TEST: Nioh 2 – Gelungene Fortsetzung mit Macken

Mit „Nioh“ brachte uns Team Ninja 2017 einen echten Überraschungshit, der uns nicht nur alles abverlangte, sondern uns ab dem 13. März mit einer Fortsetzung des Souls-Like Samurai-Simulators erneut herausfordert. Welche Neuerungen und Prüfungen „Nioh 2“ diesmal mit sich bringt, was ist neu gegenüber dem legendären Original, und wie sich das Spiel im Gesamtbild schlägt, erfahrt ihr in unserem Test.

Sequel statt Prequel

„Nioh 2“ spielt vor den Ereignissen des ersten Teils, beginnt im Jahr 1555 und erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte. Die Geschichte beginnt mit einer mysteriösen Nachricht, in der nach einem Held gesucht wird, der ein kleines Dorf von monströsen Ungeheuern, sogenannten Yokai, befreit. Nachdem sich unser Held durch das Dorf gekämpft hat und am Ende einen riesigen Gegner mit Hilfe seiner eigenen Yokai-Fertigkeiten den Garaus gemacht hat, verfallen wir jedoch in einen rasenden Wutausbruch, der uns den Verstand zu rauben scheint. Glücklicherweise erscheint ein Vagabund und Verfasser des Heldengesuchs namens Tokichiro, ein ambitionierter, kluger und verschlagener Mann, der davon träumt, große Macht anzuhäufen. Da er selbst aber kein Kämpfer und einem Halb-Yokai mit einer menschlichen Seele auch noch nie begegnet ist, schlägt er einen Pakt vor. Als Partner sollen unser Protagonist und Tokichiro zu Ruhm und Anerkennung gelangen und so unsterblich in Japans Geschichte werden.

Aufgrund von Spoilern gehen wir an dieser Stelle nicht weiter auf die Geschichte ein, es sei doch gesagt, dass „Nioh 2“, wie schon der erste Teil, von historischen korrekten Aspekten inspiriert ist. Diesen wird jedoch ein wenig Fantasie hinzugefügt, um sie für eine Videospielgeschichte interessanter zu machen.

Feinschliff und Detailarbeit

Spielerisch gibt es in „Nioh 2“ viel Feintuning. Zu Beginn des Spiels darf man sich erst einmal in einem ausführlichen Figureneditor seinen eigenen Charakter erstellen. Hier kann man zwischen vielen Details wie Haarschnitten und Haarteilen wählen, die man kombinieren kann, um eine eigene Frisur zu erstellen. Daneben gibt es auch Narben, Tattoos und Make-up, die für mehr Individualität sorgen. Hat man dann sein Helden oder Heldin erstellt, kann man seinen fertigen Avatar unter einem Preset abspeichern. Findet man doch noch einen Makel, kann man diesen so im Verlauf des Spiels jederzeit ausbessern oder eine völlig neue Figur erstellen, ohne seinen Fortschritt einzubüßen. Wer eine besonders gute Figur erstellt hat, kann zudem einen Code abrufen, diesen mit anderen Spielern teilen und so seine Kreation für jeden zugänglich machen.

Zu den Neuerungen bei den Waffen zählen die Switchglaive, eine Art Sense, die je nach Haltung eine unterschiedliche Form annimmt, und die Handbeile, Äxte mit wenig Reichweite, die sich aufgrund ihrer Handlichkeit aber gut nach Gegnern werfen lassen. Bei den Schutzgeistern gibt es die ersten großen Änderungen zu vermerken. Die Schutzgeister bestimmen diesmal die Form eurer Yokai-Verwandlung, was sich auf das Aussehen der Verwandlung, den Bewegungsstil und die Angriffe in der Yokai-Form auswirkt. Durch die neue Yokai-Form gibt es in „Nioh 2“ jetzt auch eine neue Art von Gegenangriff. Der Burst Counter variiert je nach Form, und verwandelt den Protagonisten für einen Sekundenbruchteil in seine dämonische Form. Mit dem Counter lassen sich somit nun viele Angriffe, denen man im ersten Teil aus dem Weggehen musste, kontern, der Schaden, den Gegner erleiden, ist dabei jedoch nicht wirklich groß , dafür richtet man aber eine große Menge an Ausdauerschaden an und unterbricht den womöglich tödlichen Angriff.

Wie schon im ersten Teil benötigt man auch wieder Amrita, um in der Stufe aufzusteigen. Wer stirbt verliert seine Amrita und lässt seinen Schutzgeist an seinem Todesort zurück – segnet man erneut das Zeitliche, verliert man sein hart erarbeitetes Gut. Gänzlich neu ist, dass Waffen keine Skillpunkte mehr durch das Aufleveln bekommen, sondern man den Samuraiskillbaum nutzen muss, um aufzuleveln und noch mehr Punkte zu verdienen. Wer Fertigkeiten für seine Waffen, Magie und Ninja-Fertigkeiten freischalten möchte, muss diese jetzt aktiv nutzen.

Neu sind auch Yokai-Kerne, die einige Gegner hinterlassen, nachdem man sie besiegt hat. Mit diesen Kernen kann man sich die Angriffe und Fertigkeiten der unterschiedlichen Monster zunutze machen und gegen seine Feinde verwenden. Mit welchen passiven Boni der Yokai ausgerüstet ist, bleibt dem Zufall überlassen, kann jedoch mittels Fusion beeinflusst werden. Sollte man nichts mit den ganzen Kernen anfangen können oder benötigt Platz, da dieser irgendwo ja auch begrenzt ist, kann man Yokai auch frei lassen und bekommt dafür Erfahrung für seinen Skillbaum.

Das Gameplay von Nioh 2 hat viele kleine aber feine Änderungen beschert bekommen, weicht aber nicht zu drastisch vom Original ab. Man muss noch immer mit seiner Ausdauer haushalten, darf aber nicht zu defensiv spielen, da Gegner sonst ihre Ausdauer wiedererlangen. Liegt ein Gegner am Boden, muss man sich entscheiden. Angriff oder Verteidigung? Oft ist die sicherere Variante die richtige Wahl, denn einige Gegner sind in der Lage euch mit einem Schlag das Licht auszublasen. Auch lohnt es sich die die Bewegungsmuster von Gegnern zu studieren, denn wer es schafft im richtigen Moment auszuweichen, blockt oder pariert, kann ordentlich Schaden austeilen und vermeidet den eigenen Tod. In „Nioh 2“ ist Geduld somit Gold wert. Wer sich nicht vom Spiel den Ton diktieren lässt und mit Ruhe ran geht wird wenig Probleme haben Gegner mit Leichtigkeit und coolen Moves den Garaus zu machen.

Multiplayer mit Macken

Auch in „Nioh 2“ kann man andere Spieler um Hilfe bitten und sich so viel Kopfzerbrechen sparen. An sogenannten Kodama-Schreinen muss man dafür nur eine Opfergabe darbringen und darauf warten, dass ein Spieler beitritt. Rote Gräber stellen Orte dar, an denen Spieler das Zeitliche gesegnet haben, ein Blick auf die Beschreibung des Grabs verrät zudem die Todesursache, was beim Überleben helfen kann. Wer möchte kann sich zudem an dem Wiedergänger des Spieler versuchen, dann beschwört man an einem Grab einen Bot des Spielers, der nach seinem Ableben einen Teil seines Equipments fallen lässt. Neu sind blaue Gräber, diese beschwören ebenfalls einen Bot, welcher euch gut gesinnt ist und begleitet, bis er wieder stirbt oder eine bestimmte Menge an Gegnern besiegt wurden.

Als Eigentümer eines blauen Grabs bekommt man für jeden Spieler, der die Hilfestellung nutzt, ein paar Geschenke, als auch Ehre, die man gegen Gegenstände und Skins eintauschen kann. Wer mit seinen Freunden spielen möchte, kann seine Vorlieben so einstellen, dass nur diese dem Spiel beitreten können oder ein Passwort vereinbaren, dass beide Spieler vor der Spielsuche eingeben müssen. Bei dem Matchmaking kam es allerdings immer wieder zu Problemen. Die Passwortfunktion funktioniert einwandfrei und Spiele werden innerhalb von ein paar Sekunden gefunden. Seinen Raum auf „Nur Freunde“ zu setzen blieb aber erfolglos. Weitere Probleme gab es mit den mit Gräbern und dem allgemeinen Online- Multiplayer. Einige Male scheiterte das Spiel beim Laden der Grabinformationen, wodurch weder rote noch blaue Gräber in der Spielwelt zu finden waren. Furchtbar waren auch einige Lags, die „Nioh 2“ an den Tag legte. Vereinzelt kam es vor, dass sowohl Freunde als auch Feinde wie auf Schlittschuhen grazile durch die Welt gleiten oder sich blitzartig von einem Ort zum anderen teleportierten – beides Anzeichen dafür, dass es vermutlich bald zu einem Verbindungsabbruch kommt.

Anmerkung: Kurzfristig hat Team Ninja heute über einen Patch informiert, der sich verschiedenen Problemen annimmt. Diesen konnten wir leider nicht mehr berücksichtigen.

Grafischer Durchschnitt zugunsten der Performance

Grafisch ist „Nioh 2“ zwar keine Granate, aber durchaus passabel. Details und Objekte können plötzlich erscheinen, wenn man um eine Ecke läuft. Zäune materialisieren sich zum Beispiel erst, wenn man nah genug ist, man kann praktisch sehen wie sie Form annehmen und greifbar werden und unebener Grund wird absolut Plan, um an der Geometriekomplexität zu sparen, wenn man sich weiter von besagter Stelle entfernt. Diese Techniken finden in anderen Spielen auch Einsatz, sind aber oft besser versteck oder weniger auffällig.

Das Leveldesign des zweiten Teils ist an vielen Stellen dafür deutlich besser geworden und bietet auch viel mehr Abwechslung. Leider werden hier und dort auch Levels und Elemente aus dem ersten Teil verwendet, was schade ist und etwas faul seitens des Entwicklers wirkt. Im Action-Modus auf der Playstation 4 Pro kann sich das Spiel dennoch sehen lassen. Bei 1080p flimmert das Spiel hier zumeist mit sehr stabilen 60 FPS über den Bildschirm. Weniger gut schlägt sich der Movie-Modus, indem die Bildqualität in den Vordergrund gerückt wird. Im Movie-Modus ist die Framerate alles andere als stabil und fällt nicht selten unter die 30fps.

Bei Ton und Musik liefert „Nioh 2“ ebenfalls gute Resultate ab. „Nioh 2“ wartet mit einer Englischen und Japanischen Vertonung auf und bietet etlich Untertitelsprachen, darunter auch deutsch. Die Musikkulisse ist sehr atmosphärisch gehalten und wird von orchestralen Stücken dominiert, in einige Stücken lassen sich auch ritualistische Gesänge vernehmen, die von Mönchen stammen könnten, diese sind jedoch nur dahin gehaucht und stehen nicht im Mittelpunkt.

TEST: Nioh 2 – Gelungene Fortsetzung mit Macken
"Nioh 2 bietet mit den z. B. Yokai-Kernen und seinem neuen Skillsystem willkommene Verbesserungen, bleibt aber der Kern Philosophie des ersten Teils treu. Wer nicht aufpasst oder hektisch durch ein Level rennt, wird schnell das Zeitliche segnen. Oft stirbt man etliche Male an derselben Stelle nur um dann festzustellen, dass ein Gegenstand, der sonst absolut nutzlos erscheint, das Ganze kinderleicht macht. Zum Experimentieren wird also eingeladen, nur braucht man dafür erst mal die Geduld in sich zu gehen und nach anderen Wegen zu suchen. Ein Manko stellt die etwas veraltete Grafik Engine des Spiels dar, Diese ist an sich nicht schlecht, kann aber nicht an andere Spiele auf der PS4 anschließen. Größeres Unbehagen macht hingegen der Netcode, der in gut 30 % aller Matches zu Verbindungsabbrüchen führte oder Gegner und Verbündete durch die Gegend stottern ließ. In der Gänze eine durchaus gelungene Fortsetzung, die hier und da noch Feinschliff braucht."
8.8