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TEST: Star Wars Jedi – Fallen Order – Spüre die Macht in dir

Es ist wohl das Spiel, auf das Star Wars-Fans seit Jahren warten. Kein Multiplayer-only wie zuletzt in “Battlefront”, keine Mikrotransaktionen, kein Loot-Boxen – einfach eine gute Star Wars-Story, die das Franchise weiter bereichert und bislang nicht erzählte Lücken füllt.

Diesmal durfte sich Respawn Entertainment an “Star Wars Jedi: Fallen Order” und somit an einer gewaltigen Aufgabe versuchen, die zuvor für Spiele wie “Titanfall” oder “Apex Legends” bekannt waren. Mit ins Boot hat man sich außerdem echte Branchen-Veteranen geholt, darunter den ehemaligen God of War-Director Stig Asmussen, die gemeinsam das Star Wars- Franchise wieder in die richtige Richtung führen sollen. Ob man sich dafür wieder zu sehr von der dunklen Seite der Macht hat verführen lassen, oder die Jedis unter euch ihre Rache bekommen, das erfahrt ihr in unserem Test.

Eine bislang nicht erzählte Geschichte

Zeitlich spielt “Star Wars Jedi: Fallen Order” rund fünf Jahre nach Episode III: Revenge of the Sith. Anakin Skywalker kämpft inzwischen als Darth Vader für die dunkle Seite, der Jedi Orden ist weitestgehend vernichtet und nur einige wenige, die die Macht in sich tragen, sind in der gesamten Galaxie verstreut. Dazu gehört auch der neue Protagonist Cal Kestis, der sich nach der Säuberung durch das Imperium seinen Kräften zwar noch bewusst ist, wie die meisten macht er davon jedoch keinen Gebrauch mehr. Wie es der Zufall aber so will, schimmert irgendwo noch ein kleines Jedi-Licht in der Ferne, durch das sich Cal dazu berufen fühlt, den Jedi Orden wieder auferstehen zu lassen. Dazu reist ihr zwischen verschiedenen Planeten hin und her, besucht mysteriöse Gewölbe, den alten Jedi Tempel und tretet damit dem immer stärker werdendem Imperium tapfer entgegen.

Als eingefleischter Star Wars-Fan wird man wohl nicht an “Star Wars Jedi: Fallen Order” drum herum kommen, das ein weiteres Puzzlestück im gesamten Canon bildet. Die Story zeigt den Moment, in dem sich ein paar wenige Jedi wieder aufraffen, um den Orden zu bewahren, bevor die Geschichte dann irgendwann in die ursprüngliche Trilogie mündet. Über 15 Stunden wird man dazu mit einem typischen Star Wars Action-Feuerwerk unterhalten, das zwar etwas langsam in Fahrt kommt, zum Ende hin aber galaktische Spielstunden und jede Menge Lichtschwert-Duelle verspricht. Auch deshalb, weil man hier wieder liebenswerte neue Star Wars-Charaktere kennenlernt, allen voran den knuffigen BB-1 oder den etwas mürrischen Piloten Greez. Aber auch bekannte Gesichter wie Saw Gerrera (Forest Whitaker) haben kleine Auftritte im Spiel. Ansonsten verzichtet “Star Wars: Jedi Fallen Order” weitestgehend auf prominente Gesichter der Filme, wohl auch, weil Respawn eine originelle Geschichte erzählen wollte, die für sich steht. Das ist ihnen auch definitiv gelungen und man fühlt sich von der ersten Minuten an in dieses gigantische Universum versetzt, das an jeder Ecke einen vertrauten Wiedererkennungswert hat.

Dazu gehören die fünf Planeten, zu denen man reist, die jeder für sich mit einem eigenen Look und Atmosphäre überzeugen, die vielen skurrilen Lebewesen, die sich darauf tummeln, aber auch die teils gewaltigen Anlagen des Imperiums, wie die Inquisitoren-Festung auf Nur – wo ihr gegen die ‚Zweite Schwester‘ als Antagonistin antretet. Hierfür hat man sich strikt an die Film- und Buchvorlagen gehalten, bietet aber dennoch immer wieder Neues zum Entdecken und Erkunden. Und dafür hat man ausreichend Gelegenheiten, denn als Spieler steht es einem frei, zwischen den Planeten zu reisen und so auch die letzten Geheimnisse aufzudecken oder die ein oder andere Nebenstory zu enthüllen. Die Struktur erinnert ein wenig an “Mass Effect”, bei der es einem als Spieler selbst überlassen ist, ob man nur die Story verfolgt oder ausgiebig die Planeten erkunden möchte, um zum Beispiel ein noch besserer Jedi zu werden. Hierin unterscheidet sich “Star Wars Jedi: Fallen Order” auch von traditionellen Kampagnen, die in diesem Genre oftmals linear gehalten sind. Grob könnte man es als eine gute Mischung aus “Uncharted”, den früheren “God of War”-Spielen und “Tomb Raider” beschreiben, allerdings mit deutlich mehr Bewegungsfreiheit.

In jedem von uns steckt ein Jedi

Wie erwähnt, fängt man in “Star Wars Jedi: Fallen Order” nicht ganz bei Null an, denn Cal ist sich seiner Jedi-Kräfte bewusst und muss sie lediglich neu schärfen. Das passiert entweder automatisch mit Voranschreiten der Story oder mittels Erfahrungspunkten, die man man für alle Aktivitäten im Spiel erhält. Stochert man anfangs noch mit einem Einhandschwert herum, verfügt Cal am Ende über einen mächtigen Doppel-Lichtstab, der sich auch teilen lässt, um seine Gegner mit brachialer Gewalt zu Boden zu strecken. Hinzu kommen die bekannten unsichtbaren Kräfte der Macht, die in Kombination mit dem Lichtschwert einen wahren Jedi aus euch machen.

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Diese Kräfte sollten auch gut erlernt und geübt werden, denn der Schwierigkeitsgrad von “Star Wars Jedi: Fallen Order” ist doch ziemlich knackig und erfordert mehr taktisches Denken als nur eine Haudrauf-Taktik. Gerade Kämpfe gegen größere Gruppen lassen sich nur so bezwingen, wenn man zum Beispiel gerade in einen schnellen Nahkampf verwickelt wird, die Sturmtruppen zusätzlich aber auch aus der Ferne um sich schießen. Oftmals ist es die geschickte Kombination aus allen Fähigkeiten, die den Unterschied zwischen Sieg oder Niederlage ausmachen, selbst wenn man oftmals das Gefühl hat, völlig unterlegen zu sein oder die Gegner mit unfairen Mitteln tricksen. Das kann anfänglich schon mal frustrieren, man wird aber auch schnell merken, wie mächtig man selbst ist, wenn man seine Kräfte bewusst einsetzt. Damit zieht nämlich auch das Tempo auf ein spaßiges Niveau an und man kann sich genüsslich durch das Schlachtfeld pflügen.

Die Highlights sind natürlich die Boss Fights gegen riesige Gegner, wobei hier stark die Einflüsse des ehemaligen God of War Directors, Stig Asmussen, zu spüren sind. Allen voran gegen Gorgara, ein Fledermaus-ähnliches Monster, das euch hoch in die Lüfte zieht, um euch dort in einem aufwendigen und episch inszenierten Fight ans Leder zu wollen. Hier sitzt man wie gespannt vor dem Bildschirm und kann den Controller gar nicht mehr weglegen – einfach tolle Erinnerungen an den früheren PS2- und PS3 Hit.

Ansonsten lassen sich in “Star Wars Jedi: Fallen Order” viele alte Tempelanlagen und Rätsel im Stil der Tomb Raider-Spiele erkunden, man hat frei die Wahl, in wie weit man die Planeten abseits der Story erforschen möchte und kann sich so mit allerhand kleineren Geschichten belohnen. Besonders gefällt dabei das Wookie-Dorf, das viele Geheimnisse auch Unterwasser birgt. Auch nach Abschluss der eigentlich Story ist das weiterhin möglich.

Licht und Schatten

Gott sei Dank hat sich Respawn vom Frostbite-Engine Zwang lösen können und durfte für “Star Wars Jedi: Fallen Order” auf die Unreal Engine 4 zurückgreifen. Andernfalls wäre es wohl wieder in einem Desaster geendet. Denn das, was man mit der UE4 aus dem Spiel herausholt, kann sich wirklich sehen lassen. Teilweise fühlt man sich in wunderschönen Umgebungen von “Death Stranding” versetzt und wird obendrein mit tollen Cut-Scenes belohnt, die eine erstklassige Star Wars-Erfahrung versprechen, einschließlich der exzellenten Animationsarbeit. Insgesamt macht “Star Wars Jedi: Fallen Order” einen tollen Eindruck auf der technischen Seite, wenngleich auch immer mal wieder auffällt, dass man das ein oder andere Detail vernachlässigt. Hier könnte man Vergleiche zu Naughty Dog ziehen, bei denen man jedes Mal aufs Neue spürt, mit welcher Hingabe sie an sämtliche Details denken. Bei “Star Wars Jedi: Fallen Order” drückt man auch öfter mal ein Auge zu, wo man Cal auch mal stumpf durch eine Textur fallen lässt und auf spezielle Effekte beim Eintauchen verzichten. Auch bei den Gameplay-Animationen hat man immer mal wieder das Gefühl, dass diese etwas altbacken wirken, wie den unpräzisen Absprüngen, dem Kontrollverlust in der Luft oder bei den Rutschpartien. Das erinnert zuweilen an Jump’ n Run Games von vor 10 Jahren, wobei man meinen sollte, auch das habe sich doch irgendwie weiterentwickelt, siehe Tomb Raider. Damit kann man zwar leben, nervig kann es dennoch sein. Auch die Detailschärfe wird immer wieder vernachlässigt und wirkt für meinen Geschmack oft zu schwammig, was der Gesamtatmosphäre leider etwas abträglich ist.

Ein noch größerer Fauxpas ist aber der, dass man offenbar das legendäre Star Wars-Intro völlig vergessen hat – eigentlich gibt es gar kein richtiges Intro und man fällt einfach nur in das Spiel hinein – und auch die typischen Überblendungen der Filme beim Szenenwechsel fehlen hier völlig. Schämt euch! 😉

Summary
“Nach Star Wars: Battlefront II konnte es eigentlich ja nur besser werden. Und hier hat Respawn genau den richtigen Riecher gehabt, in dem man eine klassische Star Wars-Story erzählt, die das Universum mit einer bislang nicht erzählten Geschichte bereichert. Erlebt darin die wirklichen Anfänge, in denen sich der Jedi Orden wieder aufrafft, um gegen das Imperium in die Schlacht zu ziehen, inkl. nicht endender und aufregender, aber auch anspruchsvoller Lichtwertkämpfe. Die Beteiligung des ehemaligen God of War-Directors rundet dieses Paket letztendlich mit epischen Fights und einer grandiosen Inszenierung ab, die seit langem mal wieder für echte Gänsehautmomente sorgen. Hier unbedingt mit einer satten Soundanlage spielen. Technisch kann sich “Star Wars Jedi: Fallen Order” ebenfalls sehen lassen, auch wenn man teilweise einige Details grob vernachlässigt - besonders das original Star Wars-Intro. Für Fans von Star Wars ist “Star Wars Jedi: Fallen Order” sowieso ein Muss, alle anderen können sich auf eine tolle Mischung aus einiger der größten Adventures freuen, die man hier auf wundervolle Art vereint. Die Rebellion wird in Star Wars Jedi wiedergeboren, der Krieg hat aber gerade erst begonnen.”
Good
  • Tolle Star Wars-Geschichte
  • Epische Fights und Inszenierung
  • Ausgeklügelte Lichtschwertkämpfe
  • Abwechslungsreiche Settings
Bad
  • Details werden hin und wieder vernachlässigt
  • Einige Mechaniken wirken altbacken
  • Original Intro fehlt ;-)
9
Amazing