TEST: Velocity 2X – Beam me up, Kai Tana

Manchmal kann man mit seinem Alter nicht hinter dem Berg halten und für eine brauchbare Einleitung eines Reviews klettere ich über den erwähnten Erdhügel und gebe frei heraus zu: „Ja, ich nullte schon 1990 das erste mal!“

Man braucht kein Rechengenie sein, um zu erkennen, dass ich ein Kind der 1980’er Jahre bin. Und als ein solches machte ich meine ersten Gaming-Erfahrungen auf NES und Master System. Die 8-Bit-Brotkästen wussten mit ihrem Spieleportfolio schon zu unterhalten, in den Augen argwöhnischer und bildungsorientierter Eltern waren sie aber nun einmal nur Spielzeug.

Also musste ein sogenannter Heimcomputer her. Eine Gerätschaft, die, wie sich damals schon abzeichnete, unabdingbar werden würde. Also bot sich ein früher Aufsprung auf den Technikzug auch für meine Eltern an.Aber ich wäre kein Spielenarr, wenn ich mich Ende der 1980’er dazu hätte hinreißen lassen, einen „normalen“ PC zu erwählen. Nein, es musste ein „Amiga“ sein. Gut, was die technische Evolution angeht, hatte ich vielleicht auf das falsche Pferd gesetzt, aber nicht was die Spieleauswahl anging.

Und was es da nicht alles gab – von Strategiespielen bis Jump’n’Run war für jeden etwas dabei. Dennoch war ein Genre vorherrschend – die Arcade Shooter – respektive Shoot’em up. Und da war es auch egal, ob vertikal oder horizontal geballert wurde, ob nun Turrican oder R-Type, ob Banshee oder Angony, wichtig war dass es einen locker unterhielt und an alle Ecken und Enden „spratzte“.

Wenn Syntheziser-Klänge einen auf der Highscore-Jagd bis zum Bossgegner antrieben, war ich in meinem Element.
Und um diesen kleinen persönlichen Ausflug in die Vergangenheit seiner Bestimmung als Test-Einleitung zuzuführen, kommt hier der Bogen in die Gegenwart: Ja, ich blickte positiv auf den Release von FuturLab’s Sequel zu dem PS Mini Spiel -Velocity-!

HedonistDa der Vorgänger, sowie dessen Neuauflage -Velocity Ultra- bereits zu gefallen wussten und FuturLab im Vorfeld des Releases ankündigte, dass man das Spielprinzip noch verbessern und erweitern möchte, war eine gewisse Neugier ob der Qualität des Spieles bei mir vorhanden. Und soviel mag ich bereits jetzt sagen: Sie wurde nicht enttäuscht!
FuturLab verpackt sein, vom Gameplay getragenes Werk, in eine nicht weiter erwähnenswerte Geschichte um ein machthungriges Volk namens „Vokh“ in dessen Händen sich unsere, teilweise bionisch verbesserte Heldin -Lt. Kai Tana- zu Beginn des Abenteuers befindet. Bei ihrer Flucht erhält sie Hilfe von Ralan, welcher dem friedliebenden und von den Vokh gepeinigten Volk der „Jintinda“ angehört. Folglich gilt es, die Bedrohung durch die Vokh abzuwehren und das Volk der Jintinda zu retten.

Die Geschichte wird in Standbildern erzählt, welche jeweilig vor den insgesamt 50 Missionen, kurz die aktuellen Geschehnisse wiedergeben. Hierbei wird uns auch ein Grund für das folgende, sich spieltechnisch in die Highscore-Jagd einfügende, Einsammeln von Kapseln und Kristallen an die Hand gegeben. So befinden sich in den Kapseln Forscher der Jintinda – die Kristalle wiederum werden als Ressourcen benötigt. Logisch! Also nichts wie raus in das All und mit dem „Quarp Jet“ genannten Raumgleiter in vertikal scrollenden Leveln in der -Draufsicht- den Vokh zeigen, dass sie sich mit der Falschen angelegt haben.

Schnell wird hier deutlich, dass Velocity mehr ist, als ein bloßer Shooter. Kernelement des Spieles ist nämlich dessen Teleporttechnik. So erreicht ihr durch Druck auf die Vierecktaste mit anschließender Positionswahl per Analogstick Orte, welche aufgrund von Mauern etc. eigentlich unerreichbar sind. Im Laufe des Spieles erweitern sich die Fähigkeiten eures Schiffes automatisch. So werdet ihr mit Bomben ausgestattet, welche ihr, anders als eure Primärfwaffe (Frontlaser) in alle Richtungen abfeuern könnt. Diese Fähigkeit ist gleichermaßen unabdingbar für das Bewältigen von gewissen Leveln, wie eure „erweiterte“ Teleportfunktion. So durchquert ihr mittels Teleport bald nicht mehr nur nahe gelegene Wände, sondern ganze, teilweise stark verzweigte Level, indem ihr an gewissen Stellen einen bzw mehrere Teleportpunkt/-e setzt. Dies eröffnet euch die Möglichkeit später an diesen zurückzukehren.

Da ihr gezwungen seid, bestimmte Tore in nummerisch vorgegebener Reihe zu beschiessen um bestimmte Areale zu erreichen, werdet ihr auf diese Funktion sehr oft zurückgreifen. Das Spiel erleichtert euch die Wahl der richtigen Teleportpunkte, indem der Bildschirm an geeigneter Stelle blau aufflimmert. Das ist auch gut so, da die falsche Wahl von Teleportpunkten die Gefahr birgt, stetig das Level von vorne beginnen zu müssen. Neben der genannten All-Abschnitte hält Velocity 2X aber noch ein weiteres Gameplay-Element für euch bereit. So müsst ihr an gewissen Punkten euer Raumschiff verlassen und seid folgend fußläufig unterwegs. Diese, an Metroid oder Turrican erinnernden Plattformer-Abschnitte, fügen sich ausgezeichnet in das übrige Spiel. Lediglich die minimal unterschiedliche Steuerung (aussen: X- Button = Primärfeuer; innen: Rechter Analogstick = Primärfeuer) hemmt manches Mal den, für ein derartig auf schnelles Bewältigen der Level setzendes Spiel, wichtigen „Flow“.

Natürlich ist Velocity 2X nicht das erste Spiel, dass unterschiedliche Gameplay-Elemente in Abfolge nutzt, aber FuturLab macht dies in einer erwähnenswert homogenen Weise. Innen- und Aussenareale wechseln sich stimmig ab und es ist schon ein netter Kniff, wenn man während eines Bosskampfes am Schiff des Gegners andockt und dieses im Inneren bekämpft. Apropos Bosskämpfe – diese nutzen die in vorherigen Leveln erlernten Fähigkeiten sehr gut, sind jedoch wenig imposant und aufgrund der Tatsache, dass unsere Heldin zwar nach ausreichend Beschuss mangels Energie das Zeitliche segnet – jedoch nur, um kurz darauf und neu erstarkt, dem Boss wieder gegenüber zu treten und dieser wiederum sich zwischenzeitlich nicht von unserem Dauerfeuer erholt und es uns so ermöglich ohne Skill und nur durch „Dauerreinkarnation“ den jeweiligen Bossgegner zu besiegen, wenig final.

Natürlich verhindert das Frust, aber skillorientierten Spielern dürfte hierbei vielleicht die Herausforderung fehlen, welche sie allerdings bei der Highscorejagd befriedigt sehen dürften. Velocity 2X belohnt euch nach Abschluss jeden Levels mit Experiencepoints – in der Menge abhängig von eurer Leistung. Wart ihr schnell, habt ihr alle Kapseln und Kristalle eingesammelt? Falls ja, gut! Denn dafür hagelt es Punkte und diese sind wichtig für die Online-Highscoreliste, das freischalten weiterer Level und nicht zuletzt für euer „Habe-ich-gut-gemacht-Gefühl“. Und das ist es, was die Quintessenz von Velocity 2X ausmacht – die Level immer besser, schneller und effektiver zu bewältigen, damit am Ende möglichst ein „Perfekt“ vor der Levelauswahl steht. Somit ist es auch verzeihlich, dass die Umgebungen recht abwechslungsarm und statisch anmuten, ist doch der scharfkantige Comic-Grafikstil an sich, stimmig und – ja – stylisch.

ExtremeExplosionLighting

Auch was den Sound angeht, hat FuturLab den Geist des Genres getroffen. Melodische Syntheziser-Klänge peitschen einen durch die Level ohne dabei das eigentliche Spielgeschehen in den Hintergrund zu drängen, allerdings auch ohne richtige Ohrwürmer zu bieten. Die Waffensounds klingen gut gewählt und Explosionen geben, untermalt von klangvollem „Spratzen“, ein gutes Trefferfeedback. Erwähnenswert ist zudem, dass das Velocity 2X sowohl auf PS4 als auch auf der PS Vita (das Spiel verfügt über Cross-Buy- und Cross-Save-Funktion, was euch das Spielen auf beiden Geräten, sowie das System übergreifende Speichern ermöglicht) absolut flüssig läuft.

Trotz des vielen Lobes weist Velocity 2X auch einige Schwächen auf. Da wären, wie erwähnt, die abwechslungsarmen, sterilen Hintergründe. Ebenfalls fehlt es dem Spiel an Gegnervielfalt und die Bosse wirken reichlich unspektakulär. Auch die Geschichte des Spieles ist mehr schmückendes Beiwerk. Aufgrund des stimmigen Gameplay’s, welches – wenn auch sehr einfache – Puzzleelemente mit einem Vertikal-Shoot’em Up und einem Plattformer gekonnt verbindet und weit über die eigentliche Spielzeit von ca. 6 Stunden für einen Durchlauf zu unterhalten weiß, kann man hier nur von einem gelungenen Sequel sprechen.

Entwickler: FutureLab
Publisher: FutureLab
Release: erhältlich
Offizielle Homepage: www.futurlab.co.uk

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TEST: Velocity 2X – Beam me up, Kai Tana
Mit Velocity 2X entwickelte FuturLab das gute Spielprinzip des Vorgängers weiter ohne sich stoisch auf dieses zu fokussieren. Die Erweiterung des Spieles um den Plattformer-Teil fügt sich sehr gut in das Gesamtkonzept ein und sorgt so für ein unterhaltsames Arcade-Shooter-Spieleerlebnis.
8
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