TEST: DiRT 5 – Das erste Racing-Spektakel auf PS5

Ein neues Jahr, ein neues Dirt! So langsam eifert man bei Codemasters der Need for Speed-Serie hinterher. Kaum hat man es über die Ziellinie geschafft, wartet bereits das nächste Spektakel auf einen. Dass sich Serien damit unnötig abnutzen, beweist DiRT 5, das wir vorab testen konnten, immer deutlicher.

Best of DiRT

So viel wie im Vorfeld über DiRT 5 berichtet und mit Pressemitteilungen und Videos um sich geworfen wurde, hatte ich ein umfassendes Spiel erwartet, das mich die nächsten Jahre beschäftigen wird. Stattdessen wird im finalen Werk alles auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zusammengeschraubt, von Innovation kaum eine Spur, stattdessen eine Art Best of DiRT.

Neben einer recht repetitiven Kampagne fällt die Auswahl an Modi mit Playground, Online, Split-Screen und Arcade nämlich recht übersichtlich aus. Und selbst diese sind eigentlich auch nur Wiederholungen von dem, was man ja eigentlich schon in der Kampagne macht. Da wäre man wieder an dem Punkt, an dem man sich die Frage stellt, wie man das Racing-Genre noch voranbringen kann? 

THQs Wreckfest (unser Review) hatte im vergangenen Jahr dazu ja ein paar spaßige Ansätze mit innovativen Strecken-Designs und Spielmodi, die sich selbst nicht ganz so ernst nahmen. Das vermisst man in DiRT 5 fast gänzlich, aber nur fast, da mit dem Playground-Spielmodus die Community selbst für Abwechslung sorgen kann.

Doch erstmal zu den klassischen Rennen, die sich über Ice Breaker, Rally Raid, Stampede oder Landrush erstrecken. Gänzlich neu ist Path Finder, das ein Hardcore-Offroad-Gelände beschreibt und ein wenig mit Overpass verglichen werden kann, nur deutlich leichter. Insgesamt sieben Disziplinen, die sich nach Konditionen, Terrain, Wetter, Tages- oder Nachtzeit oder technischem Grad unterscheiden. Das mag alles gut und umfangreich klingen, letztendlich bleiben es aber Rennen, entweder im Rundkurs oder von Point-to-Point. Sicherlich hat jedes Rennen seinen eigenen Anspruch, mir persönlich fehlte allerdings die Differenzierung im Detail, da alle immer noch im Rally-Sport angesiedelt sind. Dass sich lediglich der Untergrund von Eis zu Schotter austauscht, mag nett sein, spiegelt sich jedoch fast nur im Handling der Fahrzeuge wider. Da freut man sich wirklich auf die Gymkhana-Rennen, die mit Donuts, Jumps und Hindernissen als einziges echte Abwechslung versprechen, leider aber zu selten oder dann wieder zu kurz.

Variationen gibt es immerhin mit den Zielen, die man während der Rennen erfüllen kann, oftmals abhängig vom prominenten Sponsor hinter eurem Fahrer. Ob Lackkratzer im Drift, 15 Sekunden in der Luft oder 1 Minute das Feld anführen – wer diese spontanen Herausforderungen meistert, darf sich über EP, Ruf und Credits freuen. Und wenn es richtig gut läuft, wird man sogar zu den “einzigartigen” Throwbacks eingeladen – denn Fame scheint auch in DiRT 5 so ziemlich das einzige zu sein was zählt. Inzwischen ist dieses Konzept allerdings auch in Rennspielen ziemlich abgedroschen, wo es nicht mehr darum geht, sich den ersten Platz hart zu erkämpfen und sich ein befriedigendes Gefühl zu verdienen, sondern wer die meisten Fans hinter sich versammeln kann, um sich noch einen Einhorn-Sticker mehr auf seine Fahrerkarte kleben zu dürfen. Dass man zudem ständig davor gewarnt wird, man würde seinen Ruf durch eine aggressive Fahrweise ruinieren, gibt der eigentlichen Idee hinter DiRT den Rest.

Your Playground

Insofern sind es die Playgrounds, die für mich den größten Reiz an DiRT 5 ausmachen, wo man sich nach herzenslust austoben darf. Entweder auf vorgefertigten Kursen oder man bastelt sich selbst seinen Hindernislauf zusammen. Damit kann man sich tatsächlich Stunden um Stunden beschäftigen und vieles aus der Community mit einbeziehen, sich Ideen holen oder einfach nur Spaß daran haben, deren Rekorde zu brechen. Ich würde sogar behaupten, dass die Playgrounds das Spiel insgesamt irgendwie retten.

Die Playgrounds passen auch sehr gut zu dem doch arcade-lastigen Gameplay, das DiRT 5 verfolgt. Hier heißt es einsteigen und Gas durchtreten, stylisch durch Kurven driften, drängeln und schubsen was das Zeug hält. Das einzige, was einem hier gefährlich werden kann, sind eigene Fahrfehler, die einem auch schon mal auf den letzten Platz verbannen. Da man nicht einmal von der Strecke abkommen kann und der Schwierigkeitsgrad insgesamt alles andere als fordernd ist, geht auch in diesem Punkt der Anspruch schnell verloren, besonders in der Kampagne.

Es fehlt auch an umfangreichen Tuning-Möglichkeiten, da eure Fahrzeuge in vorgefertigten Klassen bestehend aus Performance und Handling starten. Recht schnell wird man so feststellen, dass derjenige das Rennen gewinnt, der die stärkste Karre hat, leider. Das endet in einem Teufelskreis, denn schnell an neue Credits zu kommen, um sich das nächste Fahrzeuge zu kaufen, ist alles andere als schwer. Hier wurde mehr Wert auf optisches Tuning gelegt, wobei sich dies auch nur auf Farben und Decals beschränkt. 

Insgesamt viel zu leicht und  zu simpel gehalten und wenig fordernd. Echte Racing-Enthusiasten wird man damit wohl kaum an die Startlinie locken können. Klar, es macht auch mal Spaß einfach nur ein paar lockere Runden zu drehen, und auch das Geschwindigkeistgefühl bringt DiRT 5 sehr gut rüber – irgendwann, und hier viel zu schnell, möchte man dann aber doch mehr.

Party auf der Rennstrecke

Wofür man DiRT 5 loben muss, ist die Atmosphäre auf der Rennstrecke und bei allem drumherum. Sobald man das Menü aufschlägt, ist man im Racing-Fieber. Das reicht vom aufwendig gemixten Soundtrack, den Kommentatoren im Hintergrund bis hin zur visuellen Aufmachung in den Rennen. Insgesamt entspricht DiRT 5 dem technischen hervorragendem Stand heutiger Rennspiele, wobei man sein Erlebnis wahlweise mit 30fps oder 60fps optimieren kann. Bei 60fps werden zwar die Details etwas runtergeschraubt, das fällt bei der sonst dichten Atmosphäre jedoch kaum auf. Störend sind da eher die gelegentlichen Popups, kleine Kratzer im Lack des Gesamtbilds. Somit ist es letztendlich Geschmackssache, welche Performance-Option man bevorzugt. Interessant wird es natürlich mit der PS5 später, wo ja noch mehr drin sein wird.

Aber auch sonst wird man überall auf der Strecke mit einer tolle Atmosphäre überzogen – bunte Farben, begleitet von Feuerwerk, Fanfaren oder Konfetti beim Zielduchlauf. Besonders gelungen fand ich die Integration des Soundtrack, der nicht einfach stupide hintereinander abgespielt wird. Vielmehr werden die Lautsprecher am Streckenrand verteilt und die Musik tönt dementsprechend lauter oder leiser, je nachdem, ob man sich diesen nähert und davon weg fährt. Das ergibt eine tolle Dynamik, die sich durch eine erstklassige Auswahl an Tracks ergänzt, darunter von exklusiven Artists wie Koko, High Contrast oder Sea Girls, die sich aus zahlreichen Musikgenres formieren.

Die insgesamt sehr aufwendige Atmosphäre, einschließlich dynamischen Wetter- und Tag- /Nachtwechsel halten einen bei Laune und lenken zumindest ein wenig von den sich oft wiederholenden Strecken ab. Knapp über 10 Locations sind bei gut 130 Events in der Kampagne dann doch nicht so viel, wie es zunächst scheinen mag, egal ob vorwärts oder rückwärts, bei Tag oder bei Nacht.

Hinweis: Mit dem aktuellen Patch 1.03 lässt sich nun auch der Schwierigkeitsgrad in der Karriere nach oben anpassen. Allerdings wurde damit auch der Fortschritt komplett auf Null zurückgesetzt. 🤬

Ein echtes Spektakel auf PS5

Inzwischen konnten wir auch die PS5-Version testen, die hier und da noch einiges drauf legt. Neben dem Umstand, das bereits der Day One Patch einige oben genannte Kritikpunkte beseitigt, sind hier vor allem technische Raffinessen, die uns endgültig von DiRT 5 überzeugen.

So darf man sich nun endlich auf satte 4K Auflösung bei 60fps und HDR freuen, während optional 1080p bei 120fps geboten werden. Der Unterschied zwischen 60fps und 120fps ist jedoch kaum wahrnehmbar, weshalb die erste Option am sinnvollsten erscheint. Damit zieht auch das Gameplay-Feeling ordentlich an, wo Rennspiele erst so richtig Spaß machen.

dirt 5 ps5

Obendrein kommen in diesem Modus auch viel mehr Details zu Geltung, etwa das Laub, welches durch den Wind über die Strecken gefegt wird, kleinste Darstellungen von Wasserspritzer oder Schmutz auf dem Lack und die ohnehin schon fantastische Beleuchtung, egal ob bei Tag oder Nacht. Noch mehr von diesem Grafik-Feuerwerk kann man erleben, wenn man auf den Modus ‚Image Quality‚ setzt, in dem zusätzliche Features zugeschaltet werden, die die allgemeine Atmosphäre weiter unterstreichen. Hierzu empfehlen wir euch auch das Video von Digital Foundry, die alle verfügbaren Performance-Modi im Detail vorstellen.

Ein besonderes Highlight ist auch der DualSense Controller auf PS5, der von den adaptiven Triggern und dem haptischen Feedback Gebrauch macht. Hier spürt man wirklich, wenn gerade die Kupplung betätigt wird und man hochschaltet oder die Bremsen ins System eingreifen. Auch ist spürbar, wenn das Fahrzeug die Bodenhaftung verliert und sich dies direkt in den Triggern wiederspiegelt. Alles etwas neu und gewöhnungsbedürftig, dafür realistischer denn je. Das haptische Feedback überzeugt uns hingegen noch nicht so ganz, das zwar gerne und gut eingesetzt wird, die vorherigen Versprechen, etwa damit die verschiedenen Untergründe zu simulieren, dazu braucht es noch etwas Fantasie. Allerdings hat Codemasters bereits angekündigt, das man selbst noch nicht ganz zufrieden damit ist und an einem entsprechendem Update arbeitet.

In der Gänze sieht man allerdings immer noch Luft nach oben, auch auf der PS5, insbesondere wenn Rennspiele zukünftig von Raytraying und solchen Dingen profitieren.

TEST: DiRT 5 – Das erste Racing-Spektakel auf PS5
“Es täte den Serien gut, wenn sie mal längere Pausen bekommen. DiRT 5 scheint der nächste Kandidat zu sein, der wenig Neues vorzubringen hat und lieber aufs Recyceln setzt. Besonders das Racing-Genre, das sich ohnehin schon schwer damit tut. Gerade einmal eine neue Disziplin schafft es in den aktuellen Ableger, was die umfassende Kampagne dann doch ziemlich eintönig dastehen lässt. Einzig der kreative Playground-Spielmodus und die insgesamt tolle Präsentation können hier überzeugen. Wer Spaß an lockeren Rennen mit toller Atmosphäre hat, kann dennoch bedenkenlos zugreifen. Besonders auf der PS5 dreht DiRT 5 noch einmal mit grafischen und technischen Highlights auf und sorgt mit dem DualSense Controller für einen ordentliche Boost in Sachen Spaß und Realismus."
Plus
Super Atmosphäre
Zugängliches Arcade-Gameplay
Gelungener Soundtrack
Spaßiger Playgrounds-Modus
Minus
Eintönige Kampagne
Vieles Recycelt
8.5