Six Days in Fallujah ist respektlos & eine Arab-Killer-Simulation, sagen Kritiker

Im zweiten Anlauf möchte man schon bald den Irak-Shooter Six Days in Fallujah veröffentlichen, nachdem Konami das Projekt vor über 10 Jahren aufgrund der heftigen Kritik daran aufgegeben hat. Nun melden sich weitere Kritiker zurück, die erneut die Einstellung des Projekts fordern.

Respektlos und eine Arab-Killer-Simulation sei Six Days in Fallujah, das die wahren Ereignisse rund um die Schlacht von Fallujah im Jahr 2004 wiederspiegelt. Zwar versichern der neue Entwickler Highwire Games und Publisher Victura, dass man mit dem größtmöglichen Respekt an die Sache herangeht und auch die historische Seite beleuchten möchte, das reicht den Kritikern aber nicht aus. Ein solch tragisches Ereignis sollte nicht dazu dienen, um es auf die Entertainment-Bühne zu bringen oder damit Profit zu machen, heißt es. Zudem befürchtet man, dass das Image von Irakern und Arabern durch das Spiel weiter geschädigt wird.

„Ich bin angewidert, dass hier etwas produziert wird, das Gewinn bringt, wenn Leute wie ich die Folgen dieses Krieges erlitten haben und zusehen müssen, wie die Leute es zum Spaß spielen“, sagte Najla Bassim Abdulelah gegenüber CNN, die damals während des Krieges aufgewachsen ist. „Ich kann diese Unmenschlichkeit einfach nicht hinter mir lassen.“

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In der Schlacht um Fallujah sind nach offiziellen Angaben rund 80 US-Soldaten, sowie hunderte, wenn nicht tausende Iraker ums Leben gekommen, teils unter Einsatz von Phosphor-Waffen, die als besonders grausam gelten.

Auch US-Soldaten, die damals an der Operation beteiligt waren, sehen den Einsatz inzwischen mit anderen Augen, die erst im Nachhinein erfahren haben, dass sich gleichen Zeit tausende unschuldige Zivilisten in diesem Gebiet aufhielten und damit potenzielle Zielscheiben waren.

Six Days in Fallujah

Für und Wider

Highwire Games hält dagegen, die sich auf die beratende Unterstützung von US-Soldaten und Irakern berufen, die damals die Schlacht hautnahe miterlebt haben. Daher erzählt Six Days in Fallujah auch nicht nur die eine Seite aus Sicht der US-Armee.

„Spieler werden während des Spiels auf Zivilisten treffen, und diese Leute sprechen auch direkt mit den Spielern durch Videointerviews“, sagte Atomic Games CEO Peter Tamte. „Wir möchten, dass die Spieler diese Menschen als echte Menschen kennenlernen und nicht nur als Avatare auf einem Computerbildschirm. Und wir möchten, dass die Spieler die Perspektiven und Geschichten dieser Iraker in ihren eigenen Worten hören.“

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Zudem soll das Töten von unschuldigen Zivilisten auch nicht noch belohnt werden, was umgehend im Scheitern der Mission resultiert. Einzig Aufständige und Gegner dürfen bewusst getötet werden.

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Das alles reicht den Kritikern wie erwähnt aber nicht aus, nach deren Ansicht das Medium Spiele für diese Art von Geschichtsaufarbeitung ungeeignet sei. Dafür gäbe es bessere Wege, die es respektvoller und würdiger zu den Menschen transportieren können. Auch die Berücksichtigung, die Geschichte aus Sicht der Iraker zu erzählen, stimmt sie nicht um.

„Ich habe Gänsehaut beim Gedanken an die Idee, dass sie das Szenario einer Flucht vor etwas so Tragischem für ein Spiel nutzen“, so Abdulelah weiter. „Es bringt mich zu Tränen. Wie kann das in Ordnung sein?“

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Six Days in Fallujah

Unterstützung bekommt man in dem Punkt von weiteren Beteiligten, vom Council on American-Islamic Relations (CAIR) und von Veterans for Peace (VFP), die nun offen die Einstellung des Projekts fordern. In einer Petition wandte man sich dazu an die Plattformhersteller Sony, Microsoft und Valve, um den Vertrieb von Six Days in Fallujah auf ihren Plattformen nicht zu genehmigen. Eine Antwort darauf blieb bisher aus, lediglich Microsoft kommentierte, dass man sich die Inhalte ganz genau anschauen wird.

Ob das ausreicht, um das Projekt noch zu stoppen, ist natürlich fraglich. Noch schlägt das Thema keine so großen Wellen, wie damals unter Konami, wo die Ereignisse auch erst wenige Jahre her waren. Die Kritiker sind sich aber einig, dass Six Days in Fallujah „eine Schande“ für die Videospielindustrie wird und das Einstellen des Projekts im Grunde nicht debattiert werden sollte.

Six Days in Fallujah soll eigentlich noch in diesem Jahr erscheinen.

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