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TEST: Red Dead Redemption 2 – Aufgesattelt & einfach nur genießen

8 Jahre. 8 Jahre ist es her, seitdem wir uns in „Red Dead Redemption“ auf unser Pferd geschwungen und den Wilden Westen unsicher gemacht haben. Nun, in 2018, nachdem Fans sehnsüchtig jede News und jedes Bild aufgesaugt und auseinandergenommen haben, Frauen und Kinder verlassen und der gesammelte Jahersurlaub auf einmal genommen wurde, erlöst Rockstar alle mit „Red Dead Redemption 2“. Eine Menge Druck lastet auf dem Titel, sowohl durch das Original, als auch durch den Erfolg von „GTA V“. Ob es diesem Hype tatsächlich gerecht wird, haben wir uns einmal genauer angeschaut.

Gemächliche Story-Erzählung

Direkt zu Beginn werden wir ordentlich überrascht, denn anstatt einen Nachfolger, spielen wir die Vorgeschichte der van-der-Linde Gang, auf deren Ereignisse Teil 1 aufbaut. Wir schlüpfen in die Rolle von Arthur Morgan, einem Outlaw und Mitglied der Bande, die es mehrere Jahre in der Vergangenheit nach einem mehr als unglücklichen Fehlschlag auf der Flucht vor dem Gesetz und entsprechenden Gesetzeshütern in die eisigen, verschneiten Berge verschlägt. Die Gruppe versucht zu überleben, muss dabei aber mehr als eine Herausforderung und mehrere Rückschläge hinnehmen.

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Mehrmals muss die Bande ihren Unterschlupf wechseln und wird mehr als einmal hintergangen. Um all das baut sich eine hervorragend inszenierte Story auf, die sich zu Beginn vielleicht noch etwas träge anfühlen mag. Schnell kann man sich jedoch darauf einstellen, dass der Titel nicht von rasantem Tempo und Action angetrieben wird, sondern eher von gemächlicher Spannung und einer grandiosen Atmosphäre lebt. Man verbringt viel Zeit auf dem Rücken seines Gauls, unterhält sich mit toll inszenierten Charakteren oder geht auf die Jagd. Im Zentrum des Ganzen steht dabei die Gang, die wie eine Familie ist. Man unternimmt viele Aktionen mit anderen Teammitgliedern, geht mit diesen auf die Jagd oder Fischen und ist auch bei den Storymissionen so gut wie nie alleine. Jedoch gibt es leider keine Möglichkeit, wie bei GTA, einfach eine beliebige Person aus unserem Freundeskreis anzusprechen und zu der von uns gewünschten Aktivität einzuladen. Dadurch erhält die Freizeitgestaltung leider zu oft einen Touch von Nebenmissionen, anstatt von echter Freiheit. Hier wäre sicher mehr möglich gewesen, und wer weiß, vielleicht gibt es diese Möglichkeit ja im kommenden Online-Modus.

Wer jetzt schon gerne Kontakte knüpfen möchte, der kann dafür jeden NPC ansprechen, was bedeutet, dass wir eine Person anvisieren und mehrere Möglichkeiten zur Interaktion haben, also ob wir sie grüßen, bedrohen oder sogar ausrauben wollen. Haben wir jemanden aus Versehen angerempelt oder mit dem Pferd überrannt, können wir uns entschuldigen, bevor der NPC uns beim Sheriff verpfeift. Haben wir bereits eine Straftat begangen, können wir Zeugen gekonnt dazu bringen, den Vorfall zu vergessen.

Mein Freund das Pferd

Wie wir unsere Zeit im Spiel gestalten, ist uns selbst überlassen. Wir können stundenlang umher reiten, jagen, uns im Kartenspiel probieren, einen trinken oder noch vielen anderen Gelüsten hingeben. Wir erleben dabei viele verschiedene zufällige Begegnungen oder Abhandlungen in der Story, die fließend aus dem laufenden Spiel beginnen, ohne für Unterbrechungen zu sorgen. Immer an unserer Seite steht uns dabei unser eigenes Pferd. Es dient uns nicht nur als Transportmittel, sondern auch als Lager für Waffen und Ausrüstung, sowie für Jagdbeute und Vorräte. Wir selbst können nur eine Auswahl an Objekten bei uns tragen – ist das Pferd nicht in der Nähe, haben wir auch keinen Zugriff darauf. Darüber hinaus lässt es sich auch nicht rufen, wenn wir uns zu weit entfernen. Je mehr Zeit man miteinander verbringt, umso stärker wird auch die Bindung zwischen Mensch und Tier. Dies hat Auswirkung auf Gesundheit, Ausdauer und Tempo, die in den sogenannten „Kernen“ abgebildet werden. Gleiches gilt auch für die Ausdauer, die Gesundheit und das altbekannte „Dead Eye“, bei dem die Welt auf Zeitlupe schaltet und wir gezielt unsere Kugeln versenken können. Die Kerne verbessern sich darüber hinaus im Laufe der Zeit mit steigender Erfahrung, womit wir zum ultimativen Outlaw werden können.

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Und wie es sich für einen echten Outlaw gehört, muss dieser auch mit jeder neuen Herausforderung zurechtkommen. Und davon kommen bei über 100 Storymissionen und noch weiteren Nebenmissionen wirklich viele zusammen. Egal ob wir Flüchtige fangen, Kameraden retten, Züge überfallen oder geradewegs in eine Falle rennen, jede Mission hat ihren eigenen Charakter, wodurch viel Abwechslung aufkommt und man sich auf jede Situation neu einstellen muss. Man freut sich über jede neue Aufgabe, besonders bei den spontanen Begegnungen, die noch eine weitere, lockere Komponente mit einbringen und somit viel zu bieten haben.

Bei allem was wir tun stehen wir unter ständiger Überwachung unserer eigenen Moral. Wenn wir uns wie ein Berserker verhalten, Pferde stehlen ohne Ende, Läden und Bürger überfallen und jeden über den Haufen schießen, laufen wir irgendwann Gefahr, dass wir mit vorgehaltener Pistole aus der Stadt gejagt oder uns den ein oder anderen Spruch anhören müssen. Sind wir auch noch durch unsere Verbrechen auf der Fahndungsliste gelandet, müssen wir erst einmal unser Kopfgeld zahlen, oder die Gesetzeshüter machen bei jedem Kontakt jagt auf uns. Sind wir hingegen ein wahrer Samariter und helfen unserer Gesellschaft, indem wir etwa Schlangenbisse aussaugen oder junge Damen in Nöten helfen, erhalten wir gratis Gegenstände, Rabatte und viel Lob. Welcher Weg einem hier besser gefällt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Insgesamt sind wir von der Darstellung der Story und der einzelnen Erlebnisse sehr überzeugt. Zwar ist der Anfang eher noch ein wenig schleppend, jedoch haben wir uns schnell daran gewöhnt, dass wir es mehr mit einem gemächlichen Gameplay anstatt reißerischer Action zu tun bekommen. Wir geben uns der Handlung schnell hin und fühlen uns sehr wohl, was auch daran liegt, dass wir völlig unabhängig darin sind, was wir machen. Leider gibt es hier Minuspunkte, weil die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung groß sind, man sich allerdings nicht selbst aussuchen darf, mit wem man etwas unternehmen will. Umso besser gefällt uns das Zusammenspiel mit unserem Pferd und der van-der-Linde-Gang, die gut in Szene gesetzt wird und für eine starke Bindung sorgt. Und auch das Moralsystem ist sehr angenehm umgesetzt worden und passt mit den vielen verschiedenen Missionen gut zusammen.

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Kleider machen Leute

Red Dead Redemption 2“ gibt dem Spieler nicht nur die genannte Möglichkeit, sich seine Freizeit zu gestalten wie man mag, auch optisch gibt es viele Elemente, die individuell angepasst werden können. Das fängt zunächst bei dem Aussehen von Arthur Morgan selbst an. Es stehen ihm beim Schneider unzählige Klamotten zur Verfügung, wie Hüte, Hemden oder sogar Hosenträger, und wem die noch nicht reichen, der kann sich an der zahlreichen Sonderausstattung versuchen, für die zunächst erst besondere Objekte gesammelt werden müssen. Darüber hinaus wachsen im Laufe der Spielzeit Arthurs Haare und sein Bart, die in Sachen Stil und Länge gestylt werden können. Auch der eigene Gaul kann einer Beautykur unterzogen werden, indem sein Schweif gefärbt oder geflochten wird – und dazu gibt es dann noch einen neuen Sattel oder Zügel. Wer individuell dem Gegner eine Kugel um die Ohren jagen will, der kann sogar seine Waffen neugestalten, gravieren oder färben.

Natürlich benötigen wir dafür das passende Kleingeld, welches wir von Aufträgen, aber auch von Überfallen erhalten. Dieses Geld können wir entweder in unsere Ausrüstung und Vorräte stecken, oder unseren Unterschlupf investieren, um etwa die Versorgung zu verbessern, oder um ein eigenes Boot zu kaufen. Je nachdem danken es einem die Kameraden entsprechend und helfen der Gemeinschaft auf ihre Art.

Innerhalb der ersten paar Minuten merkt man schnell, das „Red Dead Redemption 2“ grafisch richtig viel zu bieten hat. Nicht nur die überaus ansehnlichen Charaktermodelle sind ein absoluter Hingucker, die Umgebung ist hier der eigentliche Star. Egal, ob wir uns über schneebedeckte Berge oder durch die karge Prärie reiten, die vielen verschiedenen Umgebungen haben alle ihren eigenen Charakter und laden dazu ein, immer wieder aufs Neue erkundet zu werden. Hier gibt es auch verschiedene Städte in unterschiedlichen Bebauungsstadien, die die damalige Historie gut einfangen. Besonders schön: wenn wir durch Schnee oder Matsch laufen hinter lassen nicht nur wir, sondern auch alle Tiere und Kameraden entsprechende Spuren, die zudem realistisch umgesetzt werden. Außerdem reagieren die NPCs entsprechend auf uns, wenn wir voller Matsch oder blutverschmiert durch die Stadt laufen. Hier hat man ein Beispiel für Realismus und Schönheit entwickelt, das man so gerne öfters sehen würde. Hinzu kommt ein wunderbares Wettersystem, das von Sonne über Regen bis hin zu Gewitter und Nebel reicht, wobei es hier je nachdem besonders nachts zu Probleme bei der Sicht kommen kann. Nichtsdestotrotz ist die Darstellung der Lichteffekte gut gelungen, besonders, wenn man durch einen der modernen Orte zieht, in denen es bereits Strom und Lampen gibt.

Insgesamt strotzt der Titel wie von Rockstar gewohnt nur so vor Details. Es gibt viele kleine Momente, die dafür sorgen, dass sich die Spielwelt sehr lebendig anfühlt, indem wir etwa hin und wieder spontan überfallen werden, Ehestreits oder Überfälle mitbekommen, um Hilfe gebeten werden oder in eine der vielen anderen Situationen hineingezogen werden. Hinzu kommt eine umfangreiche Flora und Fauna, die es zu erkunden gibt und die ihre Spuren hinterlässt. Und auch an anderen Punkten wird Realismus hochgehalten, wenn wir etwa ein Repetiergewehr nutzen, müssen wir zwischen jedem Schuss einmal extra die Taste drücken, um die Waffe neu durchzuladen.

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Leider ist dieses umfangreiche Ausschlachten der realistischen Details hin und wieder auch sehr störend. Besonders wenn wir einen Schrank oder ein Regal ausräumen wird es schon lästig, denn wir müssen erst jede Schublade einzeln öffnen, um anschließend fast in Zeitlupe jeden Gegenstand Stück für Stück aufzunehmen. Und auch wenn wir Gegenstände aus dem Inventar auswählen, müssen wir uns erst durch zahlreiche einzelne Punkte hangeln, eher wir unser Ziel erreicht haben. Hier ist die Handhabung wirklich mehr als unglücklich umgesetzt worden.

Weniger ist manchmal mehr

Während andere Titel den HUD stark mit Gesundheitsanzeige, Feindmarkierung, Kompass und vielen anderen Elementen überfrachten, setzt Rockstar hier eher auf weniger und präsentiert die wenigen Elemente eher dezent, wenn sie nicht sogar ausgeblendet werden. Selbst die Karte kann komplett ausgeschaltet werden, so dass man sich voll und ganz der Spielwelt hingeben kann. Hinzu kommt, dass man viel umher reiten muss, während einem gerade einmal 1-2 andere NPC begegnen, wenn überhaupt. Hier profitiert man von der weitläufigen Spielwelt, in der es viele Ecken gibt, in der man fast alleine ist oder mitten im nirgendwo jemandem begegnet, mit dem man nicht rechnet.

Wenn wir schnell von A nach B wollen, nutzen wir dabei am meisten unser Pferd, denn Schnellreisen wie bei anderen Spielen gibt es hier nur sehr begrenzt. So müssen wir entweder in unser Lager oder zu einer Postkutsche, um von dort aus in andere Städte zu festgelegten Orten zu reisen. Daher ist man viel unterwegs, anstatt einfach hin und her zu springen. Die Sandbox wird somit also voll ausgenutzt. Problematisch ist nur, dass unser Pferd anscheinend zu dumm ist, um über größere Steine und Bäume zu springen, oder diese zu umgehen, denn regelmäßig kollidieren wir mit eben genannten, fliegen aus dem Sattel und nehmen dabei massiven Schaden. Und wenn wir richtig Pech haben, stirbt unser geliebtes Pferd auch noch dabei. Das ist wirklich lästig und sorgt hin und wieder für immensen Frust.

Red Dead Redemption 2“ bietet eine sehr ansprechende Atmosphäre, die von der hervorragenden Lebendigkeit und individuellen Handlung der einzelnen NPCs lebt, denn an jeder Ecke warten eigene kleine Geschichten und Schicksale, die man passiv miterleben kann, so wie es im realen Leben auch passieren würde. Man streift gerne einfach nur so umher, reitet von Ort zu Ort oder tief in die Wildnis, um einsame Gebiete oder verlassene Städte zu erkunden, die überall auf den Spieler warten. Außerdem macht es Spaß, sich einfach mit jeder Figur auseinanderzusetzen, egal ob wir sie überfallen oder nett zu ihr sind. Hinzu kommt eine wirklich wundervolle Grafik, die nur so vor Realismus strotzt, besonders, was die Effekte von Licht, sowie etwa Schnee und Matsch angeht. Leider sorgt eben dieser Realismus auch dafür, dass die Steuerung uns immer wieder auf die Palme bringt, wenn wir Schränke in Zeitlupe ausnehmen oder uns durch unser Inventar quälen. Einfache Handhabung ist definitiv anders. Und auch die Eigenständigkeit der Pferde ist eher mittelmäßig, weil wir viel zu oft über Bäume und Steine fliegen, sowie unser Pferd nicht sonderlich intelligent auf unsere Pfiffe reagiert. Man wird zwischendurch regelrecht wahnsinnig, wenn es uns wieder aus dem Sattel wirft oder wir unglücklich mit anderen Pferden oder Personen kollidieren, weil uns dann auch direkt das Gesetz auf den Fersen ist. Sehr nervig, zumal Arthur in seiner trägen Art unfassbar lange braucht, bis er sich wieder erhoben hat.

In Sachen Atmosphäre sorgt Rockstar im Gesamten dafür, dass man sich stundenlang ins Spiel fallen lassen kann, ohne zu merken, wie viel Zeit eigentlich schon vergangen ist. Die gut inszenierte Story und die spannenden Nebenhandlungen erfüllen voll und ganz ihre Pflicht und sorgen dabei für einiges an Abwechslung. Besonders schön: Die verschiedenen Charaktere werden, egal wie wichtig oder unbedeutend sie auch sind, hervorragend in Szene gesetzt, weshalb wir schnell eine Bindungen zu ihnen aufbauen und Gefallen daran finden, sie einfach zu beobachten. Das kommt vor allem daher, dass die NPC fast ein eigenes Leben haben. Sie agieren selbstständig untereinander, ohne, dass wir Teil davon werden müssen. Sei es beim Lagerfeuer, wenn sich mehrere treffen und zusammen singen, wenn wir eine Frau beobachten, wie sie die Sachen ihres Mannes aus dem Fenster wirft, ein armer Kerl, der sich in seinem Übermut selbst erschießt oder Verbrecher, die meinen, uns aus dem Hinterhalt aufzulauern, uns ausrauben oder uns für die vorherige Missionen bestrafen wollen. Die gesamte Welt lebt, so kann man es ganz kurz zusammenfassen. Die gewohnt gekonnte englische Synchronisation ist dabei genauso hilfreich wie der gezielte, meist dezente Soundtrack, der Szenen gut unterstreicht.

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Und auch mit unserem Hauptcharakter Arthur Morgan schaffen wir es, uns gut zu identifizieren, denn dieser ist nicht nur der harte Kerl, sondern zeigt auch hin und wieder seine weiche Seite oder lässt sich von besonderen Ereignissen zu wahrer Freude hinziehen. Hinzu kommt ein gewohnt ansprechender Humor, sowie eine unfassbar gut gelungene grafische Leistung, die immer wieder zum Tragen kommt, egal, ob wir uns durch die Berge, durch den Sumpf oder die Prärie schlagen. Man merkt, dass Rockstar hier wirklich alles gegeben hat. Auch in Sachen Schwierigkeit ist ihnen das sehr gut gelungen, denn diese kann zwar nicht selbst gewählt werden, allerdings ist der Titel nie zu schwer oder zu leicht, sondern hält hier genau die Waage.

Leider verliert das Spiel dafür ein wenig in Sachen Steuerung. Hier hat man es hin und wieder etwas zu gut gemeint, wenn man sich darin verliert, Taste für Taste Fächer erst zu öffnen und dann jedes Objekt einzeln zu stehlen, oder wenn wir uns in unserem eigenen Inventar abmühen. Gleiches gilt außerdem auch für Beschäftigungen wie Domino oder Kartenspiele, bei denen wir nur selten die Möglichkeit haben, Züge zu überspringen, bis wir wieder dran sind. Und auch die häufigen Begegnungen mit Bäumen und Steinen sind eher wenig ansprechend auf Dauer, gerade, da man fast ausschließlich umher reitet. Das ist wirklich schade, denn an sich ist die Steuerung wirklich gut und ansprechend gelungen, selbst wenn man länger kein „Red Dead Redemption“ gespielt hat.

Summary
“Immer wieder hört man auf die Frage, womit man „Red Dead Redemption 2“ vergleichen kann den Satz „Es ist wie GTA im Wilden Westen.“ Aber das stimmt nicht, denn das Spiel ist ein ganz eigenständiges Erlebnis, das höchstens von diesem ein wenig beeinflusst wurde. Das Wild-West-Abenteuer entführt uns in eine ganz eigene Welt, in der wir nicht den großen Macker spielen, der in seiner Prachtvilla lebt und mit seinen 20 Autos durch die Gegend brettert, oder mit Fallschirmen aus Helikoptern springt. Das Spiel ist echt. Echt in Sachen Story, die die ein oder andere Niederlage mit sich bringt, im Kampf einer Gruppe, die nichts anderes möchte als Freiheit und Zufriedenheit. Wie von Rockstar gewohnt ist der Umfang dabei riesig, weshalb RDR2 auch kein Titel für zwischendurch ist. Man muss sich dem Spiel ganz hingeben, was einem allerdings auch nicht sehr schwer fallen sollte, denn die tolle Atmosphäre sorgt dafür, dass wir uns schnell wohlfühlen und den Controller nicht mehr aus der Hand geben wollen. Also arbeiten wir uns durch die vielen Haupt- und Nebenmissionen, pflegen die Beziehung zu unserem Pferd, vertreiben uns die Zeit beim Glücksspiel und bauen unseren Unterschlupf komplett aus. Und wem das nicht reicht, für den hat der Titel im Endgame noch einige Überraschungen zu bieten. Auch grafisch ist RDR2 auf Top-Niveau und bietet einen tollen Umgang mit Texturen, Lichtverhältnissen und vielen kleinen Details, die die Umgebungen äußerst lebendig wirken lassen. Leider gibt es ein paar unschöne Minuspunkte. So fehlt uns die Möglichkeit, mit Freunden aus dem Camp spontan etwas zu unternehmen, denn man möchte ja lieber mit diesen etwas machen und vielleicht tolle Geschichten erfahren, anstatt sich nur mit Fremden etwa zu betrinken. Darüber hinaus sorgen die vielen Sammelobjekte in Verbindung mit der großen Open-World dafür, dass wir kaum eine Chance haben, alles ohne Hilfe eines Leitfadens oder einer interaktiven Karte zu finden. Wir fühlen uns hier schnell überfordert und verlieren uns in der Sache nach der Nadel im Heuhaufen, was auch durchaus mal Frust aufkommen lassen kann. Störend ist auch die Trägheit von Arthur, der ewig braucht, bis er Schränke und Regale ausgeräumt sowie die Beute verstaut hat, die umständliche Handhabung des eigenen Inventars, sowie wenn wir mal wieder mit unserem Pferd über Stock und Stein gefallen sind. Insgesamt ist „Red Dead Redemption 2“ dennoch ein absolutes Highlight, das uns sicher noch lange mit tollen Momenten versorgen wird, bis wir endlich mit „Red Dead Online“ mit unseren Freunden eine eigene Gang gründen dürfen.”
Good
  • Beeindruckende, lebendige Open World
  • Jede Menge Inhalte, Missionen & mehr
  • Realistische Ansätze
  • Authentische Atmosphäre
Bad
  • Erzählung kommt nur langsam in Fahrt
  • Eingeschränkte Freiheiten bei Aktivitäten
  • Teils umständliches Gameplay
  • Nervige Bugs, wie bei Pferden
8.9
Great