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TEST: Observation – S.A.M., bist du da?

Sind wir ganz allein im Universum? Diese Frage beschäftigt zahllose Menschen, nur eine Antwort darauf gibt es bisher nicht so ganz eindeutig. Wer auf spannende Sci-Fi Stories steht, für den dürfte der aktuelle Titel “Observation” von Entwickler No Code und Devolver Digital daher gerade richtig kommen, die damit eine Fortsetzung des Kult-Klassikers “Stories Untold” präsentieren. Schon seit der Ankündigung von “Observation” war klar, dass der Titel vor allem aus spielerischer Sicht so einiges anders macht, so dass auch wir es uns nicht haben nehmen lassen, hoch in die Sphäre der Erde zu steigen und die dramatischen Vorfälle an Bord einer Raumstation zu untersuchen.

Houston, wir haben mal wieder ein Problem

Die Story dreht sich dabei um das Schicksal der gesamten Crew, allen voran von Dr. Emma Fischer, die zunächst die einzige Überlebende an Bord der Raumstation zu sein scheint. Anders als erwartet spielt man in “Observation” allerdings nicht die Rolle von Dr. Emma Fischer, sondern von der an Bord künstlichen Intelligenz S.A.M., die quasi Zugriff auf alle Systeme hat und das gesamte Geschehen dort steuert.

Das Problem: hier als “der Vorfall” bezeichnet, ist zunächst überhaupt nicht klar, oder warum die Crew nicht aufzufinden ist und die halbe Station nicht mehr funktioniert. Damit hat man erst einmal zu tun, um die grundlegenden Systeme wieder in Gang zu bringen, den aktuellen Status zu überprüfen und sich anschließend auf die Suche nach der Crew zu begeben. Schon auf diesen ersten Metern wird klar, dass der Vorfall ein deutlich größeres Ereignis als nur eine Störung im System war, denn längst befindet man sich nicht mehr im Orbit der Erde, sondern umkreist bereits die Saturnringe, also ganz weit weg von Zuhause. Dass dies nicht alles ganz zufällig passiert, soll sich im Laufe der kommenden Stunden offenbaren, die euch auf einen kosmischen Trip schicken, der mich zuweilen an Filmvorlagen wie “Contact” oder “Arrival” erinnert und noch einmal vor Augen führt, dass wir vielleicht doch nicht die einzige Spezies in unserem Sternensystem sind. Wer weiß das schon, aber dass es für uns unvorstellbare Gefahren bedeuten kann, wenn man sich so weit in das All hinaus wagt, sollte auch so klar sein.

Die Story von „Observation“ kommt zunächst recht langsam in Fahrt, zumal man auf diesen ersten Metern das Gefühl hat der Laufbursche für Emma zu sein. Auch das zunächst etwas träge Gameplay wirkt sich leicht ermüdend darauf aus, aber Geduld ist bekanntlich ja eine Tugend und spätestens wenn man den ersten Weltraumspaziergang gemacht hat und die Station in gewissem Maße auch alleine erkunden kann, kommt die Sache und der Spaß auch so richtig in Fahrt. Zum Ende hin dürften echte Kenner des Genres allerdings wie gebannt vor dem Bildschirm sitzen und es kaum erwarten, das Geheimnis rund um “den Vorfall” und der Crew zu lüften.

S.A.M., bist du da?

Wie anfangs schon erwähnt, ist der eigentliche Protagonist in “Observation” die künstliche KI S.A.M., die mittels schwenkbaren Kameras und Sphären die gesamte Station überwacht. S.A.M. hangelt sich so von Modul zu Modul, kann auf Laptops und Steuerelemente zugreifen, Dokumente einsammeln, Protokolle ausfindig machen und einsetzen oder in seiner Sphäre teils auch durch die Station fliegen oder Außenspaziergänge unternehmen, sofern sie notwendig werden. Dies bildet im Grunde auch das Kern-Gamplay, ein Gebilde aus zahlreichen Rätseln, Denksport- und Reaktionsaufgaben. Was zunächst recht simpel erscheint, entpuppt sich doch als ziemlich knifflig, denn nicht nur gute Beobachtungsgabe ist dabei gefragt, auch selbstständiges Handeln und ausprobieren nach dem Try & Error-Prinzip kann euch weiter nach vorne bringen. Letzteres liegt vor allem daran, dass man die spielerischen Grundlagen kaum erklärt bekommt, was mich zuweilen an einen Progression-Bug glauben ließ. Erst die hilfreiche Suche im Netz offenbarte mir auf den zweiten Blick, was wirklich zu tun ist.

In Bezug auf die Rätsel beweist No Code zudem einen ziemlichen Einfallsreichtum, den man sich so öfters wünscht, wenngleich diese nicht unlösbar sind und ein Scheitern sogar ausgeschlossen wird. So muss man sich unter anderem Zahlenreihenfolgen und Muster merken und korrekt eingeben oder ganz simpel den Anweisungen der Protokolle folgen. Klappt das nicht auf Anhieb, fängt man einfach wieder von vorne an. Die Schwierigkeit besteht meist darin, alle benötigten Teile oder Infos zu finden und zu kombinieren. Ob das nun der Realität einer echten Raumstation entspricht, sei mal dahingestellt. Ein besonderer Eye-Catcher sind zudem die zahlreichen Bildschirme im Retro-Charme eines C64 Computers – warum auch Rechenleistung für besonders schicke Grafiken aufwenden, wenn man auch so das gewisse Extra herausholen kann? S.A.M. ist letztendlich auch in der Lage ein wenig dazuzulernen, hier als Firmware-Update und durch Scannen von Barcodes umgesetzt. So erlernt man zum Beispiel eine bessere Boost-Funktion, mit der sich Objekte aufstoßen oder aufwendigere Protokolle entschlüsseln lassen.

Beklemmende Atmosphäre

Neben der spannenden Story ist es vor allem aber auch die beklemmende Atmosphäre von “Observation”, die hier überzeugt. Anders als in vergleichbaren Spielen auf Raumstationen, verzichtet man fast gänzlich auf Musik, so dass immer nur eure Stimmen und das Atmen oder Systemgeräusche zu hören sind. Das kombiniert mit der klaustrophobischen Enge und Stille, die so eine Raumstation nun mal mit sich bringt, schafft es No Code eine wirklich dichte und authentische Umgebung zu erschaffen, die sich zudem vom sonst oftmals steril gewähltem Look abhebt. Auch Details, wie Störeffekte oder kleine Risse im Display der Sphäre tragen zur Glaubhaftigkeit bei. Wer mehr über die Hintergründe erfahren möchte, kann zusätzlich auch die gesamte Raumstation nach Notizen und Aufzeichnungen der Crew absuchen, die die Hauptgeschichte weiter anreichern.

Gleichzeitig ist die gesamte Station mit ihrem russischen und chinesischen Arm nämlich so groß und verzweigt, dass man sich auch schnell mal verläuft, sofern man gerade mit der Sphäre unterwegs ist. Selbst die Außenspaziergänge stellen eine kleine Herausforderung bei der Orientierung dar, da man absolut keinerlei Hilfen an die Hand bekommt. Dennoch stellen diese einen willkommene Abwechslung zum Innenleben dar und gewähren einen fantastischen Blick auf den Saturn im Hintergrund. Im Gesamten ein sehr authentisches Setting, das sich nahe an der Realität und nicht an purer Science-Fiction bewegt. Interessant wäre es sicherlich auch, wenn man „Observation“ in VR erleben könnte, das durch sein spezielles Gameplay ja geradezu prädestiniert dafür ist.

Summary
“Fans von Sci-Fi Geschichten im All finden mit Obersation einen ausgezeichneten Story-Thriller vor, auch wenn dieser zunächst langsam in Fahrt kommt und in Teilen ermüdend wirken kann. Das ist zuweilen den repetitiven Aufgaben zu verdanken, die sich anfänglich schnell wiederholen, aber auch der einsamem, wenngleich an sich ja glaubhaften Atmosphäre geschuldet. Mit dem Entfalten der Story kommt das Ganze letztendlich aber sehr gut in Fahrt und man erreicht einen Punkt, an dem man unbedingt wissen möchte, was mit der Crew und Station passiert ist, so dass man den Controller nicht mehr aus der Hand legen möchte. Hier wird man auch mit einem wirklich tollen Ende belohnt, das zusätzlich zum Nachdenken anregt und dem Genre entsprechend für Diskussionsstoff sorgt. Auch die kreativen Rätsel und Gameplay-Mechaniken beschäftigen einen durchaus, auch wenn man sich zunächst mehr Hilfestellung dabei wünscht oder diese letztendlich noch etwas knackiger sein könnten. Das macht allerdings die tolle und dichte Atmosphäre wieder wett, die euch stets auf der Raumstation umgibt und die kaum Wünsche an ein solches Setting zurücklässt. Wer sich in einer solchen Umgebung wohlfühlt und fantastische Geschichten dieser Art mag, kann bei Observation bedenkenlos zugreifen.”
Good
  • Atmosphärisches & authentisches Setting
  • Spannende Story
  • Innovative Ansätze
Bad
  • Rätsel zuweilen offensichtlich
  • Etwas träger Einstieg
  • Teils fehlende Gameplay-Erklärung
8.5
Great