seine Freiheit und seine beeindruckende Atmosphäre begeistern kann und seines gleichen sucht. Wer den Titel bereits kennt sollte zumindest die unfassbar gut aufbereitete Grafik begutachten, Neueinsteiger werden sich in der Reise zum Berg verlieren.
9.2
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