TEST: Werewolf: The Apocalypse- Earthblood

Bereits vor vier Jahren angekündigt, erscheint nun endlich Werewolf: The Apocalypse- Earthblood für alle verfügbaren Konsolen, darunter auch für PS5. Neben seinem langen Namen konnte der Titel im Vorfeld vor allem durch sein intressantes Gameplay-Design punkten und weckte schnell unsere Aufmerksamkeit. Wir haben also das Fell angelegt, krallen uns unseren Controller und brüllen los.

Wyrm gegen Wyldnis

Wir schlüpfen in dem im sogenannten World of Darkness-Universum angesiedelten Titel, zu dem auch die Vampire-Titel zählen, in die Rolle des Werwolf Cahal. Mit seinem Rudel, dem sogenannten Caern, und in den Diensten ihres Schutzgeistes Gaia, wollen diese das Gleichgewicht der drei Mächte in der Welt aufrecht erhalten: Weberin, Wyldnis und Wyrm. Leider versucht der Wyrm in seinem Wahnsinn die Welt zu korrumpieren und zu zerstören. Dafür nutzt er die Menschheit und Firmen wie unseren Hauptgegner Endron, eine Firma, die auch nicht davor zurückschreckt, an Menschen zu experimentieren und sich selbst mit dem Wyrm zu infizieren.

Werewolf: The Apocalypse- Earthblood

Leider hat aber auch Cahal so seine Probleme: Er kann teilweise seine Wut nicht zügeln und verliert sich in seiner Wyldnis, wodurch er etwa zu Beginn nach dem Tod seiner Frau direkt in die Raserei verfällt und einen seiner Caern-Brüder tötet. Aus Schutz aller begibt er sich daher ins Exil und lässt somit seinen Caern und sogar seine Tochter zurück. Erst Jahre später kommt er zurück und möchte wieder Anschluss an seine Familie finden, jedoch genau zu dem Zeitpunkt, als diese einen Krieg gegen Endron einleiten. Klar, dass wir sofort unsere Krallen ausfahren und die Welt retten wollen.

Da Cahal ein Werwolf ist, hat er die Kraft, sich von einem Menschen entweder in einen „normalen“ Wolf, den sogenannten Lupus, oder in eine wütende Wolfsbestie, den Crinos, zu verwandeln. Während wir als Mensch auf eine Armbrust, auf Terminals oder Notizen, die uns ein paar Hintergrundinfos vermitteln, zugreifen können, bewegen wir uns als Lupus leise und schnell umher und können unsere Feinde lautlos ausschalten. Hierfür können wir auch durch Luftschächte schleichen, Feinde durch Bellen anlocken oder Kameras und Geschütze ausschalten. 

Werden wir aber wütend, entfesseln wir den Crinos und metzeln alles und jeden nieder, was uns im Weg steht. Hierzu stehen uns zwei verschiedene Haltungen zur Verfügung, in denen wir entweder schnell oder kraftvoll agieren. Haben wir genug Zorn gesammelt, dann können wir Spezialattacken ausführen, oder uns der Raserei hingeben, um noch tödlicher zu werden.

Werewolf: The Apocalypse- Earthblood

Während der Mix aus Schleichen und Kämpfen zwar ganz interessant klingt, entpuppt sich das Gameplay im laufenden Spiel leider doch eher als eintönig und hat auch keinen Einfluss auf unsere Handlungsentwicklung. Es macht keinen Unterschied, ob wir uns die Mühe machen und alles leise erledigen wollen, oder ob wir direkt Vollgas geben. Leider sind auch die Gegner kaum ansprechend und bieten nur eine Hand voll verschiedener Typen, gegen die wir antreten müssen. Selbst die Bosskämpfe sind kaum der Rede wert, diese erledigen wir fast ohne große Anstrengung. Ein weniger mehr Einfallsreichtum wäre hier durchaus wünschenswert gewesen. 

Um ein vollwertiger und mächtiger Werwolf zu werden, steht uns ein Skill-Tree zur Verfügung, in welchem wir mit Fähigkeitspunkten neu Kräfte und Vorteile freischalten können. Die Punkte sammeln wir durch sogenannte Geister, die wir durch unsere spezielle Wolfssicht entdecken und befreien können, denn diese irren hilflos umher und leiden. Neben den Geistern können wir auch Feinde sehen, ebenso durch Wände, was durchaus hilfreich sein kann. 

Insgesamt schafft es das Gameplay kaum, über lange Zeit umfassend zu überzeugen und zu fesseln. Schnell haben wir den Bogen raus und werden kaum vor neue Herausforderungen gestellt. Es fehlt dem Titel dabei nicht nur an Abwechslung, sondern auch an mehr als purem Button-Smashing oder wirklicher Auswirkung, was die Herangehensweise der Level angeht. Werewolf: The Apocalypse- Earthblood lässt damit leider unnötig viel Potential liegen, wodurch das Gameplay maximal Mittelmaß ist. Schade!

Karge Welten & langweilige Story

Auf unserer Mission bewegen wir uns, bis auf ganz wenige Ausnahmen, entweder durch einen Wald, der als eine Art offene Welt dienen soll, und in dem sich unser Lager befindet, oder durch die angrenzende Fabrik von Endron. Allerdings sehen innerhalb der Fabrik alle Level fast identisch aus und bieten fast keine Unterschiede. Darüber hinaus gibt es so gut wie keine Details innerhalb der Level. Es gibt nur die wesentlichen Merkmale und nur das ein oder andere Extra, wodurch die Level nur sehr selten so etwas wie Lebendigkeit verspüren lassen.

Das gleiche Problem gilt leider auch für die einzelnen Charaktere. Die Figurenmodelle sind wirklich schlecht umgesetzt und unterscheiden sich kaum. Selbst nach Ende der Story ist uns kaum noch klar, wie eigentlich die ein oder andere Figur eigentlich aussieht. Egal ob Freund oder Feind, es gibt zu viel Einheitsbrei. 

Werewolf: The Apocalypse- Earthblood

Leider schafft es auch die Story kaum, so etwas wie Spannung aufkommen zu lassen. Die Handlung ist undurchsichtig, unausgeglichen und einfallslos. Das die Handlung und der Levelverlauf dazu vollständig linear sind, trägt nicht gerade zur Hebung der Stimmung bei, da können auch die ein oder andere Nebenmission nichts dran ändern, die nur bedingt interessant sind. Auch die minimale Anzahl an Dialogen, bei denen wir gezielte Optionen auswählen können, sind alles andere als ansprechend.

Zusammen mit dem lahmen Sound entwickelt sich einfach keine Atmosphäre, die uns wirklich überzeugen kann. Wir sind fast ein wenig enttäuscht, weil wir uns im Vorfeld mehr erhofft hatten, schließlich bietet das Setting eigentlich einiges an Potential, welches jedoch einfach nicht genutzt wurde. Sehr sehr schade.

TEST: Werewolf: The Apocalypse- Earthblood
“Es wäre so schön gewesen. Ein Titel, in welchem wir zwischen Werwolf und Mensch wechseln und die Kräfte beider Formen gekonnt nutzen, um Feinde zu vernichten und die Welt zu retten. Wie gerne waren wir auch der Werwolf in Skyrim, der mit seinen Krallen bleibende Spuren hinterlassen hat. Leider scheint Werewolf: The Apocalypse- Earthblood in vielen Punkten auch auf dem Entwicklungsstand von Skyrim geblieben zu sein, das wohlgemerkt schon 2011 erschienen ist. Wir bekommen eine unzureichende Grafik geboten, mit lieblosen und langweiligen Figurmodellen, steifen und matschigen Darstellungen und detailarmen Level-Designs. Hinzu kommt eine langweilige Story, ein unausgeglichenes Gameplay, kaum forderndes Button-Smashing, sowie eine dumme KI und ein zu linearer Aufbau des gesamten Spiels. Der Titel macht insgesamt einfach den Eindruck, als wäre er vor vielen Jahren auf einer alten Engine entwickelt und nun zwanghaft auf die neuen Konsolen portiert worden. Werewolf: The Apocalypseist ist zwar kein Totalausfall, mehr als die großen Fans des World of Darkness-Universums wird man damit aber kaum aus dem Wald locken können. Nochmal: Schade!”
4,5
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