TEST: BioShock Infinite – Hoch über den Wolken oder ein tiefer Fall?

Zugegeben – wir waren sehr überrascht bei der Ankündigung und der ersten Gameplay-Screenshots von „Bioshock: Infinte“. Wieso ? Eigentlich aus dem Grund, dass die ehemaligen zwei Teile unter Wasser gespielt haben, während „Infinite“ nun hoch in die Lüfte geht.

Bereits bei der Entwicklung munkelten die Gemüter über das teuerste Spiel, was allerdings vom Serien-Schöpfer Ken Levine persönlich widerlegt wurde. Allerdings versprach der Marketing Chef Simon Boss, dass das Spiel sehr lange im Gedächtnis der Käufer bleiben wird. Nicht nur die technische Aspekte würden überzeugen, sondern auch die Handlung sei sehr spannend. Auf der anderen Seite liegen die Kämpfe nach Aussagen der Entwickler nicht im Vordergrund, sondern vielmehr die Geschichte, die bereits angesprochen wurde. Unser Interesse war als geweckt!

Doch auch bei der Story hatten die Macher zunächst große Probleme, zumal Religion als Thema eine große Rolle einnimmt. Man betrachtete anfangs die Handlung aus einer ganz anderen Perspektive, so dass einige Charaktere umgeändert werden mussten, damit diverse Käufer nicht in ihrem Glauben verletzt werden. Dank des interkulturellen Teams sei dieses Vorhaben erst möglich gewesen. Wird der Titel auch uns überzeugen können? Wir haben uns „BioShock: Infinite“ genauer angeschaut und machen uns auf die Jagd über den Wolken!

Religion – Die Frage aller Fragen …

Wie kann man Religion definieren? Ist es der Glaube an den Gott? An viele Götter? Der Glaube an sich selbst? Mit dieser Frage scheint sich „Bioshock: Infinite“ zu beschäftigen. Anfangs merkt man als Spieler jedoch nichts davon, als der Unbekannte mit dem Namen Booker De Witt einen auf den ersten Blick mehr als subtilen Auftrag erhält. Ein Mädchen muss aus der Wolken-Stadt „Columbia“ gerettet bzw. entführt werden – wie ihr wollt. Das Mädchen mit dem Namen Elizabeth birgt jedoch ein großes Geheimnis, welches nicht nur Bookers sondern auch das Leben aller Menschen verändern kann. Somit wird das arme Ding in einem buchstäblich goldenen Käfig gehalten. Bald kommt Booker mit Hilfe von Elizabeth hinter all die Geheimnisse, die er die bisherigen Jahre so verdrängt und vergessen hat – so viel sei verraten.

Die Macher kreieren nicht nur eine ganz spannende sowie leicht verwirrende Story, sondern eine spielerische Wucht mit einer Priese Ironie an den heutigen Verständnis von Religion. Die Stadt „Columbia“ ist nichts weiter als ein Werk eines von sich selbst ernannten Propheten, der alle Bewohner in eine Art Sekte verwickelt. Atheismus wird bestraft – wie es im Booker`s Fall ist. Doch nicht nur spielerisch hat die Handlung eine beeindruckende Tiefe. So lassen sich bestimmte Merkmale und Ereignisse auf die Realität reflektieren. Es ist sogar erschreckend, wie leicht sich Menschen durch ihren Glauben manipulieren lassen können. Auch wir interpretieren für uns diverse Merkmale von Scientologie und das Streben nach Unsterblichkeit, Frieden und Gutmütigkeit. Solche Themen wie Moral und Gleichheit der Menschen sind ebenfalls als Themen in „Bioshock: Infinite“ vertreten. Während Booker beispielsweise nach seiner eigenen Moral und Lust handelt, erkennt Elizabeth die Probleme der Menschen und möchte diese vergeblich im Sinne der Allgemeinheit lösen.

Salze – Helfer im Not …

Auch wenn die Story überzeugt, Spaß soll der Titel schließlich trotzdem machen. Aus der Ego-Perspektive schaltet ihr mit Hilfe von verschiedenen Waffen die städtische Polizei und die Anhänger der Sekte aus. Als Schießröhren fungieren Revolver, Pistolen, Gewehre, Shotguns usw. Das Problem ist jedoch, dass von den Waffen her nur zwei unterschiedliche in jeder Kategorie bestehen. Das heißt, dass ihr bis zum Ende hin die gleichen Waffen benutzen müsst, die ihr jedoch bei speziellen Automaten verbessern könnt, um beispielsweise die Stärke zu vergrößern. Es gibt sechs bis sieben unterschiedliche Spielautomaten, die ihr zur Aufbesserung der Gesundheit oder Salze verwenden könnt. Als Währung gilt hier das ganz normale Geld, welches in den Levels gefunden werden kann. Um eure Attribute zu verbessern, gilt hier das Anziehen besonderer Kleidung, um zum Beispiel den Gegner mit einer Chance von 70 Prozent verbrennen zu lassen.

Trotz der Klischees in der Gaming-Branche, dass das weibliche Geschlecht unbedingt, das schwächere sein muss, erweist sich Elizabeth als äußerst hilfreich. Das junge Mädchen wirft euch bei Bedarf Munition, Gesundheit oder sogar Geld zu – beschützt werden muss sie zudem nicht. Was Elizabeth noch dazu besonders macht, ist ihre Fähigkeit das Raum-Zeit-Gefüge zu durchbrechen. So lassen sich hilfreiche Objekte erschaffen, die Deckung bieten, kämpfende Roboter herbeirufen oder neue Bereiche eröffnen. Was das Gameplay aber noch viel dynamischer macht, sind die sogenannten Rail-Bannen, welche zur schneller Fortbewegung auf dem Kampffeld benutzt werden können. Booker heftet sich mit seinem geklauten und sehr praktischen Gadget an die Roll-Bannen und kann so von oben die Gegner außer Gefecht setzen. Was außerdem zu erwähnen wäre sind die sogenannten Salze, die für magische Fähigkeiten bei Booker sorgen und ganze Gegnerscharen niedermetzeln. Ob Feuerkugeln, schockende Blitze oder gefährliche Krähen – alles kann nützlich in der Hitze des Gefechts sein. Jeder Zauber erfordert eine bestimmte Menge an Salze, die ebenso in den Levels gefunden werden können.

„Die technischen Aspekte wissen es zu überzeugen…“

Was letztendlich mindestens so hoch gelobt wurde wie die Story sind die Grafik und der Soundtrack von Garry Schyman. Beim grafischen Aspekt haben wir allerdings einiges zu bemängeln. Demnach kann man im Detail unschöne kantige und altbackene Objekte beobachten. Auch die Texturen selbst sind nicht sonderlich detailliert, sondern auf wenige Meter Annäherung schwammig und unscharf, was im Gesamtbild des Spiels allerdings ein wenig untergeht. Dieses steht nämlich im kompletten Kontrast zudem, was man derzeit sonst so in Spielen zu sehen bekommt. Man möchte keinem Realismus entgegentreten, sondern fokussiert sich eher auf eine Cartoon-ähnliche, sehr farbenfrohe Optik. Zu Loben wäre hier auch die großartige Mimik und der Detailreichtum was das Charakterdesign angeht. Die Zwischensequenzen gehen ebenso nahtlos ineinander über, so dass keine Ladezeiten das Spielgeschehen unnötig unterbrechen.

Soundtechnisch hat der Titel aber viel zu bieten. Neben dem stimmigen Soundtrack, gibt es sehr gut auf deutsch synchronisierte Dialoge und Musikuntermalungen, die sich der jeweiligen Situation anpassen. Auch die Soundeffekte klingen auf gar keinen Fall stumm oder einfallslos. Alles zusammen ist die Soundqualität ist im Gesamten auf einem hohen Niveau. Beliebig können das Hintergrund- sowie Sprach-Optionen individuell angepasst werden, so dass für jeden Spieler ein perfektes akustisches Erlebnis entsteht.

Was den geplanten Multiplayer-Modus angeht, hat man sich im Laufe der Entwicklung dagegen entschieden. „BioShock: Infinite“ lebt von seiner Story, die letztendlich sogar einige negative Aspekte des Spiels wieder ausgleichen kann.

TEST: BioShock Infinite – Hoch über den Wolken oder ein tiefer Fall?
„Bioshock Infinite“ bietet eine tiefgründige Story mit leichten Merkmalen, die jeder Spieler für sich selbst interpretieren kann. Vom Gameplay her scheint alles solide, jedoch werden die Waffen gegen Ende sehr eintönig zu werden – und zwar trotz der Möglichkeit, diese verbessern zu können. In Hinsicht auf die Optik scheint das Gesamtbild mit ein paar Macken im Detail zu stimmen, schaut man einmal über die etwas altbackenen Texturen hinweg. Hätte man auf eine etwas neuere Engine gesetzt, wäre sicherlich mehr drin gewesen, was zugunsten der Atmosphäre nur positiv hätte ausfallen können. Die akustische Aspekte sind unserer Ansicht nach völlig erfüllt worden. Wir empfehlen das Spiel an jeden Gamer, der nicht nur eine Herausforderung sucht, sondern auch eine spannende Geschichte hinter Booker und Elizabeth erleben will.“
9.5
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