TEST: rain – Eine Geschichte, zwei Kinder und viel Regen

Mit „flower“ oder „Journey“ konnte man in der Vergangenheit schon das ein oder andere ungewöhnliche Spielkonzept auf PlayStation erleben. Die Entwickler von PlayStation C.A.M.P! und Acquire möchten dies nun mit dem neuen PSN-Titel „rain“ fortsetzen, welches bereits zur Ankündigung vor einem Jahr großes Interesse auf sich zog und auch in unserem Preview die Vorfreude auf den Release weiter wachsen ließ.

Und dann begann es zu regnen …

„rain“ hinterließ nach der ersten Vorstellung einen sehr mysteriösen Eindruck und genau das ist das Spiel auch. Alles beginnt mit einem kleinen Jungen, der etwas kränklich in seinem Bett liegt. Draußen beginnt es zu regnen, ein kurzer Blick aus dem Fenster … ein Mädchen auf der Straße, dessen Blicke sich nur kurz treffen, aber uns dennoch dazu verleiten ihr zu folgen. Nur wenige Schritte hinter uns gelassen, sehen wir uns vor einem Tor stehen, nichts als Dunkelheit dahinter, was uns nur zögerlich dort hindurch gehen lässt und uns in die Welt von „rain“ wirft.

Schnell realisieren wir, dass etwas an diesem Punkt nicht stimmt. Neben der bedrückenden Atmosphäre, die uns umgibt, wird das Mädchen wird von einer Art Monster verfolgt. Ist es in Gefahr? Braucht es unsere Hilfe? Wir beobachten das Ganze ein wenig … das Monster bereits direkt vor uns stehend … aber halt – es kann uns nicht sehen! Geschützt unter einem Dach und vor dem Regen, begreifen wir, dass wir unsichtbar für alle anderen sind. Wir strecken unsere Hände aus und lediglich der Regen, der an uns abperlt, lässt eine geisterhafte Erscheinung auf dem Bildschirm zum Vorschein kommen. Es tun sich mehr Fragen auf, als es Antworten darauf gibt, aber wir stehen alleine in der Dunkelheit, als einzigen Begleiter der Regen. Als möglichen und vielleicht einzigen Ausweg folgen wir also weiter dem Mädchen, das wie wir unsichtbar zu sein scheint.

Der Prolog von „rain“ lässt schon erahnen, dass der Schwerpunkt des Spiels auf einer Geschichte liegt, die erzählt werden möchte. Interessant dabei ist der Stil, der durchweg in der Vergangenheitsform dargelegt wird und an frühere Gute Nacht Geschichten erinnert. Dabei geben der Junge und das Mädchen über das gesamte Spiel hinweg keinen Ton von sich, was sich letztendlich als ein markantes Merkmal von „rain“ erweist. Erzählt wird die Geschichte lediglich über Bildschirmtexte, die frei in der Luft schweben oder sich an die Umgebung anlegen, sobald ihr an Wänden oder ähnlichem vorbei lauft.

Da man am Anfang recht viel offen lässt, worum es bei „rain“ geht und auch keinerlei Erklärung dazu liefert, warum wir unsichtbar sind, warum das Mädchen weg läuft und was es mit dem Monster auf sich hat, besteht eine ungemeine Neugier daran, das herauszufinden. Und diese Neugier wird über die gesamte Geschichte hinweg aufrechterhalten. An einem Punkt im Spiel deutet sich zwar eine mögliche Erklärung für alles an, das Ende schafft es aber dennoch einen zu überraschen, einschließlich aller Antworten. Aus Sicht der Story und der Erzählweise gelingt es Sony erneut etwas fast Einzigartiges zu erschaffen, das man in dieser Form nicht sehr häufig sieht und das man mit hochgelobten Titeln wie „Journey“ vergleichen möchte.

Puzzle- und Platformer …

Die Welt von „rain“ beschränkt sich im Ganzen auf eine einzige Stadt, in der der Junge und das Mädchen leben. Diese ist so aufgebaut, dass sich ein typischer Platformer daraus entwickelt. Wir müssen häufig und ganz typisch von links nach rechts laufen, Abgründe überwinden und Hindernisse meistern. Im Gesamten alles jedoch und leider recht simpel gehalten, ohne große Anforderungen an Geschicklichkeit oder Können. Viele Abschnitte lassen euch aber auch Spielraum zum Erkunden, so dass man hier in gewisser Weise einige Freiheiten ausleben kann, insbesondere, wenn man das Spiel zum ersten Mal gemeistert hat und sich dann auf die Suche nach Erinnerungen begeben kann. Auch einige Rätsel warten auf euch, mal mehr, mal weniger komplex, aber häufig auch viel zu leicht oder zu offensichtlich zu lösen. Mit einer höheren Anforderung hätte man hier die recht kurze Spielzeit etwas strecken können, ähnlich dem Abschnitt im Zirkus, der am komplexesten aufgebaut ist.

Das wesentlichste Spielelement ist und bleibt aber der Regen, der zugleich aber auch die Dunkelheit über euch bringen kann. Die Dunkelheit sind die zahlreichen Monster, die euch im Regen sehen können und die euch im ganzen Spiel begegnen. Solange ihr im Regen steht, seid ihr für jeden sichtbar und könnt somit auch angegriffen werden. Schutz bieten hier Dächer oder Tunnelunterführungen, unter denen ihr nur noch anhand eurer Fußspuren zu erkennen seid. Was wie ein Glitch wirkt, ist jedoch voll beabsichtigt und ein unglaublich interessantes Spielelement, welches man hier einsetzt. Trotz eurer Unsichtbarkeit ist dennoch Vorsicht geboten, während ihr die Stadt durchstreift. Lauft ihr nämlich durch Schlammpfützen, sind eure Füße dadurch zu sehen und das ein oder andere Monster schnell hinter euch her. Auf der anderen Seite können Pfützen aber auch dazu genutzt werden, die Monster durch das Stapfen darin abzulenken und euch so gegenseitig zu helfen.

Interessanter Hingucker

Auch optisch hebt sich „rain“ von anderen Titeln ab und vermittelt im Ganzen einen recht düsteren Eindruck, was so aber auch beabsichtigt ist und somit die etwas traurige Geschichte unterstreicht. Durchweg regnet es im Spiel und hüllt dadurch die Welt von „rain“ in eine Art von Schleier, der den Eindruck eines Adventures mit einem starken Fokus auf die Optik hinterlässt. Trotz der dominierend düsteren und beinahe schon bedrückenden Atmosphäre hat man im Spiel überall kleine Details platziert, die einen immer wieder daran erinnern, wie es einmal als Kind war und woran man sich gerne erinnert. Dinge, auf die man als Erwachsener vielleicht gar nicht mehr so achtet oder als zu selbstverständlich hin nimmt. Gleichzeitig gibt dies einem das Gefühl im Spiel, dass es irgendwo noch Hoffnung da draußen gibt und es einen Ausweg aus dieser Welt geben könnte. Hervorzuheben sind außerdem die Animationen des Jungen und des Mädchens, egal ob beim Gehen, Rennen, Umschauen oder Klettern, die unglaublich realistisch wirken und zudem diese typische Art beibehalten, wie sich Kinder bewegen.

Ein wunderschöner Soundtrack …

Das letzte, aber auch sehr wichtige Element von „rain“ ist die Musikuntermalung und der Soundtrack, der maßgeblich zur Geschichte beiträgt und die euch regelrecht darin versinken lassen. Dazu zählen bekannte Stücke wie die des Pianisten Clive Lythgoe, aber auch der eigene original Soundtrack von Yugo Kanno, der die Geschichte recht melancholisch und somit passend unterstreicht, begleitet euch durch das gesamte Spiel. Für das Main Theme konnte man außerdem Connie Talbot gewinnen. Einige Eindrücke aus dem Soundtrack gibt es unten im Story Trailer.

TEST: rain – Eine Geschichte, zwei Kinder und viel Regen
„rain erzählt eine wundervolle Geschichte, wie man sie früher gerne als Gute Nacht Geschichte erzählt bekommen hat, einschließlich einem mysteriösem Hintergrund, bösen Monstern und zwei Kindern, die gemeinsam versuchen der Dunkelheit zu entkommen. Das kombiniert mit einem einzigartigen Art-Style und einem wunderschönen Soundtrack verspricht ‚rain‘ alles, was man von einem außergewöhnlichen Titel erwartet und der es leicht mit anderen außergewöhnlichen Meisterstücken wie ‚Journey‘ aufnehmen kann. Alles wirkt ein wenig verträumt, melancholisch und sentimental, hinterlässt am Ende aber ein zufriedenes Lächeln im Gesicht. Persönlich hätte ich etwas schwierigere und nicht so offensichtliche Rätsel gewünscht, da auch die Platformer-Elemente sehr auf das Einfachste beschränkt sind und man ohne große Anforderungen einfach durch die Level hindurch läuft. Wer wieder auf der Suche nach etwas Außergewöhnlichem ist, für den sei 'rain' wärmsten empfohlen.“
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