Follow

TEST: Submersed – Zwischen Schwimmflügel und Badereifen

Klaustrophobie ist in der Regel ein Garant für spannende Geschichten im Milieu des Survival-Horrors und im echten Leben. Allein schon ein voller Fahrstuhl mit Menschen, geschwängert mit den Gerüchen von triefenden Schweiß und schlechten Atem, kann ein traumatisches Erlebnis mit späteren Psychosen auslösen.

Im Falle “Submersed” von Entwickler Main Loop, kokettiert dieses Spiel mit der unbequemen Situation unter Wasser. Zwar ist in der Regel eine Station in diesen Gefilden sicher, aber wehe es geht plötzlich drunter und drüber. Stellt sich wie immer die Frage, ob sich der Held fast ohne Schrammen retten kann oder ist eher die Inszenierung dem Untergang geweiht?

In dem Unterwasser-Survival-Horror Titel versucht man sich jedenfalls an einem Tribut der klassische Horror- und Sci-Fi Filme. In der Rolle von Jack Ballard, ein kürzlich verheirateter Witwer, der als Rettungssanitäter bei der Küstenwache tätig ist, empfangt ihr einen Notruf von einem fremden Gebäude unter dem Meer mitten im Nirgendwo, das er beginnt zu untersuchen. Jack wird jede seiner Fähigkeiten einsetzen müssen, um dort wieder lebend herauszukommen. Das kann ja was werden!

Déjà-vu gefällig?

Warnender Lärm, eine klingelnde Sprechanlage…gleich im Prolog wird Figur Nummer Eins mit einer stressigen Situation im unteren Bereich einer Hochseeanlage konfrontiert. Wie praktisch! Am Startpunkt liegt schon eine Taschenlampe parat. Die nimmt man am Besten sofort mit. Und im Flur nach dem ersten Raum befindet sich schon ein Kasten mit Medizin als Inhalt. Supi, gleich rein ins Inventar damit.

Wer jetzt als Umfeld eintretende Wassermassen erwartet, wird stattdessen mit einem sporadisch auftretenden Flammenstrahl beglückt. Schnell daran vorbei, durch den Luftschacht gekrochen und im nächsten Zimmer die Tür geöffnet. Oh nein, ein Kollege kommt schon halbtot entgegen gekrochen und atmet seinen letzte Luft aus. Da ja niemand zuschaut ist Leichenfledderei kein Frevel. Und der darauffolgende Bereich gleicht endlich einem Swimmingpool, wenn auch unfreiwillig. Ob sich im kühlen Nass die notwendige Security-Card befindet? Aber ja! Das danach zu öffnende Kämmerchen enthält einen dringend benötigten Taucheranzug. Denn jetzt geht es endgültig in einen komplett überfluteten Abschnitt. Wäre da nicht so ein riesiger Hai…und der sieht verdammt hungrig aus.

Wie auch immer dieser Part der Story in „Submersed“ ausgeht…kurze Zeit später trifft Rettungssanitäter Jack Ballard ein. Brav dem Notruf von dieser Anlage folgend, landet er sehr unsanft mit seinem Helikopter im oberirdischen Areal dieser Katastrophengegend. Nach einigen Widrigkeiten verschafft er sich dank eines Liftes Zugang nach unten und findet sich prompt an der gleichen Stelle wie der Vorgänger aus dem Prolog wieder. Werden sich die Lösungsansätze wiederholen? Fragen über Fragen.

Pixel gefangen in der Finsternis

Während die akustische Untermalung in Form von z.B. Wettergeräuschen oder Warntönen passend die gefährliche Situation unterstützt, senkt das grafische Niveau das Spielvergnügen. Die Orte des Szenarios sind mit ihrer Helligkeit eh sehr sparsam gehalten, aber spätestens bei der Perspektive aus dem Sichtfenster des Taucheranzuges, wird man das Gefühl nicht los, dass hier etwas qualitativ verschleiert werden soll. Alles ist zwar als Umgebung und Gegenstand erkennbar, aber eine gewisse Detailverliebtheit bei den Strukturen wäre wünschenswert gewesen. Besonders bei Effekten durch Wasser und Feuer wirkt die Programmierung sehr grob. Tja, da hätte man den lenkbaren Figuren keine Taschenlampe geben sollen, die solche Unzulänglichkeiten aufdeckt.

Angenehm sind Bewegung und der Blickwinkel im 360 Grad-Modus, die einen trotz der Enge eine gewisse Freiheit vermitteln, allerdings bei sensiblen Spielern eine Motion-Sickness auslösen können. Sogar Kriechen und Rennen ist möglich und je nach gegebener Situation lebensnotwendig. Bei der Füllmöglichkeit des Inventarbereiches und der Anzahl der Fundorte für die Batterien der Lampe, hätte allerdings der Entwickler etwas großzügiger sein können.

Summary
“Die Idee “Film Deep Blue Sea trifft Spiel Soma” ist an sich ein Nährboden für garantierte spannende Unterhaltung mit hohem Einnässfaktor durch Schocksituationen. Letzteres erschien schon 2015 auf der Konsole und im Vergleich dazu, hätte man fast 4 Jahre später bei Submersed einen zeichnerischen Quantensprung nach vorne und keinen Rückschritt erwarten können. Das PlayStation Talents Program, das kleineren Entwicklern unter die Arme greift, ist eine lobenswerte Sache, aber in diesem Fall ist das leider kein Gütesiegel. Als VR-Titel wäre Submersed zudem wohl noch einiges interessanter."
Good
  • spannendes Thema
  • unheimliche Atmosphäre
  • Nervenkitzel durch Schockelemente
Bad
  • Motion Sickness möglich
  • keine Detailtreue
  • Inventargröße
5
Average