TEST: FIFA 15 – Gewohnt hohes Niveau & Ideenlosigkeit

Ein neues Jahr, ein neues Fifa – bereits Teil 15 stürmte am 25. September die Läden und direkt in die Verkaufscharts. EA verspricht diesmal den Schwerpunkt auf die Emotionen der Spieler – also der Charaktere selbst – zu legen und ihre Mimik sowie die Körpersprache in den Vordergrund zu rücken. Außerdem wurde am Gameplay-Ventil herum geschraubt und unter anderem die Ballführung verbessert. Ob sich die Neuerungen sehen lassen können und wie sich „FIFA 15“ vom Vorgänger unterscheidet, lest ihr in unserem Review.

Story-Modus mal wieder „nicht vorhanden“ ?

Nachdem Spiele wie „NBA 2K“ stolz bewiesen haben, dass auch Sportspiele eine gute Inszenierung und Geschichte bieten können, trottelt „FIFA 15“ dem leider immer noch hinterher, ohne sich großartig auf eine Handlung einzulassen. Nicht nur Gelegenheitsspieler, sondern auch Profis sind der Meinung, dass die magere Kampagne unbedingt ausgeweitet werden muss, um die Spieler beispielsweise mit historischen Matches samt dessen Hintergrundstory bei Laune zu halten. Stattdessen erhalten wir auf bei „FIFA 15“ lediglich die Möglichkeit entweder mit einem selbst erstellten oder einem echten Spieler eine Karriere zu starten, was allerdings bis auf das Nötigste begrenzt worden ist.

Das FIFA Déjà-vu …

FIFA15_XboxOne_PS4_Napoli_vs_ACMilan_Agility&ControlAls wir die Blu-Ray von „FIFA 15“ eingeschoben und gestartet haben, stellte sich zuerst die Frage, ob nicht doch der Vorjahresableger aus Versehen auf diese gepresst wurde. Das Menü sieht nämlich nahezu identisch aus und ließ für einen kurzen Moment Verwunderung, ja wenn nicht sogar leichte Zweifel aufkommen. Auch was die Optionen und Auswahlmöglichkeiten, sprich – Modi angeht, war man in diesem Jahr ziemlich einfallslos und hat kaum Neues zu bieten. Auf der anderen Seite bietet „FIFA 15“ aber bereits viele unterschiedliche Modi und kann durch diese Vielzahl an Möglichkeiten, sich als Fußball-Fan auszuleben, auf langer Sicht motivieren und für Abwechslung sorgen. Wer sich jedoch auf echte Neuerungen in diesem Bereich einstellt, wird mitunter enttäuscht. Wenn man bedenkt, dass es jede Menge Anreize und Ideen aus der Community gibt, wie zum Beispiel Frauenfußball oder die Integration von „FIFA Street“, hätte EA in diesem Jahr eigentlich eine kleine Schelle verdient, dass die Gemeinschaft in diesem Punkt nicht gehört wird.

Dass die FIFA-Serie ein Lizenz-Monster ist und sich jedes Jahr aufs Neue umfassend einkauft, ist hinlänglich bekannt. Zumal man damit schon vor dem allerersten Anstoß versucht, das Spiel für sich zu entscheiden. So lässt sich in diesem Jahr auch die türkische Liga im Kader aufstellen, was so auch von vielen Spielern gewünscht war und daher nicht unerwähnt bleiben sollte. Für das besondere i-Tüpfelchen sorgen zudem alle 20 Stadien der Barclays Premier League, die mit dem Nachfolger hinzugefügt wurden.

Turbulente Zweikämpfe …

Die meisten Änderungen von „FIFA 15“ betreffen eher das Gameplay bzw. das, was auf dem Spielfeld zu sehen ist, weshalb wir uns hier ein wenig mehr Zeit für die Details und Kleinigkeiten genommen haben, um wirklich alle Neuerungen erleben zu können. Was von der Konkurrenz etwas hämisch als Ping Pong-Gefühl bezeichnet wurde, wird von EA in große Worte wie „Emotional Reactions“, „Dynamic Match Presentation“ oder „Total Ball Control“ verpackt, was schon im Vorfeld der Veröffentlichung die Augenbrauen nach oben wandern ließ.

Was hier ganz besonders hervor sticht, ist der große Schwerpunkt auf den Zweikämpfen im Mittelfeld, da sich die Spieler nun noch realistischer verhalten, mit einer kleinen Prise Tollpatschigkeit. Diese Anfängerfehler sind jedoch nicht auf die Unfähigkeit unserer Ballkünstler zurückzuführen, sondern eher auf den verstärkten Realismus von „FIFA 15“. In unseren Augen steht – und das haben wir bereits in den früheren Tests von PES erwähnt – die Serie „PES“ für Realismus und FIFA eher für das Arcade-Genre, wobei Teil 15 sich, zwar nicht ganz, aber spürbar an PES angenähert hat. So kann es öfters mal passieren, dass der Podolski auf dem Rasen ausrutscht, während wir ihm mit Götze den Ball zupassen. Ärgern sollte man sich darüber dennoch nicht allzu viel, denn solche Patzer passieren nun mal im Fußball.

Online-Multiplayer im kurzen Überblick

Falls der Realismus dennoch zu kurz kommt, könnt ihr euch entweder einen zweiten Spieler auf die Couch holen oder einen Gegner aus dem Online-Multiplayer zu einer Partie mit eurer Mannschaft herausfordern. Dies macht genauso viel Spaß wie in den ehemaligen FIFA-Teilen und motiviert durch die Möglichkeit, sich mit der gesammelten Erfahrung und verdienten Punkten in der Online-Welt weiter zu entwickeln. Unserer Meinung nach ist der Multiplayer-Part eigentlich der Hauptteil von FIFA, da es fast nichts Schöneres gibt, als euch mit Kumpels auf einige Matches zu treffen.

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IGNITE-Engine …

Mit „FIFA 15“ kommt erstmals erneut die IGNITE-Engine zum Einsatz und soll unter anderem für alle kommenden EA Sports-Spiele als Vorlage dienen. In der Tat merken wir eine größere Dynamik im Spiel und die sehr gut ins Szene gesetzten Charakter-Merkmale einzelner Fußballer. Auch die Mimik und Gestik sind diesmal äßerst authentisch und facettenreich und dienen als gutes Beispiel für die Vorzüge der neuen Engine. Zudem erlebt das Publikum viele Verbesserungen, da viele Zuschauer nicht wie üblich als seelenlose Charaktere auf der Tribüne herumgeistern, sondern auch vom Charaktermodell äußerst ausdrucksvoll erscheinen. Wie in der ehemaligen Preview-Version angesprochen, verhält sich der Rasen ebenso realistischer und trägt bei längeren Matches Gebrauchsspuren davon. Die Wetterverhältnisse spiegeln sich nun in der Spielweise unserer Mannschaft wieder, sowie ist bei Schneefall und Regen mit erhöhter Rutschgefahr zu rechnen.

Die Tribüne lebt …

Wenn wir uns nicht an den verbesserten Charaktermodellen vergucken, machen die Zuschauer auf der Tribüne einige Aktionen mit und feiern spürbar ihre Mannschaft während einer Partie. Bei einem Tor gibt es so ein lautes Geschreie, dass sogar die Kamera zu wackeln und vibrieren beginnt – wenn das kein schönes Live-Erlebniss ist? Das Einzige, was uns akustisch bei „FIFA 15“ stört, sind die deutschen Kommentatoren, die mit der Zeit ausgelutschte Sprüche von sich geben und mit dem nervigen „das war aber knapp“ langfristig das Ohr abkauen. Wer auf die englische Version umschaltet, erlebt deutlich mehr Atmosphäre als bei den deutschen Kollegen.

Etwas mehr Taktik als im Vorgänger …

FIFA15_XboxOne_PS4_Schalke04_vs_Dortmund_HeaderFür die Taktiker unter euch gibt es in „FIFA 15“ ein Aufstellungssystem, welches die Spieler nach ihren Motivationen und Beziehungen zueinander kombiniert und je nach Farbe des Zuordnungspfeils (grün, gelb und rot) die Stärke des Zusammenspiels bestimmt. Wer ein richtig gutes Team aufbaut, das zusammen perfekt harmoniert, ist klar im Vorteil und darf im Spiel auf dessen Stärke zählen. Außerdem raten wir, stämmige Spieler in der Verteidigung einzusetzen, damit diese mit ihrer Statur die eher kleineren Stürmer regelrecht umhauen können. Die Stürmer haben jedoch durch das geringe Körpergewicht mehr Wendigkeit und Flexibilität, womit die Verteidiger ein Problem haben könnten. Daher kommt es auf den einzelnen Spieler in der Mannschaft an, wie er auf die jeweilige Situation reagiert. Natürlich können Shortcuts für jeden Charakter hinzugefügt werden, die jedoch etwas Zeit für die Entwicklung gebrauchen könnten.

Entwickler: EA Canada
Publisher: Electronic Arts
Release: 25. September 2014
Offizielle Homepage: www.easports.com

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TEST: FIFA 15 – Gewohnt hohes Niveau & Ideenlosigkeit
Ein FIFA wie man es "erwartet", samt etwas besserer Grafik und tollem Spielgefühl. Was den Ideenreichtum und "mal was wirklich Neues" angeht, da stagniert die Serie auch in diesem Jahr wieder. Dieser Punkt dürfte wohl auch am meisten aufstoßen und nicht die Umsetzung an sich. Fußballfans und Fans der Serie dürfen sich allerdings auf das gewohnt hohe Niveau freuen.
7.9