TEST: Sherlock Holmes: Crimes & Punishments

15:30. Auf dem Weg durch die Haustür fällt uns ein merkwürdiger Umschlag auf, der aus dem Briefkasten ragt. Bei näherer Betrachtung erkennt man den Aufdruck „Scotland Yard“. Eine Blu-Ray-Version von „Sherlock Holmes: Crime and Punishment“ befindet sich im Umschlag, zusammen mit ein paar Akten, die Informationen über das Spiel enthalten. Wir halten uns nicht lange damit auf, sondern begeben uns direkt zur Konsole und starten die Beweisaufnahme, immer mit der einen brennenden Frage: Haben die Entwickler den Fall gut gelöst oder gehen wir einer falschen Fährte auf den Leim?!

New_crimes&punishments-13Begrüßt werden wir mit ein paar Schüssen, abgefeuert von Holmes selbst, der mit seiner Pistole auf Vasen schießt, obwohl seine Augen verbunden sind. Für den Meisterdetektiv eine leichte Übung, um seine Sinne zu schärfen. Kurze Zeit später erkennt er, noch immer mit verbundenen Augen, aber mit umso schärferem Gehör, dass der Polizeichef sich die Treppe hinaufbegibt und dabei die 4. Stufe auslässt. Ein klares Merkmal dafür, dass es sich tatsächlich um den Polizeichef handelt.

Dieser berichtet uns von einem Toten, dem „Schwarzen Peter“, der auf seinem kleinen Hof in einem Außenbezirk von London ermordet wurde. Wir werden gebeten, uns diesen Mord doch einmal genauer anzusehen. Also den Anzug an und nichts wie hin.

Des Detektivs Handwerk …

Am Tatort angekommen, befassen wir uns direkt mit der Beweisaufnahme. Uns fallen Fußabdrücke im Garten auf. Wem diese wohl gehören? Vielleicht finden wir später ja den dazugehörigen Schuh!? Bevor wir uns auf die Suche nach diesem Puzzleteil machen, befragen wir erst einmal die Frau des Opfers und fertigen gleich eine Charakteranalyse an. Wir betrachten einzelne Merkmale, wie etwa den Rosenkranz und das Medaillon der Frau, um uns so etwas über ihren Charakter und ihre Vergangenheit zusammenreimen zu können. Diese Informationen können im späteren Verlauf möglicherweise noch hilfreich sein.

Bei der Beweisaufnahme wird ähnlich vorgegangen. Hier sammelt man Objekte, vergleicht sie mit vorher erhaltenen Informationen und zieht so seine Rückschlüsse. So findet man etwa am Tatort ein Paar Stiefel des Opfers. Mit diesen geht man zu den Fußabdrücken und prüft, ob Stiefel und Abdrücke zusammenpassen. Auch stellt sich die Frage, ob das Opfer, welches mit einer Harpune, die normalerweise zur Waljagd genutzt wird, aufgespießt, durch einen Unfall oder gezielt tödlich getroffen wurde. Um dies zu erfahren sind Experimente notwendig, bei denen man etwa in diesem Fall selbst eine Harpune auf einen Schweinekadaver wirft. Mit den Ergebnissen aus den Versuchen lassen sich neue Schlüsse ziehen und mit bisherigen Infos kombinieren. Dabei ist jedoch nicht unbedingt gesagt, dass man die Erkenntnisse auch richtig kombiniert, denn der Spieler selbst hat immer wieder die Aufgabe, sich selbst für einen Interpretationsweg zu entscheiden. So kommt es auch vor, dass man bereits eine mögliche Lösung gefunden hat, obwohl noch nicht alle Beweismittel entdeckt wurden. Nicht selten geht man den falschen Weg und verurteilt versehentlich jemand Unschuldigen. Man sollte von daher wirklich gut überlegen und kombinieren, um den wahren Täter zu finden. Wahre Detektivarbeit ist hier gefragt!

Hierbei stehen einem immer wieder zwei besondere Fähigkeiten zur Verfügung, bei denen Sherlock Holmes, falls es die Situation hergibt, entweder eine Szene im Kopf selbst durchspielt oder aus bestimmten Merkmalen der Umgebung Schlüsse zieht oder sogar versteckte Gegenstände entdeckt. Insgesamt stehen Sherlock Holmes-bzw. dem Spieler- 14 verschiedene Vernehmungsmethoden zur Verfügung. Hat man sich für eine Lösung entschieden, steht auch direkt die nächste an: Wie will man mit dem Täter umgehen? Verhaftet man ihn so schnell es geht, lässt man ihn laufen, da seine Absichten edel waren und er selbst hart vom Leben gezeichnet wurde? Diese Entscheidungen sorgen für eine moralische Einstufung, die sich je nach beschrittenem Weg immer wieder verändert. So macht sich Holmes auf, während des gesamten Spieles insgesamt sechs unterschiedliche Fälle zu lösen, in denen man mit Mord, Diebstahl oder anderen Missetaten konfrontiert wird. Für einen Holmes natürlich alles kein Problem.

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Neben den reinen Ermittlungsarbeiten kommt es auch immer wieder zu kleinen Minispielen und Quick-Time-Events, in denen wir einen Faustkampf bestreiten, Schlösser knacken oder einem überführten Täter das Handwerk legen müssen. Diese Events sorgen für eine gewisse Abwechslung und fügen sich hervorragend in das Spiel ein. Auch die Aufgaben, in denen chemische Lösungen hergestellt oder Zeitungsartikel aus dem Archiv studiert werden müssen, sorgen dafür, dass man sich selbst schnell wie Holmes fühlt.

Sehr entgegen kommt einem dabei das großzügig und sinnvoll angelegte Notizbuch. In diesem werden neben allen gesammelten Objekten auch die bisher erhaltenen Informationen sowie Dialoge und Charakterprofile festgehalten. Nicht selten ist es sinnvoll, hier nochmals einen Blick hinein zu riskieren. Vielleicht hat man ja etwas wichtiges übersehen, was den gesamten Fall anders beleuchten könnte. Auch eine Karte mit allen wichtigen Orten lässt sich hier finden und dient dabei als Schnellreisesystem.

Zur Steuerung lässt sich relativ wenig sagen. Sie ist angenehm umgesetzt worden und lässt sich intuitiv nutzen. Allerdings gibt es hier keine wirklich großen Besonderheiten, da das Layout zum Forschen, und nicht für wilde Action ausgelegt wurde. Es passt somit also perfekt.

Zusammenfassend wurden Gameplay und Steuerung wirklich gut um gesetzt. Das gesamte System, nach dem Holmes und der Spieler ihre Fälle lösen, ist durchweg gut und lässt wenig Langeweile aufkommen. Es gibt einen hohen Grad an Abwechslung, durch den man immer an den Fällen dran bleibt. Durch die verschiedenen Lösungen, ob richtig oder falsch, gerät man ins Grübeln und studiert lieber nochmal alles, bevor eine endgültige Entscheidung gefällt wird. Man gerät schnell in die Situation, sich tief in das Spiel hineinversetzt zu fühlen. Genau so muss es sein!

Detailverliebtheit zum Wohlfühlen …

Eins muss man ganz klar sagen: Wir hätten nicht erwartet, dass das Spiel so gut aussieht! Bereits in der ersten Sequenz wird deutlich, wie detailliert und ausgefeilt die Darstellungen der Figuren und der Umgebung entwickelt wurde. Die Texturen wirken sehr glatt und ansprechend, ein dynamisches System von Licht und Schatten sorgt für realitätsnahe Konturen und auch die vielen Details versorgen den Spieler immer wieder mit neuen Eindrücken. Auch die Bewegungsabläufe wirken sehr echt und sind frei von Rucklern oder anderen Störungen.

Diese grafische Qualität kommt einem auch bei den Untersuchungen zugute. So fällt einem etwa bei einer Charakteranalyse schnell auf, dass der Befragte Dreck unter seinen Nägeln hat, der möglicherweise von Gärtnerarbeiten im Garten des Opfers stammen könnte.

New_crimes&punishments-12Unterstützt wird die Grafik von einem angenehm eingesetzten Klangbild. Neben dem geringen Einsatz von Hintergrundmusik, durch den man nun nicht abgelenkt wird, fällt besonders die englische Synchronisation auf. Diese sorgt dafür, dass man sich nach einiger Zeit selbst in das London zu Zeiten von Holmes versetzt fühlt. Eine Freude hierbei ist, dass auf die deutsche Nachsynchronisation verzichtet wurde.

All dies sorgt für eine durchweg angenehme Atmosphäre. Die vielen verschiedenen Ermittlungs-Methoden sowie die Möglichkeit, eine Menge eigene Entscheidungen treffen zu können, die teilweise große Auswirkung haben, sorgen dafür, dass wir uns schnell selbst wie ein Meisterdetektiv fühlen und gar nicht aufhören können, den nächsten Fall zu lösen.

Entwickler: Frogwares
Publisher: Focus Home Interative
Release: erhältlich
Offizielle Homepage: www.sherlockholmes-thegame.com

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TEST: Sherlock Holmes: Crimes & Punishments
„Ein großes Lob an das Entwicklerteam von Frogwares, die mit „Sherlock Holmes:Crime and Punishment“ ein grandioses Detektivspiel abgeliefert haben. Die vielen verschiedenen Handlungsmöglichkeiten und Ermittlungswege, gepaart mit deren Auswirkungen und der tollen Atmosphäre, sorgen für einen Titel, der es durchaus schafft, den Spieler in seinen Bann zu ziehen. Einzig und alleine die Spieldauer lässt etwas Schwermut aufkommen, denn nach den sechs Fällen ist leider erstmal Schluss, es sei denn, man will die anderen Lösungsmöglichkeiten auch noch betrachten. Dennoch macht der Titel viel Freude und sorgt dafür, dass wir uns für einige Zeit selbst wie ein Meisterdetektiv fühlen können.“
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