TEST: NHL 17 – Zurück zu alter Stärke

Pünktlich zum Start der neuen DEL-Saison bringt EA den neusten Ableger seines Eishockeyspieles auf den Markt. Mit „NHL 17“ versucht man Fans und Frischlinge gleichermaßen an die Konsole zu bekommen und für den in Deutschland noch immer als Randsportart abgestempelten Wettkampf zu begeistern, nachdem gerade der Vorgänger eher nicht überzeugen konnte. Deswegen hat das kanadische Entwicklerteam sich dem Titel angenommen, hier und da Veränderungen vorgenommen und neue Aspekte eingebracht, um nicht mehr herum zu schlittern.

Feines Balancing, viel Freiheit, viele Modi

Bevor die erste Partie, das letzte Stanley Cup Finale zwischen den Pittsburgh Pinguins und den San Jose Sharks, als Einstieg ansteht, kann man schon viele Einstellungen vornehmen. Egal, ob die grobe Auswahl zwischen einem arcadelastigeren oder einem simulationsgetreuen Spiel, oder die feine Anpassung von KI-Stärke, Passunterstützungen oder Coach-Hilfestellungen und anderen Optionen, das Spiel lässt sich vollständig an die Vorlieben und das Talent des Spielers anpassen. Gerade Neueinsteigern kommt man hier sehr entgegen, denn diese können sich zunächst mit einer der drei Steuerungslayouts anfreunden, eher sie sich mit schwierigen Gegnern anlegen müssen. Die Schwierigkeit der KI wurde darüber hinaus generell angepasst, während der Sprung im Vorgänger zwischen Amateur und Halbprofi noch sehr extrem war, wurde hier nun ein gutes Maß gefunden, die Schwierigkeit ansprechend zu erhöhen, um weder zu unterfordern oder zu überfordern. Das sorgt für weniger Frust und lässt die eigenen Fähigkeiten besser steigern.

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Hilfreich ist hierbei auch wieder der Coach, der uns sowohl in der laufenden Partie, als auch im Pausenmenu mit neuen Kommandos und Tricks versorgt, mit denen wir unser Spiel verbessern können. Die Spieler können hierdurch noch neue Manöver lernen, mit denen sie ihre Gegner ausspielen und sich den Sieg schnappen können. Hierbei unterstützen einen auch die eigenen Mitspieler besser als bisher, denn sie reagieren logischer und besser auf unsere Aktionen, finden eigene Laufwege und freie Räume besser und wissen genau, wie sie sich zu verhalten haben. Dadurch kommt es zu vielen schönen Spielzügen, die ein gutes Tempo aufbauen und rasant umgesetzt werden.

Besser als im Vorgänger wurde nun auch die Kontrolle über Stick und Puck umgesetzt. Machten im Vorgänger noch viele Schüsse was sie wollen, lässt sich die Scheibe nun viel präziser über das Eis steuern und im Netz versenken. Gleiches gilt auch für die verbesserte Defence, denn es fällt nun wesentlich leichter, Gegenspieler aufzuhalten, sie zu checken oder ihnen den Puck zu klauen. Die vielen verschiedenen Blockmöglichkeiten kommen einem da sehr entgegen, sodass man nicht blind auf den Pokecheck angewiesen ist.

Was die Spielmodi angeht, so besitzt „NHL 17“ wirklich alles, was das Eishockeyherz begehrt. Neben dem klassischen „Sofort Spielen“ Modus gibt es wieder einmal das „Hockey Ultimate Team“, kurz HUT, den NHL-Ableger des beliebten FUT-Modus aus FIFA. Wie in diesem stellt man sein Team aus verschiedenen Spielern einzelner Teams zusammen, wobei jeder Spieler einen eigenen Seltenheitswert, sowie besondere Eigenschaften besitzt. Neu ist in diesesmJahr, dass die Abstimmung im Team nicht mehr alleine nur auf die Teamchemie fokussiert ist, sondern auch auf die besonderen Fähigkeiten der Spieler, mit denen sich in der richtigen Kombination neuen Eigenschaften freischalten lassen, wie etwa verbesserte Werte für bestimmte Spieltypen oder Positionen. Diese „Synergien“ bringen den Teamaufbau auf ein ganz neues Level, in dem man sich möglicherweise erst einmal noch zurechtfinden muss, um das Beste aus seiner Mannschaft raus zu holen. Daneben gibt es wieder einen Draft-Modus, der von Grund auf verändert wurde. Zu Beginn eines Draft-Wettkampfes entscheidet man sich für ein bestimmtes Thema, etwa „Jungstars“ oder „Europäische Einheit“. Dieses Thema wirkt sich dann entsprechend auf die Zusammensetzung im Draft aus, indem etwa nur Spieler unter 25 oder nur welche mit europäischen Wurzeln aufgestellt werden. Danach geht es in gewohnter Manier in maximal 5 Runden gegen andere Spitzenteams. Je mehr Siege man einfährt, um so besser die Belohnung für HUT. Anders als im Vorgänger kostet eine Draftrunde nun aber keine 5 EUR mehr, sondern ist vollkommen gratis. EA hat da wohl aus einem deutlichen Fehler gelernt. Mal sehen, ob sich das in anderen Spielen auch so verändert (*hust*FIFA*hust*).

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In der EA Sports Hockey League (EASHL) kann man nicht nur sein eigenes Team zusammenstellen, sondern auch direkt seine eigenen Spieler basteln, eigene Trikots entwerfen und sein eigenes Stadion von Grund auf aufhaben. Gemeinsam mit seinen Freunden kann man dann gegen andere Teams antreten, um zum Gewinner der EASHL zu werden.

Wer auf bewährte Teams setzen möchte, der kann sich entweder im Saisons- oder Playoff-Modus austoben, in denen jeder Spieler auch sein Lieblingsteam wiederfinden sollte, denn neben der NHL sind auch die kleineren US-Ligen wie die AHL, aber auch die ECHL oder die DEL sind in NHL 17 mit authentischen Teams und Trikots vertreten. Die Auswahl ist dementsprechend riesig. Abseits davon kann man in Shootouts sein Glück versuchen oder in „Be a Pro“ als eigener Spieler oder im „Franchise-Modus“ als Teameigner seine eigene Karriere nachverfolgen. Besonders im Franchise-Modus wird es Interessant, denn hier kann man sowohl das Team der NHL, als auch aus der niedrigeren Liga managen, sowie über den Ausbau der Stadien, die Preise von Tickets und Werbeartikeln, sowie besonderen Werbeaktionen oder Scoutings bestimmen. Sogar Gespräche mit geknickten Teammitgliedern stehen auf dem Programm. Hier wartet also die komplette GM-Erfahrung auf!

Neu dabei ist der Modus „World Cup of Hockey“, der dem aktuell in Toronto stattfindenden Turnier nachempfunden ist. In diesem Wettkampf treten insgesamt acht Teams gegeneinander an, die besten sechs Teams der IIHF-Weltrangliste (Finnland, Schweden, Russland, Tschechien, Kanada, USA) und zwei national gemischte Teams (Team Europa und Team Nordamerika). Insgesamt gibt es drei Runden, also Gruppenphase, Halbfinale und Finale. Hierbei lässt sich das gesamte Turnier mit den entsprechenden Kadern nachspielen. Hier kann man also selbst entscheiden, wer am Ende die Siegertrophäe in den Händen halten soll.

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Flüssige Bewegungen, lebendige Arenen, tolle Stimmung

Nicht nur das Gameplay wurde überarbeitet, auch das Drumherum wurde aufpoliert und an einigen Stellen doch deutlich verbessert. So sorgen flüssigere und authentischere Bewegungen auf dem Eis dafür, dass das Tempo, die Raffinesse und der Überblick der Spieler auf dem Eis gut auf den Gamer übertragen werden. Er muss hoch konzentriert sein und sich wirklich in das Spiel einfinden, um es gut umsetzen zu können. Hierbei kommt ihm die bereits erwähnte Steuerung entgegen, die dank Skill Stick Layout die volle Kontrolle über Sportler und Stick verspricht. Darüber hinaus sorgen die guten Charaktermodelle und Darstellungen für bessere Torraumduelle und Zweikampfsituationen, wie man sie auch in realen Spielen finden würde. Die Darstellung und das Spielgefühl profitieren daher enorm von der überarbeiteten Technik und machen nun wesentlich mehr Spaß als bisher, auch wenn man nicht ganz befreit ist von leichten Clipping-Fehlern oder chaotischen Bewegungen von Goalies oder Teamkameraden.

Abseits des Eises findet sich zudem eine sehr lebendige Arena wieder. Die Fans reagieren auf jede Aktion auf dem Feld mit Jubel oder Pfiffen, halten Schilder hoch oder tragen zumindest die verschiedenen Trikots und Fanartikel ihrer Mannschaft. Auch die Maskottchen der Teams tun auf der Tribüne ihr Bestes und machen Spieler und Zuschauer heiß. Untermalt wird die gesamte Partie neben den klassischen musikalischen Melodien vor allem von den Moderationen der alt bekannten Sprecher Mike Emrick und Eddie Olczyk, die kaum neue Moderationen gelernt haben, und man diese aus den Vorgängern noch immer gut mitsprechen kann. Trotzdem gehören diese einfach dazu und runden die gesamte Atmosphäre wirklich gut ab.

TEST: NHL 17 – Zurück zu alter Stärke
„Mit NHL17 hat EA Sports in diesem Jahr vieles richtig gemacht. Sie haben die Kritik am Vorgänger angenommen und daraus gelernt, weshalb vieles wieder deutlich ausgereifter wirkt. Die angepasste Balance sowie die vielen Möglichkeiten zur individuellen Einrichtung sorgen bei jedem für ein stimmiges Spielerlebnis, an dem man weiter lernen und auch wachsen kann. Hinzu kommt eine von Grund auf verbesserte KI, die eher mit als gegen einen spielt und so für mehr Lust als Frust sorgt als bisher. Die verschiedenen Spielmodi sorgen für eine Menge Abwechslung und sorgen für viel Freude, da hier für jeden etwas dabei ist. Gerade Neueinsteigern kommt man mit den umfassenden und hilfreichen Tipps des Coaches entgegen, aber auch alte Hasen können noch den ein oder anderen Trick durchaus lernen. Leider fehlt es weiterhin an einem wirklichen Trainingsmodus, in dem man bestimmte Szenarien durchspielt, und auch hier und da kommt es nach wie vor zu Fehlern bei Spielern oder in der Grafik. Nichtsdestotrotz ist NHL 17 ein in sich sehr stimmiges Eishockey-Game, das vieles richtig macht, die schnelle Atmosphäre gut einfängt und den Sport in Deutschland hoffentlich noch weiter in den Fokus rücken kann.“
8.4
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