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TEST: The Lord of the Rings: Adventure Card Game – Ein Spiel trägt einen großen Namen

Im wahren Leben sind solche Spiele eine Seuche. Wie bei den berühmten Sammelalben ( z.B. zum Thema Fußball) möchte jeder einen vollständigen Satz an Bildern und Stickern. Das Prinzip (so ähnlich) gibt es auch im Abenteuer-Genre. Der Käufer besorgt sich Booster-Pack um Booster-Pack bei dem Händler seines Vertrauens. Öffnet Jedes mit Gier, Hast und Freude um vergeblich die ultimative Karte zu ergattern, die jeden Gegner vom Tisch pustet. Daher so oder so eine perfekte Geldmaschine für den Vertreiber. 

Mit dem Einzug von Konsolen in die Haushalte der Spielwütigen kamen allerdings mit der Zeit die digitalen Varianten von manch dieser Klassiker oder einige Neuzugänge heraus, die Gottseidank schon komplette Kartensätze beinhalteten. Vielleicht nicht immer zu anfangs, aber durch freispielen und Erfolge nach und nach. Aus der finanziellen Sicht auf jeden Fall fairer als die Pappeversionen. Neu auf dem Markt ist “The Lord of the Rings: Adventure Card Game” von Asmodee Digital und Fantasy Flight Interactive und die möchten gerne etwas von dem monetären Kuchen abhaben. Ein geschickter Clou ist dabei hier die Partnerschaft mit dem “Herr der Ringe”-Merchandising. Eine riesige Fanbase bei den Filmfreaks, was soll da schon schiefgehen, oder?

Neuer Ärger in Mittelerde

Das Spiel hat eine neue Geschichte aus Mittelerde im Gepäck und bietet somit keine Nacherzählung der berühmten Film- und Buchtrilogie bzw. aus den Hobbits. Zur Einstimmung macht sich Bilbo Beutlin auf den Weg um Glóin zu treffen, der zu Beorns Haus reist, sich aber verspätet. Um sich die Zeit bis zum Eintreffen zu vertreiben, entscheidet sich Bilbo zu einem Abendspaziergang. Da der Magen gut gefüllt ist, kann ja so ein Unternehmen nicht schaden und es fördert ja generell die Verdauung. Längere Zeit in Gedanken an gute Freunde und Erlebnisse versunken, bemerkt er plötzlich ein Bienennest. Umschwirrt von den Bewohnern lacht ihn von dort eine köstliche Honigwabe an. Da seine Spezies zu einer gewissen Verfressenheit neigt und für eine Leckerei immer ein Plätzchen im Bauch frei ist, versucht er Diese zu stibitzen.

Das gelingt ihm nach zwei Versuchen erfolgreich, aber oh graus – die Bienen sind verärgert und greifen ihn an! Er verteidigt sich so gut es geht und gottseidank hat die erjagte Wabe eine heilende Wirkung, um diesen extremen Kampf zu seinen Gunsten zu gewinnen (bestimmt werden eines Tages Dutzende von Barden dieses Unterfangen besingen). Nach diesen überstandenen Abenteuer macht er sich weiter auf den Weg, um seinen alten Freund endlich zu begegnen und bemerkt zu seinem Schreck, dass er sich im Wald verirrt hat. In Zeiten der Not sind allerdings Gefährten recht nach und er trifft Arwen und Legolas die ihm aus der Patsche helfen. Aber die akute Gefahr sind nicht die Bäume, sondern giftige Spinnen, von ewigen Erzfeind Sauron gelenkt…

Viele Gefährten und sehr viele Feinde

Keine Angst, bei dieser seichten Einstiegsstory von “The Lord of the Rings: Adventure Card Game” handelt es sich nur um das Tutorial. Dies erklärt Einem die Spielmechaniken des Kartenspiels. Schließlich muss Mann oder Frau ja wissen, wie man sich verteidigt, angreift und als Sieger von dannen zieht. Abgesehen vom Einstiegs-”histörchen” startet jede der zwei (zur Zeit zur Verfügung stehenden) Kampagnen inklusive ihrer rundenbasierten Begegnungen mit 3 auswechselbaren Starthelden aus dem eher prominenten Zirkel der Herr-der-Ringe-Figuren. Als besonderer Bonus wird eine begleitende Geschichte Stück für Stück kredenzt, jeweils unterbrochen durch ein Abenteuer mit den jeweiligen Kampfpartien. Diese berühmten Protagonisten sind im Bereich Angriffs, -Lebens- und Willenspunkte besser bestückt als der Rest, aber auch die anderen Karten im (vom Spieler) zusammengestellten Deck – gesamt 30 – sind zum Überleben notwendig und besonders hilfreich wenn zusätzliche Fähigkeiten vorhanden sind. Auf der gegnerischen Seite existieren allerdings – zum gegenseitigen Kräftemessen – diese Werte ebenfalls. Leicht beginnend bei den harmloseren Feinden, dann immer herausfordernder durch z.B. höhere Zahlen oder Mengen. 

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Ein Augenmerk muß auf jeden Fall auf die Siegesbedingungen gerichtet werden. Mal gilt es eine bestimmte Anzahl von Gegnern zu vernichten oder es wird Aufgabe gestellt, wie z.B. ein Hindernis aus dem Weg zu räumen. Leider macht Einem auch im zweiten Fall die von Sauron (als KI) herbeigerufene Brut oder plötzliche Ereignisse das Zockerleben schwer. Da heißt es taktisch vorzugehen, denn nach jeder Aktion einer Karte, wird Diese bis zur nächsten Runde inaktiv. Bekämpfen die eigenen Recken die Widersacher, senken deren Leben mit den Angriffspunkten gegen null oder kümmern sie sich lieber mit ihren Willenwerten um die jeweilige Blockade. So oder so, solange die Prüfung nicht erledigt ist, gibt es auch keine Weiterreise und somit keine Fortsetzung der Erzählung. Aber wehe alle drei Hauptakteure werden während einer Expedition vernichtet (ja – auch das Böse hat ein Ziel), dann gilt das bis dahin Geschaffte als gescheitert und es geht wieder von vorne los.

Damit das nicht passiert, stehen weitere Verbündete zur Verfügung, um die andere Seite zu beschäftigen. Zusätzlich gibt es Verbesserungen durch z.B. Waffen oder Unterstützungskarten, die das Deck Saurons negativ beeinflussen können. Aber auch er hat ähnliche Hilfsmechanismen. Beiden Kontrahenten stehen hierfür Befehlspunkte zur Verfügung um abwechselnd aus der Kartenhand (bestehend aus maximal 5) Hilfe einzusetzen. Allerdings je besser, um so höher der Abzug. Was nicht verbraucht wird, kommt mit in die nächste Runde und das Deck wird wieder aufgefüllt. Aber egal wie der Spieler insgesamt agiert, er kann sich der Aufmerksamkeit Saurons gewiss sein…oder zu dessen Ablenkung den Koop-Modus aktivieren und mit einem Freund ihn von beiden Seiten angreifen – muhahaha.

Grafik und Sound

In “The Lord of the Rings: Adventure Card Game” erwarten einen eine sehr angenehme englische Erzählstimme für die Vorlesung der Geschichte und eine sehr gute deutsche Übersetzung der Texte. Das besondere Highlight sind die gezeichneten Illustrationen der Deck-Karten (aber nicht deren zu kleine Schriftgröße), des Spielfeldes und der Hintergrund für die geschriebenen Wörter. Eine willkommene Abwechslung zu den sonst bekannten Realverfilmungen (ab dem Remake des 1. Teils). Ansonsten gibt es noch akustische Begleitungen bei so manchen Spielzügen und eine musikalische Untermalung im Hintergrund, die die Atmosphäre von Mittelerde passend wiedergibt.

Summary
“Mir persönlich fehlte beim Spiel eine gewisse Qualität. Wenn man unter einen solch bekannten Namen ein Game herausbringt, dann kann man als Kunde auch entsprechendes erwarten. Im Vergleich ist die komplette Reihe von “Magic: The Gathering – Duels of the Planeswalkers” auf der PS3 auch heute noch überzeugender. Besonders die zu schnell ansteigende Schwierigkeitsstufe, ausgelöst durch ausgespielte Karten der KI, ist schlichtweg frustrierend. So programmiert ist das Spiel eher was für eingefleischte Fans, die vom Schlüpper bis zur Kaffeetasse alles von Lord of the Rings sammeln.”
Good
  • nostalgische Grafik
  • angenehme Erzählstimme
  • Koop-Modus
Bad
  • frustrierender Schwierigkeitsgrad
  • schlechte Lesbarkeit der Karten
  • Sichtung der Karten mit Controller zu umständlich gelöst
6
Fair