TEST: HITMAN – Ein grandioses, aber unbefriedigendes Ende

Es ist das langerwartete Finale der Season One von ‚HITMAN‘, die uns seit nun acht Monaten rund um die gesamte Welt reisen lässt und dem wohl berühmtesten Auftragskiller  – Agent 47 – Einblicke in höchst elitäre Kreise erlaubt. Eine geheime Elite, die die Welt zu ihrem Spielball machen und dabei selbst zum Ziel werden.

Paris, Italien, Marokko, Bangkok, die Vereinigten Staaten und zuletzt Japan sind die Schlüsselschauplätze dieser nervenaufreibenden Jagd, die zugleich nur den Auftakt dessen darstellt, wozu Agent 47 ausgebildet wurde. Bereits in der fünften Episode wurde die Story nach vielen Vermutungen ein ganzes Stück nach vorne gebracht und offenbarte, dass die ICA unterwandert ist, womöglich von einem eigenen Schattenklienten, der deren Fähigkeiten und Agenten dazu nutzt, um hochrangige Ziele nach eigenen Interessen ausschalten zu lassen.

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Ein unbefriedigendes und dennoch interessantes Ende

Ganz ehrlich, ich musste mir die Story-Sequenzen nach dem Abschluss nochmals alle mehrfach anschauen, um nach dieser langen Zeit noch den Zusammenhang zu verstehen, der selbst dann nicht wirklich klar war. Ein Blick in die offiziellen Foren und den regen Diskussionen dort bestätigte letztendlich die Vermutung, dass IO hier einfach zu viel offengelassen hat und somit am Ende leider ein recht unbefriedigendes Gefühl zurück bleibt. Noch immer ist nicht vollends klar, wer oder was welche Ziele verfolgt, sodass die Season One mehr ein Konstrukt aus Rahmenhandlungen, nicht eindeutig zuzuordnenden Charakteren und vielen Fragen ist, die unbeantwortet bleiben. Sicher ist damit wohl nur, dass es eine zweite Season geben wird, die hoffentlich mehr Licht ins dunkle bringt und diese Fragen dann auch beantwortet. Dass man darauf nun wohl mehrere Monate warten muss, dürfte ziemlich frustrierend werden.

Dennoch muss man sagen, dass der Aufbau der Story wohl besser als jemals zuvor ist. Eine spannende und erwachsene Agentengeschichte, du zu keinem Zeitpunkt ins Kitschige oder noch schlimmer ins Übernatürliche abdriftet. Die Präsentation, der Stil und die Erzählung ist geradezu grandios und übertrifft mit ihrer Geheimnistuerei und vornehmen Zurückhaltung so manchen Kinofilm. Es macht einfach Spaß dem Ganzen zuzuschauen, sowie ein Teil dessen zu sein, der mit an den Strippen dieser Welt zieht.

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Nach Hokkaido und zu anfänglicher Stärke zurück

Nach dem phänomenalen Auftakt mit dem Schauplatz Paris, der kurz darauf von Sapienza nochmals übertroffen wurde, hatte man zwischenzeitlich das Gefühl, dass IO Interactive bereits die Luft ausgeht was die Schauplätze betrifft. Ohne Zweifel hatte man mit Colorado zuletzt ein ziemlich langweiliges und geradezu anspruchsloses Level-Design gewählt, welches uns den Auftrag viel zu leicht machte. Mit Hokkaido kehrt man allerdings zu alter Stärke zurück und präsentiert eine komplexe, vielschichtige und moderne medizinische Einrichtung, hoch oben versteckt in den Bergen. Hier lässt sich die Elite dieser Welt, und diejenigen, die es sich leisten können, mit teils kuriosen Behandlungen wieder auffrischen, bis hin zum Identitätsdiebstahl oder nicht zugelassenen Forschungen am Menschen. Diese Einrichtung sieht nicht nur hyper-modern aus und glänzt so schön wie einst der edle Palast von Paris, sie bietet auch wieder jede Menge Abwechslung – von luxuriösen Patientenzimmern, über einen Spa, einer unterirdischen Versorgungsetage, bis hin zu einem streng bewachten medizinischen Komplex, ausgestattet mit hochmodernen Geräten und Superrechnern. Zugleich umgibt euch diese traditionsreiche asiatische Atmosphäre mit den typischen Klängen im Hintergrund, einem Garten und dem Personal in den schönen Kimonos.

Spielerisch kommt nun alles zusammen

Alles was Agent 47 in den letzten Episoden gelernt hat, kommt nun in Episode 6 zusammen und euch steht das bisher umfangreichste Repertoire zur Verfügung. Natürlich bietet auch Hokkaido wieder seine speziellen Eigenheiten, und Vorgehensweisen, die bisher immer gut funktioniert haben, sind diesmal völlig nutzlos. So ist zum Beispiel das anfängliche Loadout sehr stark eingeschränkt und Hilfsmittel müssen zunächst gefunden werden. Türen können zum Beispiel nicht mehr einfach geknackt werden, sondern es bedarf das richtige Outfit mit dem passenden Sender dazu. Nach einem Brechmittel habe ich fast eine Stunde lang gesucht, um eine Gelegenheit nutzen zu können, andere wiederum sind mir noch völlig ein Rätsel. Aber auch die Herausforderungen machen wieder einiges her und sind sowohl kreativ, wie auch ganz typisch mit dem düsteren Humor unterstrichen, wofür die Serie inzwischen so bekannt ist. Ob vergifteter Fungi, das Zerplatzen eines äußerst seltenen Herztransplantats, vergiftete Stammzellen, eine verpfuschte Operation oder ganz klassisch in Anzug und Krawatte. Hier kann man IO wirklich nur loben, dass man über die gesamte Staffel rund 100 dieser verrückten Attentate und noch weitaus mehr Herausforderungen abseits dessen zusammenbekommen hat.

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Sound, der für Gänsehaut sorgt

Die fantastische Synchronisation und Soundkulisse hatten wir ja schon mit jeder neuen Episode erwähnt, an der es auch bis zuletzt nichts zu rütteln gibt. Insbesondere die Stimme unserer Kontaktperson Diana Burnwood, gesprochen von Jane Perry, liefert hier einen grandiosen Job ab und sorgt mit für diese unglaublich tolle Atmosphäre. Aber auch der Mix an thematischer Hintergrundmusik, die entsprechend dem Spielgeschehen angepasst wird, sorgt immer wieder für Gänsehautmomente, vor allem beim Abschluss einer Mission um dem Zulaufen auf den Fluchtpunkt.

Inhalte ohne Ende

Neben der eigentlichen Story, die einen bereits umfassend beschäftigt, möchten wir noch einmal die zahlreichen Nebenaktivitäten hervorheben, die auf euch und Agent 47 warten. Neben den bislang exklusiven ‚The Sarajevo Six‘ Missionen warten geradezu unzählige Esklation´s Aufträge, 30 Elusive Targets, sowie die von der Community erstellten Inhalte auf euch, die einen mehrere Wochen und Monate beschäftigen. Allen in allem bekommt man hier die bislang umfassendste und äußerst abwechslungsreichste HITMAN-Erfahrung geboten.

TEST: HITMAN – Ein grandioses, aber unbefriedigendes Ende
„Trotz viel Gemecker über das Episodenformat von HITMAN zählt der Titel zu einem der Besten in diesem Jahr und hat mich persönlich länger als jedes andere Spiel in dieser Zeit beschäftigt. Dank der stückchenweisen Veröffentlichung bot sich die Chance, die einzelnen Schauplätze bis in die letzten Ecken zu erkunden und nicht in aller Eile dort hindurch zu rennen. Den Begriff ‚Sandbox‘ konnte man so wirklich mal wahrnehmen und als Agent 47 alle Facetten seines Berufes ausleben. Die Kreativität und der düstere Humor, den IO dabei an den Tag legt, sind einfach klasse und bezeichnend für die Serie. Obendrauf darf man sich auf eine erstklassige Agentenstory freuen, auch wenn das Ende etwas unbefriedigend ausfällt und man sich mehr Antworten gewünscht hat. Umso mehr freut man sich aber auch auf die Fortsetzung. Die Vielfalt und spielerischen Möglichkeiten, die von Episode zu Episode geboten werden, die grandiose Synchronsprecherleistung und die nahezu perfekte Soundkulisse runden das HITMAN-Erlebnis obendrauf bis zuletzt ab. Wer bis jetzt gewartet hat, bekommt ab Januar noch einmal das Komplettpaket auf Disc geliefert, muss dann aber damit leben, eines der herausragendsten Spiele dieses Jahres einfach so an sich vorbeigezogen gelassen zu haben.“
9.4
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