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The Dark Pictures: Men of Medan – Vorschau & Interview zum Until Dawn-Nachfolger

Eine Gruppe Teenager auf hoher See in Not, ein Geisterschiff und unzählige mögliche Auswege, oder doch nicht? Das sind die Zutaten für den ersten Teil der “The Dark Pictures Anthology” von Entwickler Supermassive Games, hinter dem ein geistiger Nachfolger von “Until Dawn” steht. Im August erscheint mit “Man of Medan” der erste Part dieser Anthology, die Bandai Namco und Supermassive Games vor wenigen Tagen in einer ausführlichen Gameplay-Preview vorgestellt haben.

Die gewählte Location für das Event hätte kaum passender sein können; ein altes Schiff, gelegen in der Elbe, samt Escape Room und zahlreichen Anspielstationen, auf denen man auch gleich ein brandneues Feature von “The Dark Pictures” enthüllt hat, worauf wir später noch näher eingehen werden.

Die See des Grauens

Die aktuelle Demo präsentierte den Prolog, in dem eine Gruppe Teenager (Alex, Julia, Brad, Conrad und Julia) in See sticht, um nach uralten Wracks zu tauchen. Wie so oft drehen sich um diese geheimnisvolle Mythen und Geschichten, auf die unser Kapitän Fliss auch nicht Müde ist hinzuweisen, und somit schon einen gewissen Gruselfaktor mit sich bringen. So weit, so gut, wären da nicht noch moderne Piraten, die uns die eben erbeutete Schatzkarte wieder abnehmen und uns zwingen, Kurs auf die darauf eingezeichnete Position zu nehmen, nicht wissend, dass der wahre Horror hier erst beginnt.

Es war bereits die zweite Gameplay-Preview für uns, nachdem man schon im Rahmen der gamescom im vergangenen Jahr einen ersten Blick auf das Spiel werfen konnte. Damals präsentierte sich “The Dark Pictures: Men of Medan” noch als waschechter Until Dawn-Nachfolger, der irgendwie dort weiter macht, wo der PS4 Blockbuster damals endete. Es gibt aber auch bedeutende und interessante Unterschiede in “The Dark Pictures”, wie uns Supermassive Games Marketing Director James Scalpello und Art Director Robert Craig im Interview erklärten.

“Das interessante an „The Dark Pictures“ ist, dass es sich um eine Anthology handelt, was es uns als Creator erlaubt, viele viele Dinge auszuprobieren – unterschiedliche Aspekte, unterschiedliche Sub-Genres des Horrors, wie im Fall von Man of Medan diesen Horror auf hoher See. Im nächsten Spiel konzentrieren wir uns dann auf etwas völlig anderes, wo wir all unsere Energie in die verschiedenen Aspekte hineinlegen können, ähnlich wie mit Until Dawn, das im Grunde eine weitere Story erzählt, und wo man sich voll und ganz auf dieses eine Thema konzentrieren kann. Es bieten sich damit aber auch andere Möglichkeiten, wie andere Visuals zu verwenden, andere Technologien, man schaut sich an, was die Leute bei einer früheren Erfahrung genossen haben und kann darauf weiter aufbauen und wachsen; und somit auch immer etwas völlig Neues bieten. The Dark Pictures wird stets eine Evolution dessen, was wir vorher gemacht haben, aber es geht auch darum, dass wir immer etwas anderes machen wollen, neue Geschichten erzählen, neue Charaktere vorstellen, neue Schauplätze erkunden usw., aber auch einzigartige Features einführen.”

So sind neben “Man of Medan” derzeit noch mindestens vier weitere Spiele in Arbeit, die in den kommenden Jahren erscheinen werden. Details zu diesen möchte man jetzt jedoch noch keine verraten. Es sind aber unterschiedliche Teams, die sich immer mit einem Projekt und einer Thematik befassen und sich somit voll und ganz auf dieses konzentrieren können.

Movie Night: Social-Multiplayer enthüllt

In Bezug auf neue Features gab es auf dem Preview Event auch gleich eine Premiere, nämlich ein Social-Multiplayer-Part, mit dem sich “The Dark Pictures” deutlich von “Until Dawn” unterscheidet. In “Until Dawn” war es noch so, dass jeder seine eigene Story spielte und hier und da Entscheidungen traf, welche die Richtung der Story lenkten. Mit dem Social-Multiplayer Part in “The Dark Pictures” verhält es sich nun so, dass die anderen Charaktere von einem Spieler irgendwo auf der Welt gespielt werden und man nie weiß, welche Entscheidungen dieser Spieler treffen wird. Das fällt im ersten Durchlauf vielleicht noch nicht ganz so auf, aber bereits beim zweiten Anlauf wird man sehr wahrscheinlich eine etwas andere Story erleben, aus einer anderen Sichtweise, mit völlig neue Szenen und Schauplätzen. Das macht die Story von “The Dark Pictures: Men of Medan” absolut unvorhersehbar und für jeden Spieler immer wieder einzigartig.

“Es gibt deutlich mehr Verzweigungen in der Story als in Until Dawn – nur eine kleine Änderung oder Entscheidung kann sich bedeutend auf das restliche Spiel auswirken. Wir wollten sehr viel mehr damit machen, wirklich ins Extreme und Verrückte in Bezug auf Verzweigungen und die Inhalte gehen. Am Ende ist es wirklich deine Version der Geschichte – es gibt so viele Twists, so viele Entscheidungen und Konsequenzen, man kann auf 69 verschiedene Arten sterben, es gibt multiple Enden, es ist wirklich verrückt.”

Wie viele unterschiedliche Verzweigungen, Konsequenzen und Enden es damit in “The Dark Pictures: Men of Medan” geben wird, weiß nicht einmal Supermassive Games selbst, es sind wohl einfach zu viele. Jede noch so kleine Entscheidung kann laut dem Entwickler die ganze Story verändern. Das zeigte sich auch gleich im Prolog, wo man je nachdem, welchen Charakter man für sich wählte, entweder auf dem Boot bleibt, wo sich der Kapitän den erfolglosen Anmachversuchen von Conrad ausgesetzt sieht, oder selbst zu dem Flugzeugwrack aus dem Zweiten Weltkrieg abtauchen kann. Auch eine spätere Auseinandersetzung mit den Piraten hätte in dem Prolog schon dazu führen können, dass wir erste Charaktere verlieren. In unserem Fall haben wir allerdings schnell genug reagieren können und gerade so ist noch einmal alles genug gegangen. Nur wie lange noch?

“Manchmal ist man zusammen in der gleichen Szene, hört die gleichen Dialoge; und manchmal ist man an einer völlig anderen Location, zum Beispiel bleibt einer auf dem Boot und der andere geht tauchen. Es ist wie, man sieht zusammen den gleichen Film, aber jeder aus einer anderen Perspektive mit unterschiedlichen Erfahrungen, anderen Ansätzen, das ist wirklich spaßig. Man kann nicht zählen, wie viele Verzweigungen es wirklich gibt; wir wissen nicht, wie viele Enden es geben wird, wie viele Leute am Ende noch am Leben sein werden oder sterben. Das ist auch der Unterschied zu Until Dawn, wo verschiedene Dinge innerhalb einer Szene passieren konnten, aber man immer die gleiche Szene gesehen hat. Bei The Dark Pictures wird man völlig unterschiedliche Szenen sehen, basierend darauf, was man zuvor gemacht hat. Man wird völlig andere Inhalte erleben, da das Level an Verzweigungen in „The Dark Pictures“ sehr viel größer ist. Es gibt so viele Entscheidungen, weshalb man auch nicht sagen kann, dass man dieses oder dieses Ende sehen wird. Es ist alles viel komplexer und es gibt so viele Kombinationen. Charaktere können sterben (ziemlich sicher sogar), aber auch vollständig entkommen, da gibt es so viele Variationen.”

Neben dem Social-Multiplayer, der online im KoOp gespielt wird, zeigte Supermassive Games außerdem noch einen lokalen Couch-KoOp-Modus, genannt “Movie Night”, der im Grunde auf dem gleichen Prinzip basiert. Mindestens 2 bis maximal 5 Spieler entscheiden sich dabei für je einen Charakter, man startet die Story und je nachdem, wer von den Charakteren gerade an der Reihe ist, übernimmt die Kontrolle. Auch das ist eine kleine Weiterentwicklung gegenüber “Until Dawn”, da es nun nicht mehr nur passive Zuschauer gibt, die einen bestimmten Charakter favorisieren oder sich in eure Entscheidungen einmischen, sondern jeder Einzelne die Geschichte nach seinen Wünschen und mit seinem Charakter lenken kann. So ergeben sich spannende Spieleabende und Diskussionen untereinander, da sich “The Dark Pictures: Man of Medan” mit seinen 4 bis 5 Stunden Story-Spielzeit auch an einem Stück meistern lassen sollte.

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Die Jump Scares sind zurück

Wie schon die gamescom Demo im vergangenen Jahr vermuten ließ, kehren in “The Dark Pictures: Man of Medan” auch die berühmten Jump Scares zurück, bei denen die Spieler in völlig unerwarteten Momenten mit Schockeffekten konfrontiert werden und die ein gutes Horrorspiel zum Teil eben auch ausmachen. Leider verzichtet man diesmal in der PS4-Version auf den Einsatz der PlayStation Camera, da nicht alle Plattformen dieses Feature unterstützen und jeder die gleiche Erfahrung haben soll. Ziemlich schade, da dies doch zu einem der coolsten Features in “Until Dawn“ gehörte. Trotzdem kann man sich sicher sein, dass einen nicht weniger Herzattacken ereilen werden, das ist zumindest garantiert.

Für etwas Entspannung sorgen dann wieder die psychologischen Gespräche mit dem Kurator, der diesmal von Pip Torrens gespielt wird, und die einem ebenfalls aus “Until Dawn” bekannt vorkommen dürften. Der Kurator wird als „omnipräsenter Teil der Spielerfahrung“ beschrieben, der euch über die gesamte Anthology erhalten bleibt. Mit all seiner Weisheit ist dieser allerdings auch an Regeln gebunden und darf sich nicht in das Geschehen einmischen. Allerdings kann er euch auf Dinge hinweisen, die ihr während des Spielens vielleicht übersehen habt und die euch im Nachhinein überraschen werden. Das funktionierte schon in “Until Dawn” ziemlich gut und stellt auch diesmal wieder eine interessante Komponente dar.

Bekanntes Gameplay

Spielerisch hält man sich ansonsten wieder stark an “Until Dawn”, bewegt seine Figuren meist aus der Third-Person Ansicht durch die Szene, kann hier und da mit Objekten interagieren und sie in der Hand drehen, um etwa Hinweise auf der Rückseite zu finden, muss Rätsel lösen und absolviert immer mal wieder Quick-Time-Events. In dieser Hinsicht hat sich, zumindest in der Preview-Version, nicht sehr viel verändert. Wer allerdings eine spielerische Tiefe wie in manch einem Rollenspielen sucht, oder gar eine umfassende Charakterentwicklung, sucht hier eher vergebens. Der Fokus ist auch in “The Dark Pictures” wieder klar auf die Story und Erzählung gerichtet und wird durch das Entscheidungs- und Konsequenzen-System hoch gehalten, an dem am Ende ein enormer Wiederspielwert steht. Until Dawn-Fans und all jene, die diese Genre ohnehin mögen, kommen mit “The Dark Pictures” also definitiv wieder auf ihren Kosten.

Auffallend positiv gegenüber “Until Dawn” sind diesmal zudem die Charaktere an sich, die trotz Echt-Face-Scans nicht mehr wie Puppen aus dem Horrorkabinett wirken und mit zuviel Glanzeffekten überzogen sind. Hier hat sich doch einiges getan, wenngleich einige Lippenbewegungen noch ein wenig seltsam aussehen. Ebenso überzeugte schon die deutsche Synchronisation, auf die man diesmal besonders viel wert gelegt hat. Ansonsten weiß Supermassive Games wieder mit einer düsteren und beklemmenden Atmosphäre zu punkten, sobald man sich auf dem Geisterschiff befindet. Leider endete genau an diesem Punkt die Gameplay-Preview.

„Wer sehnsüchtig auf Until Dawn 2 wartet, der findet in The Dark Pictures: Man of Medan ein mehr wie willkommenes Pendant, das nicht nur auf der gleichen Idee aufbaut, sondern das Choice-based Genre durch seinen Social-Multiplayer um einen großen Schritt nach vorne bringt. Eine Story wird nie wie die andere sein und durch unvorhersehbare Entscheidungen der Spieler auf der gesamten Welt für jeden ganz individuell geschrieben. Darüber hinaus versteht sich Supermassive Games wieder erstklassig darin, eine spannende und unheimliche Atmosphäre zu erschaffen, die euch diesmal auf ein gruseliges Geisterschiff auf hoher See entführt. Einzig die knapp bemessene Spielzeit sorgt für einige Bedenken, da wir in der Preview bereits 1/3 des Spiels in dieser Nussschale verbracht haben. Das interessante und große Geisterschiff kommt erst danach und schafft es hoffentlich mit dem Wiederspielwert zu begeistern. Wir können es trotzdem kaum erwarten an Bord zu gehen, sobald man Ende August mit The Dark Pictures in See sticht!“

The Dark Pictures - Man of Medan [Playstation 4]
  • Bandai Namco Entertainment Germany
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