Viele meckern über Scalper, sind anschließend aber nicht besser

Das Wort Scalper erlangte in den vergangenen Monaten eine unrühmliche Popularität, obwohl es die Praxis schon länger gibt. Mit dem Launch der PS5 und Xbox Series X sind diese nun auch in der Gaming-Welt angekommen und bringen inzwischen ganze Regierungen gegen sich auf.

Hinter Scalpern verbergen sich meist automatisierte Systeme, die populäre Produkte wie Sneaker oder inzwischen auch Spielkonsolen und Grafikkarten in Massen aufkaufen, um sie anschließend teurer weiter zu verscherbeln. Ein lohnendes Geschäft, wenn man den Aussagen von Personen dahinter Glauben schenken darf, die ihre Gewinne alleine mit der PS5 im Millionenbereich beziffern.

Der normale User hat meist kaum eine Chance gegen die oftmals dazu eingesetzten Scripte, die zuweilen auch ganze Online-Shops überlasten. Ein wirksames Mittel dagegen hat man bisher nicht gefunden, sehr zum Ärger der wartenden Käufer. Jeder PS5 und Xbox Drop wird dabei zum reinen Nervenkrieg, die Finger immer nervös auf dem Kaufen-Button, um am Ende dann doch leer auszugehen. Einige kapitulieren sogar schon davor und verweigern sich schlichtweg dem ganzen Zirkus, was sicherlich auch Nerven spart.

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Plötzlich selbst ein Scalper

Gehört man dann doch mit einer gehörigen Portion Glück zu denjenigen, die eine PS5, Xbox oder Grafikkarte ergattern konnten, ist man in vielen Fällen plötzlich selbst ein Scalper, wenn auch im kleineren Rahmen. Wie oft muss man inzwischen lesen, dass bereits glückliche PS5 Käufer weiterhin und fröhlich auf Einkaufstour gehen, um sich die zweite, dritte oder xte Konsole zu sichern, rein zum Eigennutz – nämlich dem fetten Gewinn. Teils sicherlich Internet-Spinnerei, nachweislich aber auch Realität. Anfängliches Schimpfen auf Scalper längst vergessen.

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Immerhin liegen die Wiederverkaufspreise auf ebay noch immer bei 200 bis 300 EUR über dem UVP, was für viele zu verlockend ist, um auf das schnelle Geld zu verzichten. Im persönlichen Umfeld ist das schon fast zur Geschäftspraxis geworden, wo von der inzwischen dreizehnten und vierzehnten PS5 berichtet wird, die man sich in dieser Woche sichern konnte. Bis diese aber ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt wird, geht sie wie üblich den Umweg über ebay.

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Kein wirksames Mittel

Dabei kann man den Leuten kaum einen Vorwurf machen, außer dass es moralisch alles andere als OK ist, nur aus dieser Motivation zu handeln. Im Anschluss dann 700 bis 800 EUR für eine PS5 zu verlangen, ist die übliche Nachfrage-/Angebotsregulierung, bei der niemand den guten Samariter spielen muss, warum auch?

Ein wirksames Mittel gegen diese Praxis gibt es bis heute nicht, auch nicht durch eine offizielle Regulierung, wie immer mal wieder angedeutet. Einzig der Wuchervorwurf würde hier greifen, der jedoch sehr individuell ausgelegt werden kann. Um dem entgegenzuwirken, müssten sich schon alle einig sein, und den Scalpern den Wind aus den Segeln nehmen. Da dazu jedoch die kollektive Disziplin fehlt, lebt dieses Ärgernis wohl auf ewig weiter.