TEST: Toren – Eine poetische Reise mit Nostalgie-Feeling

Als Fantasy-Adventure im Ico-Style kündigten die brasilianischen Entwickler Swordtales und Versus Evil im vergangenen Jahr ihr neues Projekt „Toren“ an, das trotz recht geringer Medienpräsenz für großes Interesse sorgte. Genauso überraschend präsentierte man auch das Veröffentlichungsdatum, das für diesen Mittwoch im PlayStation Network bestimmt ist und uns vorab die Gelegenheit brachte, einen Blick auf diesen poetischen Titel zu werfen.

„Toren“ erzählt die Geschichte von Moonchild, ein Mädchen, das ihr von der Geburt bis in die Anfänge des Erwachsenseins begleitet. Das Leben als ewiger Kreislauf, angelehnt an die brasilianische Kultur und deren Mythen. Der Name ‚Toren‘ wird im Spiel einem Turm zugeschrieben, in dessen Inneren ihr gefangen seid. Als Moonchild ist es nun eure Aufgabe sich aus dem Turm zu befreien, diesen zu erklimmen, Gefahren wie einen riesen Drachen zu bekämpfen, nach Freiheit zu streben und eurem Schicksal als Moonchild entgegenzutreten.

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Als recht kurzweiliges Adventure blieb mir mit „Toren“ das Gefühl einer Erfahrung anstatt eines komplexen Spiels zurück. Man durchstreift eine wunderschöne und ruhige Fantasie-Welt und erhält die Geschichte durch eine Schriftrolle, einer Art Schamanen und durch Träume erzählt. Nichts scheint Wirklich und fesselt einen dennoch durchgehend daran, sodass man am Ende ein wenig verblüfft ist, wie schnell diese Reise wieder vorbei ist.

Die Parallelen zu ‚Ico‘ sind unverkennbar, dennoch ist „Toren“ keine simple Kopie, sondern eine Inspiration dessen, das eigene Ideen mit einbringt. So wächst im Turm mit euch zusammen ein Baum, den ihr anfangs selbst säht und der Erinnerungen in sich trägt, die euch im Laufe eurer Reise offenbart werden und den Weg an die Spitze des Turms ebnen. So werden hier nicht nur vorherige Reisen früherer Moonchild´s enthüllt, auch Fähigkeiten wie das Kämpfen können so erlernt werden. Zurück bleibt eine schöne Erfahrung, in der man zugleich an einen echten Klassiker der PS2-Ära erinnert wird und an der ein zufriedenstellendes Ende steht.

toren (1)Da ist es schon ein wenig schade sagen zu müssen, dass „Toren“ einen auch in anderen Aspekten wie dem Gameplay an die PS2-Ära erinnert. Zwar vereint man viele Elemente wie das Kämpfen mit einem Schwert, Kletter- und Sprungeinlagen, leichte bis mittelschwere Rätsel und die Möglichkeit alles ein wenig erkunden zu können, die Ausführung fühlt sich jedoch etwas mangelhaft an. Unpräzise und unsicher bewegt man sich mit dem Moonchild durch den Turm … schafft man den Sprung an dieser Stelle, reicht das Timing aus, leichte Input-Verzögerung oder wo geht es überhaupt lang? … fragt mich sich zu häufig. Das sind wirklich Dinge, von denen man meint, man hätte sie schon lange hinter sich gelassen, sodass es oftmals nur eine Sache von genug Wiederholungen ist, bis man den nächsten Abschnitt gemeistert hat. Irgendwie arrangiert man sich aber auch damit und muss es letztendlich auch.

So erzählerisch wie sich das Konzept von „Toren“ präsentiert, so wunderschön und malerisch gestaltet sich auch die Spielwelt selbst, in der man durch ein Farbenmeer tapst. Spätestens mit den Traumsequenzen, die mit Filtern überlagert werden, wo alles ein wenig verschwommen und surreal wirkt, ist die Vorstellung der Fantasiewelt von „Toren“ perfekt. So durchschreitet man hier nicht nur den zunächst kargen Turm, der sich im Laufe eurer Reise mit Leben füllt, sondern besucht auch Unterwasserwelten, Wüstengegenden und überquert Abgründe. Es ist hier mehr der künstlerische Aspekt der zählt und keine bis ins kleinste und perfekt ausgestaltete Grafikbombe, die dennoch zu gefallen weiß.

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Abgerundet wird „Toren“ von einem prämierten Soundtrack, der euch mit atmosphärischen und ruhigen Klängen durch das gesamte Spiel hinweg begleitet. Da man auf eine Synchronisation weitestgehend verzichtet, liegt es zum Teil – und wie auch schon in anderen Spielen wie zum Beispiel „Journey“ – an euch selbst die Geschichte weiter für sich auszuschmücken und zu entdecken. Das ist auch der besondere Reiz an dieser Art von Spielen, in denen man nicht alles auf dem Silbertablett präsentiert bekommt und so jeder seine ganz individuelle Reise erleben kann.

Entwickler: SwordsTale
Publisher: Versus Evil
Release: 13. Mai 2015
Offizielle Homepage: www.toren-game.com

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TEST: Toren – Eine poetische Reise mit Nostalgie-Feeling
Toren gehört zu den Spielen, die auf ihre Art aus der Masse herausstechen, relativ schlicht wirken und am Ende dennoch begeistern. Das Spiel erzählt seine ganz eigene und interessante Geschichte und lässt nebenher viel Spielraum, um sie für jeden Einzelnen individuell werden zu lassen. Abgesehen von den spielerischen Schwächen erwartet euch hier ein kleines Kunstwerk aus visueller und akustischer Darbietung in angenehmer und ruhiger Atmosphäre, womit man einmal mehr beweist, dass man auch abseits der Norm ein überzeugendes Spiel abliefern kann. Obendrauf dürfen sich mit Toren alle Fans von Ico angesprochen fühlen und ihren Nostalgiegefühlen freien Lauf lassen.
8.3
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