TEST: Blood Bowl 2 – American Football mal anders & blutig

Inmitten der zahlreichen alljährlichen Neuerscheinungen bei den Sportspielen, hat sich nun mit „Blood Bowl 2“ eines der etwas anderen Art eingereiht. Durch ein gelungenes Cover und lustige Trailer wird im ersten Moment der Eindruck eines brutal-witzigen Madden mit mittelalterlichen Fantasy-Charakteren vermittelt. Wer genauer hinsieht wird jedoch schnell erkennen, dass es sich um ein reines Strategiespiel für Warhammer-Fans handelt.

Den Ursprung hat das Spiel nämlich im gleichnamigen Tabletop-Spiel des bekannten Herstellers „Games Workshop“, der zahlreiche der kleinen Spielfiguren im Fachhandel vertreibt. Damit sind wir bereits beim größten Problem angelangt: „Blood Bowl 2“ spielt sich auch wie ein Tabletop-Spiel. Wer ein schnelles und aufregendes Sportspiel erwartet, bei dem es nur um spielerisches Geschickt geht, der braucht gar nicht erst über den Kauf nachzudenken. Fans von ausgeklügelten Strategie- und Brettspielen, die mit Würfelpech leben können, sollten jetzt jedoch umso gespannter sein, denn ähnlich strategische Spiele sucht man auf der Playstation 4 bisher vergeblich.

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Wir mussten uns als absolute Neulinge bei Blood Bowl zunächst mit der Kampagne begnügen, da diese zu Beginn über stark abgespeckte Spielregeln verfügt und in jeder Mission neue Elemente hinzufügt, um schlussendlich bei den normalen Regeln anzukommen. Eure Aufgabe ist es die aus Menschen und einem Oger bestehende Mannschaft „Reikland Reavers“ von ganz unten bis an die Spitze zu führen. Zu Beginn war dies sogar für uns ein Kinderspiel, der Schwierigkeitsgrad zieht jedoch sehr schnell an.

Das Grundprinzip von Blood Bowl ist simpel: Bringe den stacheligen Football in einem rundenbasierten Spiel hinter die gegnerische Linie. Dabei setzt das Spiel auf ein Statistiksystem, welches sich auf die Erfolgsaussichten der entsprechenden Manöver auswirkt. Hat euer Charakter höhere Werte als euer Gegenüber, dann werdet ihr einen Zweikampf mit höherer Wahrscheinlichkeit gewinnen, teilweise wird aber auch einfach gewürfelt. Die entsprechende Chance, beispielsweise wie wahrscheinlich es ist ungehindert neben einem Gegner vorbeizulaufen, wird euch in Prozent angegeben. Habt ihr Pech, stellt euch der Gegner ein Bein und ihr beendet euren Spielzug mit der Nase im grünen Spielfeld. Auch beim Passen und Fangen müssen beide Aktionen gelingen, damit der Ball nicht auf dem Boden direkt neben dem Gegner oder im schlimmsten Falle gar direkt in seinen Händen landet. Sogar auf gerader Strecke ohne irgendwelche Hindernisse kann euer Spieler ein Feld vor dem Touchdown stolpern und euren Sieg zunichtemachen. Somit seid ihr immer auch von eurem Glück abhängig und müsst bei der Aufstellung eurer Spieler euer Bestes tun, um die eigenen Chancen zu erhöhen.

Die hierfür notwendigen zahlreichen strategischen Elemente werden zwar erklärt, jedoch fehlt ein ausführliches Tutorial, welches uns auch wirklich sinnvolle Spielzüge vorschlägt. So zogen wir in den ersten Spielen einfach drauf los ohne wirklich zu wissen, was wir gerade tun. Denn nur die Grundregeln kennenzulernen hilft eben noch nicht beim Bewerten geschickter Spielzüge. Hier hätten wir uns mehr sinnvolle Hilfen gewünscht, wo doch in so vielen Spielen nicht an wirklich unnützen Hilfen gespart wird. Veteranen werden sich jedoch schnell zurechtfinden, da sich an den Regeln nicht wirklich etwas geändert haben soll. Für uns als Anfänger wurde das Spiel jedoch schnell verhältnismäßig kompliziert, frustrierend und auch ein wenig eintönig. Nicht zuletzt, weil die KI-Züge oft viel zu lange dauern und nicht übersprungen oder zumindest beschleunigt werden können. So zieht sich das Spiel, das eigentlich nur aus zwei Halbzeiten zu je 8 Spielzügen besteht, teils extrem in die Länge.

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Für etwas Abwechslung sorgen hingegen immer wieder zufällig auftretende Events. So kann es durchaus sein, dass der Schiedsrichter mal nicht besonders unparteiisch ist und einem eurer Spieler mitten ins Gesicht tritt, um ihn so zunächst außer Gefecht zu setzen. In Szene gesetzt wird euer Aufstieg aber in erster Linie durch die zwei Kommentatoren, die dem Spiel durch ihren schwarzen Humor einen sympathischen Anstrich verleihen. Das Problem dabei ist aber, dass die Sprachausgabe nur in Englisch vorhanden ist und die beiden teilweise einen sehr schwer verständlichen Slang sprechen sowie viele Redewendungen benutzen, die sich selbst mit guten Englischkenntnissen nur vereinzelt entschlüsseln lassen. Noch dazu sind die deutschen Untertitel viel zu klein geraten und lassen sich während einer Partie kaum mitverfolgen. Schade! Eine gute Übersetzung hätte dem Spiel einen deutlich größeren Charme verpasst. Abseits des Spielgeschehens müsst ihr euch auf eurem Weg nach oben durch viele teils unübersichtliche Menüs bewegen, die allerdings auch eine hohe Vielfalt an Individualisierung ermöglichen. So könnt ihr neue Teammitglieder und spezielle Boni mit eurem schwerverdienten Gold einkaufen und euch auch um Sponsoren bemühen. Diese scheinen jedoch keine unterschiedlichen Vorteile zu gewähren, weshalb wir bisher keinen wirklichen Nutzen feststellen konnten. Nach einer Weile seid ihr sogar in der Lage das Stadion zu beachtlicher Größe auszubauen, was durchaus beeindruckend wirkt. Auch hier werden die Features Stück für Stück eingeführt um euch so auf den Kern des Spiels vorzubereiten: Den Multiplayer.

Da die Kampagne nur einen leichteren Einstieg in das Spiel liefern soll, werdet ihr die meiste Zeit im Multiplayer verbringen. Hier müsst ihr zunächst – wie in der Kampagne gelernt – eine Mannschaft zusammenstellen. Wie der Name bereits vermuten lässt, handelt es sich bei „Blood Bowl 2“ nicht um den ersten Teil der Reihe – allerdings auch nicht um den zweiten. Bereits 1994 erschien der erste Ableger, welcher 15 Jahre später erneut aufgesetzt wurde. Dieser 2009 erschienene direkte Vorgänger bringt es bislang auf einen stattlichen Umfang von 23 spielbaren Rassen, während nun mit nur acht bzw. neun bei Vorbestellung an den Start gegangen wird. So erhielten Vorbesteller der PS4-Version die Echsen als zusätzliche Rasse, während X-Box-Spieler die Waldelfen erhielten und PC-Spieler eine der beiden wählen konnten. Dies legt die Vermutung nahe, dass das mit knapp 50€ im Handel erhältliche Spiel auf zahlreiche kostenpflichtige DLC’s setzen wird, was den Gesamteindruck etwas trübt.

Habt ihr euch für eine Rasse entschieden und euer Team mithilfe eures Startkapitals zusammengestellt, müsst ihr euch für eine Liga entscheiden. Diese werden ausschließlich von Spielern erstellt und sind teilweise offen für alle oder nur auf Einladung zu betreten. Dies ermöglicht es euch, auch nur mit euren Freunden eine Liga zu eröffnen. Habt ihr innerhalb der Liga einen Kontrahenten gefunden, geht es mit den vollen Regeln los. Dies bedeutet auch, dass eure Spieler zufällig bei bestimmten Spielaktionen dauerhaft K.O. gehen oder sich Verletzungen zuziehen können. Auch in Rente gehen eure Spieler nach zugegeben so einigen Spielen. Der entsprechende Spieler muss dann – egal wie stark er einst war – ersetzt werden. Hierfür steht euch auch ein Transfermarkt zur Verfügung, auf dem ihr Feldspieler von anderen Spielern gegen virtuelles Gold kaufen könnt. Für echte Fans stehen somit genügend Möglichkeiten zur Verfügung, um euch lange bei der Stange zu halten, denn Platz für Verbesserungen wird es immer geben.

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Aus technischer Sicht konnten wir nach dem Aufspielen des großen Release-Patches keine großen Macken feststellen. Sowohl die Charaktere als auch die Arenen sind liebevoll und detailreich gestaltet. Nur Kleinigkeiten fallen negativ auf. So lässt sich die Kamera mit dem rechten Stick nur in acht Richtungen und nicht frei im Raum bewegen, was angesichts einer dreidimensionalen Umgebung unverständlich und altbacken wirkt. Auch die Animationen nach einem Touchdown sind immer die gleichen. Egal welches Team gepunktet hat, es jubeln immer menschliche Cheerleader. Dies sind Punkte, die leider nicht erst nach einiger Zeit, sondern sehr schnell ins Auge springen, was sie umso ärgerlicher macht. Trotzdem kann man sich über Grafik und Sound, dem leider die deutsche Sprachausgabe fehlt, ansonsten nicht beklagen.

Entwickler : Games Workshop
Publisher: Focus Home Interactive
Release: erhältlich
Offizielle Homepage: www.bloodbowl-game.com

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TEST: Blood Bowl 2 – American Football mal anders & blutig
„Blood Bowl 2 zu bewerten ist keine leichte Aufgabe. Wer sich mit seinem Würfelglück arrangieren kann, taktisches Verständnis und viel Geduld mitbringt, der wird auf dem blutigen Spielfeld durchaus einige lustige und spannende Stunden verbringen können. Sollte dann noch ein gewisses Interesse an ausgeklügelten Brettspielen bzw. gar Warhammer bestehen, dann ist Blood Bowl 2 ohnehin ein absoluter Pflichtkauf. Ein schnelles, einfach zu lernendes und besonders abwechslungsreiches Spielerlebnis darf man jedoch nicht erwarten, weshalb es ein Nischenspiel bleiben und viele Spontankäufer womöglich enttäuschen wird.“
7.9