TEST: Predator – Hunting Grounds – Jäger oder Gejagter?

Kaum ein Wesen hat unser Bild vom Jäger geprägt wie der Predator. Ein außerirdischer Kämpfer mit Hightech-Rüstung, scharfen Klingen, Fallen und einem tödlichen Schulterblaster. Immer bereit, sich neuen Gegnern zu stellen, allem voran seinem Erzfeind, dem Alien. Seine Jagd bringt in dabei auf die Erde, wo er es zwar nicht mit dem Alien, dafür aber mit allerlei Marines zu tun bekommt. Wer wird den Kampf wohl gewinnen?

Alien vs. Soldaten, lang lebe die Lootbox

Predator: Hunting Grounds“ beschränkt sich in Sachen Gameplay nur auf das Wesentliche. Im Menü starten wir entweder eine öffentliche oder eine private Partie. Wählen wir die Rolle des Soldaten startet unser Spiel relativ schnell. In einem 4-Mann-Team, dem sogenannten Feuerteam, werden wir mitten in der Wildnis abgesetzt, immer mit einem Ziel, welches uns einen Rahmen für unser Handeln gibt. So müssen wir zum Beispiel einmal ein Drogenlabor mitten im Wald ausheben, ein anderes Mal eine Terrorgruppe in einer alten Lagerhalle ausschalten. Wir erhalten kleinere Zwischenziele, töten NPC’s und arbeiten uns durch das Areal, bis wir schließlich alle Ziele erfüllt und darauf warten, mit einem Hubschrauber das Gebiet wieder zu verlassen.

In der Rolle des Predators starten wir unser Abenteuer nach einer wesentlich längeren Wartezeit als einsamer Jäger am anderen Ende der Karte. Mit Hilfe unserer technischen Werkzeuge springen wir wie Tarzan von Baum zu Baum, dem sogenannten „Predkour“, versuchen mit unserer Wärmesicht Feinde ausfindig zu machen und schleichen uns im Tarnmodus an unsere Ziele heran. Haben wir es geschafft, einen der Nicht-NPC-Spieler zu erledigen, dürfen wir uns unsere Trophäe abholen, ihm also den Kopf samt Wirbelsäule aus dem Körper reißen, bevor seine Kameraden ihn wiederbeleben. Der Soldat ist dann für eine gewisse Zeit aus dem Spiel genommen, wodurch seine Freunde natürlich einen Nachteil haben werden. Darüber hinaus können wir das Feuerteam auch mit einem Stealth-Kill direkt ausschalten, dafür ist allerdings viel Übung gefragt, um sich entweder anzuschleichen oder seine Feinde mit einem Netz zu fangen. 

Haben wir alle vier Soldaten erledigt, erringt der Predator den Sieg. Leider sind wir nicht unverwundbar, haben wir uns also einmal verraten, weil jemand unseren Ziellaser entdeckt oder wir nicht mehr genug Energie für den Tarnmodus haben, wird auf den Predator geschossen, was das Zeug hält. Je nach Verletzungsgrad hinterlassen wir eine grüne Blutspur, welche es den Truppen leichter macht, uns zu folgen. Haben wir uns rechtzeitig in Deckung gebracht, können wir uns in einer langwierigen Prozedur heilen, schaffen wir es nicht, dann können wir die Selbstzerstörung starten, denn der Körper des Predators darf nicht in die Hände des Feindes fallen. Entweder reißen wir die Feinde so mit in den Tod, sie verlassen rechtzeitig den Explosionsradius, oder sie schaffen es dem Predator die Maske vom Gesicht zu schießen, um ihn vollends auszuschalten.

Am Ende jeder Runde erhalten wir EP und Geld für die durchgeführten Kills, mit denen wir Level für Level immer weiter aufsteigen. Damit schalten wir neue Waffen und Fertigkeiten frei, mit denen wir unsere Soldaten oder den Predator nach unseren eigenen Interessen ausstatten können. Die Auswahl der Waffen ist dabei relativ begrenzt, bietet aber die Klassiker wie Sturmgewehr, MP, Pistole oder Shotgun. Hierfür gibt es auch verschiedene Aufsätze, wie etwa einen Schalldämpfer oder ein Visier, welches uns im Kampf helfen soll. Auf Seiten des Predators können wir sein Arsenal z.B. mit Bärenfallen und Geräuschködern aufwerten. Neben vielen Fertigkeiten, welche einen Vorteil im Einsatz bieten sollen, gibt es auch zahlreiche optische Anpassungsmöglichkeiten, die ebenso wie neue Waffen, Aufsätze und Fertigkeiten mit dem Geld freigeschaltet werden können. Ebenso lassen sich diese Objekte über Lootboxen freischalten. Diese erhält man entweder für einen Levelaufstieg, oder man kauft sie sich. Fraglich, ob es wirklich notwendig ist, auch Waffenobjekte und Fertigkeiten über die Boxen zu verteilen, Optikobjekte hätten es unserer Ansicht nach auch getan. Wer lieber zu vorgefertigten Sets greift, bzw. diese nur ein wenig verfeinern möchte, für den bieten sich die einzelnen Klassen an, welche wir im Laufe der Zeit freischalten können. Auf Seiten des Feuerteams erwarten uns hier die Klassiker in Form des ausgeglichenen Sturmsoldaten, dem auf Distanz spezialisierten Aufklärer, dem schnellen Späher oder dem schweren Unterstützer. Beim Predator sieht es ähnlich aus, hier gibt es den klassischen, vielseitigen Jäger entweder in moderner Form, oder der klassischen von 1987, den leichteren, dafür pfeilschnellen Späher, sowie den weniger mobilen, dafür unverwüstlichen Berserker. 

CrossPlay inklusive

Interessant ist es auch, dass PS4- und PC-Spieler gemeinsam im Rahmen des CrossPlay mit-/gegeneinander antreten können. Eine Möglichkeit, mit der man ggf. mit seinen Freunden auf verschiedenen Plattformen zusammenspielen kann. Leider fällt im Spiel auf, dass PC-Spieler durch die Nutzung von Maus und Tastatur gerade als Soldat im Vorteil gegenüber Controller-Nutzer sind. Sollte man auf das CrossPlay verzichten wollen, kann man dies mit wenigen Klicks ebenfalls einstellen.

Insgesamt kann man sagen, dass das Gameplay von „Predator: Hunting Grounds“ genau das macht, was es soll: wir jagen entweder als Soldat oder Predator über die Karte und versuchen uns gegenseitig zu erledigen. Weder mehr noch weniger. Die Story der einzelnen Level ist ein nettes Beiwerk, um eine gewisse Art Faden durch die Missionen zu ziehen. Im Kern konzentriert man sich nur auf den Kampf Spieler gegen Spieler. Was ein wenig schade ist, ist, dass die einzelnen Partien relativ kurz sind, rund 10-15 Minuten, gerade wenn man die doch hin und wieder sehr lange Ladezeit bedenkt, gerade, wenn man als Predator spielen möchte. Hier wartet man gut und gerne zwischen 15-20 Minuten, während man als Soldat nur 1-2 Minuten braucht. Hieran sollte definitiv noch gearbeitet werden, um für mehr Freude zu sorgen, die Wartezeit zu verkürzen und damit es fairer verteilt bleibt. Auch ein etwas ausführlicheres Tutorial, welches nicht nur die wesentlichen Funktionen des Predator beleuchtet, wäre wünschenswert gewesen. Ansonsten ist das Gameplay aber als durchaus positiv zu bewerten, es ist leicht zu handhaben, ist gut auf die beiden Seiten angepasst und wagt dabei keine unnötig komplizierten Experimente. Ja, der Umfang mag vielleicht etwas spärlich sein, aber bietet genau das, was man erwartet, und das auf einem sehr ansprechenden Level. 

Als ein wesentliches Manko ist allerdings das wenig ausgeglichene Kräfteverhältnis zwischen Predator und Feuerteam hervorzuheben. Letzte sind die meiste Zeit sehr überlegen und lassen eher den Predator als den gejagten erscheinen. Liegt es daran, dass der Predator in vielen seiner Handlungen zu langsam ist, etwa beim Heilen oder beim Abfeuern seiner tödlichen Disk, oder an seiner doch etwas stippeligen Art, wenn wir in den Nahkampf gehen, viel zu selten dabei treffen, ebenso wie mit seiner Kanone, bei der viele Schüsse auch an den dünnsten Ästen hängen bleiben. Dieses Kräfteverhältnis kann so nicht gewollt sein und bedarf auf jeden Fall noch einiger Nachbearbeitung.

Die Angst im Nacken

Insgesamt gibt es drei verschiedene Level, die sich an sich jedoch nicht groß voneinander unterscheiden. Alle liegen in einem Dschungel, mal um einen Tempel herum, ein anderes Mal um eine alte Fabrikanlage. Viele Details sucht man hier zudem vergebens, die Stages sind bis auf ein paar Fässer, Computer und Fahrzeuge kaum mit Details ausgestattet. Hinzu kommt eine relativ geringe und unbeständige Framerate, sowie nicht immer ganz gelungene Figurenmodelle. Alles in allem lässt die grafische Leistung des Titels durchaus zu wünschen übrig, und hier hätte man wesentlich mehr Zeit, Leistung und Leidenschaft investieren müssen. 

Leider muss man auch in Sachen Atmosphäre von einem zweischneidigen Schwert sprechen. Auf der einen Seite gibt es ein ansprechendes Gefühl, als Predator durch die Bäume zu jagen, seine Ziele zu suchen und sich seine Trophäe zu verdienen. Als Feuerteam hört man immer wieder die Schreie des Predators durch den Wald hallen, hält Ausschau nach dem getarnten Alien und ist immer darauf bedacht, sich nicht plötzlich überfallen zu lassen. Auf der anderen Seite geht diese mit Mühe aufgebaute Atmosphäre schnell wieder verloren, wenn das Feuerteam im Eiltempo die Missionsziele abarbeitet und direkt wieder das Gebiet verlässt, oder seine gesamte Feuerkraft auf den Feind konzentriert und ihn so zielstrebig auseinandernimmt.

Insgesamt machen Grafik und Atmosphäre also keinen wirklich guten Eindruck, verschenken viel von ihrem Potential und sorgen so für ein durchgängig kurzes sowie unausgeglichenes Vergnügen. Es fehlt hier an dem gewissen Feingefühl, sowie der Liebe zum Detail, jedoch darf man hier nicht von einem kompletten Totalausfall sprechen, denn gerade als Predator macht es wirklich Spaß auf die Jagd zu gehen und seine Feinde zu erlegen, auch wenn man hier in der Regel eher im Nachteil ist, auch deshalb, weil man die meisten Fertigkeiten erst mühsam selbst erforschen muss, dem schlechten Tutorial sei Dank. Wirklich schade!

TEST: Predator – Hunting Grounds – Jäger oder Gejagter?
“Es hätte so schön sein können. Nachdem die letzten Spiele aus der AvP-Reihe nicht wirklich überzeugen konnte, lag viel Hoffnung, aber auch Erwartungsdruck auf „Predator: Hunting Grounds“. Klar, im Vorfeld wusste man ja bereits, dass es sich bei dem Titel um einen reinen 4vs1-Online Shooter handelt und der Umfang daher entsprechend gering ausfallen wird. Das man sich nur auf drei mehr oder weniger identischen Maps tummeln wird, das Kräfteverhältnis nicht ausgewogen sein wird und dadurch die Atmosphäre immens leidet, konnte beim besten Willen keiner erwarten. Natürlich gibt es auch gute Aspekte, wie das Gefühl, als Predator durch die Map zu jagen oder selbigen als Feuerteam auszuschalten. Dennoch bleibt ein Gefühl von „wie schade“, was besonders durch das ungenutzte Potential entsteht. Vielleicht lassen sich die Entwickler noch etwas einfallen und arbeiten ein bisschen am Balancing und der Leistung allgemein, bis dahin aber bekommen wir einen akzeptablen Titel geboten, nicht mehr, aber auch nicht weniger.”
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