TEST: Pacer – Die härteste Konkurrenz für WipEout ist da

Wie viele Nacheiferungen zur legendären WipEout-Serie von Sony gab es jetzt schon? Die Ambitionen waren immer groß, die gesteckten Ziele wurden jedoch nur selten erreicht. Das dürfte sich mit dem neuen Anti-Gravity-Racer Pacer von R8 Games wohl ändern. Ganz ehrlich, wenn man nicht weiß, welches Spiel man hier gerade vor sich hat, tippt jeder erst einmal auf WipEout.

Pacer ist allerdings mehr als nur eine Kopie von WipEout – es ist die nächste Evolutionsstufe eines großen Vorbilds, denn einiges wirkt deutlich zeitgemäßer. Wo Sony zuletzt mit ihren Neuauflagen eher auf einen Neuanstrich setzte, hat sich das Team bei R8 Games wirklich Gedanken darüber gemacht, wie man dieses Genre voranbringen kann.

pacer game

High-Octane bis einem schwindelig wird

Die Idee von Pacer ist nicht neu – in Anti-Gravitations-Gleitern jagt man hier über futuristisch anmutende High-Speed-Strecken, liefert sich spannende Battles und versucht sich die Pole Position zu sichern. Neben fahrerischem Können und guten Streckenkenntnissen zählen hier allerdings auch der geschickte Einsatz von Waffen oder eines robusten Gleiters. Und in diesem Punkt unterscheidet sich Pacer von seinem bekannten Vorbild.

Während man in WipEout in vordefinierten Teams unterwegs war, die sich lediglich optisch anpassen ließen, lässt einem Pacer hier erheblich mehr Freiheiten. Nach dem Motto: dein Style drückt deine Persönlichkeit aus. Das gilt auch für die Waffen und Defensive. Diese liegen nicht einfach auf der Strecke verteilt herum, sondern können vorab in einem Loadout zusammengestellt werden. Lediglich Munition und Schildenergie muss man immer wieder einsammeln. Was dabei besonders gefällt, ist, dass man neben den Pre-Sets auch komplett individuelle Loadouts zusammenstellen und benennen kann. Gleiches gilt auch für die Panzerung des eigenen Gleiters. Jeweils zwei Waffen plus insgesamt 4 Mods lassen sich an seinem Schiff montieren, was eine erhebliche Vielfalt unter den Teams verspricht. 

Die Auswahl ist anfangs natürlich noch recht übersichtlich, denn die wahren Killer- und Bomb-Shots und lassen sich nur mit Credits freischalten, die man wiederum in Rennen verdienen muss. Hat man allerdings erst einmal eine kleine Sammlung zusammen, macht es einfach nur Spaß damit zu experimentieren, denn ein Rennen gleicht so niemals dem anderen. Über Sieg oder Niederlage entscheidet somit auch ein Stück weit eine kluge Vorausplanung und weniger der Zufall oder das Glück. Dazu später aber mehr.

Mit 1000mph durch die Welt

Spielerisch gibt sich Pacer ganze like WipEout. Das beginnt bei der Tastenbelegung und endet im Fahrgefühl. Mit butterweichen 60fps und smoother 4K-Auflösung brettert man hier über die Strecken, versucht so viele Boosts wie möglich mitzunehmen und nebenbei seine Konkurrenten auszuschalten. Das passiert ganz klassisch, indem man einfach den ersten Platz belegt, sie so sehr beschädigt, dass sie es nicht zur Ziellinie schaffen oder man lässt sie im Elimination-Mode hinter sich zurück. Weitere Spielmodi sind Endurance, Battle Royale, Time Attack oder Flow-Momentum, die man abwechselnd in der Kampagne abarbeitet. Diese verläuft übrigens nicht gänzlich linear, sondern wird über Sponsoren-Teams bestimmt, denen man sich anschließen kann und die euch auf unterschiedlichste Strecken schicken. Einzige Voraussetzung für das Weiterkommen ist, dass man es unter die ersten drei Plätze im Rennen schafft. Wem das nicht reicht, der darf sich in einer Online-Welt mit dedizierten Servern austoben.

Was Pacer dabei wohl am meisten von WipEout unterscheidet, ist die richtige Kombination aus Spielmodi und Loadout. In Zeitrennen sind Waffen natürlich nutzlos und können vernachlässigt werden. Hier bietet sich eher das Drifter-Setup an, um geschmeidiger durch die Kurven zu kommen. In Elimination hingegen sind Minen oder Long-Shot-Waffen eher von Vorteil, ebenso eine eine gute Panzerung bei gleichzeitig hohem Tempo. Man merkt sofort die Unterschiede, wie sich ein bestimmtes Setup auf den Erfolg auswirkt. Bleibt man im Rennen hinten zurück, lohnt es sich oft damit ein wenig herum zu spielen und zu experimentieren.

Zudem gefällt, dass viele Waffen eine automatische Anvisierung haben und man das Ziel nicht immer zwingend selbst suchen muss. Das macht es irgendwo zwar bequemer, resultiert aber in viel spannenderen Battles und entsprechend mehr Spaß statt Frust. Lediglich die verfügbare Munition könnte zum Beispiel in Elimination noch erhöht werden. Hier fehlt ein wenig die Anpassung an den jeweiligen Spielmodus, gleiches bei Zeitrennen, wo man sich mehr Boosts wünscht.

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Volle Kontrolle

Was mich bei Pacer überrascht hat ist die Zugänglichkeit beim Gameplay. Trotz der extrem hohen Geschwindigkeiten hat man hier die volle Kontrolle über seinen Gleiter. Da wo man bei WipEout teils wie ein Ping-Pong-Ball von einer Bande zur nächsten geschleudert wurde, sitzt man beim Pacer immer noch fest im Sattel. Selbst hektische Kurven mittels der Airbreaks lassen sich jederzeit gut mitnehmen, wobei das Streckendesign oftmals auch sehr gefällig und großzügig angelegt ist.

Diese fallen mitunter viel breiter aus, geben sich aber dennoch herausfordernd und teilweise überraschend, zumindest solange man sie nicht kennt. Die Achterbahn-ähnlichen Designs sind in Pacer zwar auch der Kreativität von R8 Games entsprungen, orientieren sich aber an realen Schauplätze dieser Welt. Ob Indien oder Südamerika – überall findet man bekannte Sehenswürdigkeiten im Hintergrund, die das Setting etwas authentischer wirken lassen und nicht ganz so hyper-futuristisch wie in WipEout. Leider fehlen die stylischen Barrel-Rolls, die man bei WipEout mit genug Airtime hinlegen kann, um sich einen Bonus-Schub zu verpassen.

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Abgerundet wird das Pacer-Erlebnis von über 80 lizenzierten Trance- und Technosounds, die euch unterbewusst richtig einheizen, darunter von Akira Complex, Antonio Vivaldi oder CoLD SToRAGE. Ein bisschen vermissen tut man lediglich die Zuschauerstimmung beim Start der Rennen, der jeweils nur von einem monotonem Countdown begleitet wird. Hier lässt sich mit Sicherheit noch etwas nachbessern, was insgesamt auch zur sonst sehr stimmigen Atmosphäre passen würde.

TEST: Pacer – Die härteste Konkurrenz für WipEout ist da
“Ist Pacer das bessere WipEout? Zugegeben, eine Ikone vom Thron zu stoßen ist nicht leicht, Pacer hat jetzt aber durchaus die besten Chancen dazu. Anstatt einfach nur diesem Vorbild nachzueifern, hat man bei R8 Games genau geschaut, wo die Schwächen bei WipEout liegen und an diesen Stellen im Getriebe angesetzt. Die Idee mit den Loadouts resultiert in willkommenen fairen und taktischen Rennen, wo jeder ein Stück selbst für seinen Erfolg verantwortlich ist und nicht auf das Glück hoffen muss, ob ihm nicht gerade mal wieder eine Waffe vor den Augen weggeschnappt wurde. Auch die etwas authentischere Atmosphäre und das zugänglichere Gameplay gefällt mir persönlich etwas besser. Was Anfangs eine Kopie des Sony-Vorbilds vermuten lässt, entpuppt sich im Detail als der mit Abstand würdigste Nachfolger, der vieles richtig und in Teilen auch besser macht.”
Plus
Fantastisches Gameplay-Feeling
Individuelle Loadouts
Treibender Soundtrack
Minus
Menü etwas verwirrend
Munition / Boost könnte besser auf die Modi abgestimmt werden
9.2