TEST: Tales of Xillia 2 – RPG mit Deja-Vu Effekt

Mit „Tales of Xillia 2“ lädt das Tales Studio zu einem erneuten Ausflug in das Xillia Universum ein. Wer den Erstling gespielt hat, wird sich sofort zuhause fühlen und die Geschichte besser verstehen, aber auch den ein oder andern Deja-vu Moment verspüren. Ob der zweite Trip nach Rieza Maxia wirklich Neues in der Hinterhand hat oder ob doppelt abgerechnet wird, erfahrt ihr im Test.

Tales of Xillia 2 screenshot 1Die Geschichte von „Tales of Xillia 2“ spielt ein Jahr nach den Ereignissen des ersten Spiels. Diesmal schlüpft ihr in die Rolle von Ludger Kresnik, einem knapp 20 Jahre jungen Mann, der mit seinem Bruder Julius in der Stadt Trigleph lebt. Ludger versucht seinem älterem Bruder nachzueifern und, wie dieser, einen Arbeitsplatz bei der Spiritus Cooperation zu ergattern, scheitert jedoch an der Aufnahmeprüfung. Alternativ tritt Ludger eine Stelle bei der lokalen Bahngesellschaft an. Hier trifft er auf die junge Elle, ein Mysteriöses junges Mädchen, die auf der Suche nach dem Land Canaan ist, wo sie ihren Vater zu treffen erhofft. Durch sein treffen mit Elle verstrickt sich Ludger schnell in eine Reihe von seltsamen Ereignissen, die ihm nicht nur an seinem Bruder zweifeln lassen, sondern ihm auch einen Schuldenberg aufhalsen, den ein Otto-Normalbürger zu seinen Lebzeiten nicht abzuzahlen vermag. Was folgt ist ein Charakter getriebenes RPG, dessen Story in einigen Momenten überraschend düster ist.

Neben der interessanten Geschichte des Spiels kann sich vor allem die Präsentation selbiger sehen lassen. Wie in vielen JRPGs werden Konversationen von Figuren Porträts begleitet und vollständig vertont, wenn auch nur in Englisch. Wer nach einer japanischen Spur sucht, schaut diesmal leider in die Röhre. Textbasierte Dialoge bekommt man nur in den Nebenmissionen vorgesetzt, löblicherweise sogar in Deutsch. Besonders dramatische Szenen werden durch Anime-Zwischensequenzen ins rechte Licht gerückt. Verantwortlich für die Animationen ist dabei Studio Ufotable, das für besonders hochwertige Zeichnungen bekannt ist.

Ebenfalls weise gewählt wurden die Sprecher, zumindest der Löwenanteil. Etwas störend ist die Stimme der acht jährigen Elle, deren Sprecherin krampfhaft versucht jung zu klingen, was ihr aber nicht wirklich gelingt. Im Spiel sieht man dann ein kleines Mädchen, vor sich hört man jedoch eine Frau Mitte zwanzig, Anfang dreißig reden. Hier wäre weniger mehr gewesen, besonders wenn man sich vor Augen führt, dass Elle eine tragende Rolle im Spiel einnimmt und somit viel zu sagen hat. Ein weiterer Dorn im Auge ist Ludger, der das gesamte Spiel über als stummer Held fungiert. Die Stimme des Hauptcharakters zurückzuhalten funktioniert gut in Dungeon Crawlern, in einem Story-getrieben RPG macht dies jedoch keinen Sinn. Das Resultat ist das Ludger mitunter wie eine Puppe wirkt und man sich als Spieler am wenigsten für die Hauptfigur interessiert.
Test Tales of xillia 2

Gelungen ist auch die Charakterentwicklung der Nebendarsteller. In Nebenmissionen, die in figurenspezifische Kapitel unterteilt sind, kann mehr über die Figuren in Erfahrung gebracht werden. Gefahr diese “Events“ zu verpassen läuft man dabei zu keiner Zeit, da diese auf der Welt- und Minikarte vermerkt werden. Wer keine Lust hat sich den Episoden zu widmen kann diese natürlich auslassen. Wer sich für seine Mitstreiter Zeit nimmt, hat jedoch am Ende mehr vom Spiel, da die Nebengeschichten helfen die zahlreichen Figuren in „Tales of Xillia 2“ besser zu verstehen, was die Hauptgeschichte des Spiels nur noch interessanter macht.

Kommen wir zum ersten Gameplay-Punkt, der zeitgleich mit der Präsentation zu tun. In vielen Szenen verlangt euch „Tales of Xillia 2 Entscheidungen ab. Eure Entscheidungen beeinflussen den Verlauf der Geschichte, jedoch nur geringfügig. Dem Spieler wird hier nur vorgegaukelt, die Wahl zu haben. Im besten Falle führt eure Entscheidung zu einer etwas anderen Zwischensequenz oder einem anderen Dialog der Mitstreiter. Die Entscheidungen sollten jedoch nicht als nutzloses Beiwerk abgetan werden, da diese direkten Einfluss darauf haben wie eure Gefährten euch sehen. Beantwortet ihr eine Frage zufriedenstellend, könnt ihr ein paar Freundschaftspunkte bei euren Kollegen einstreichen, die sonst nur über eine Vielzahl von Kämpfen mühsam gesammelt werden können.

Das Gameplay der Tales-Spiele war schon immer actiongeladen und „Tales of Xillia 2“ ist dabei keine Ausnahme. Das Kampfsystem erlaubt Kombos in Echtzeit umzusetzen und jederzeit zwischen den Figuren zu wechseln. Das Partnersystem von „Tales of Xillia 2“ erlaubt es außerdem zwei Figuren als Team agieren zu lassen und Gegner so mit geschickt abgetimmten Kombos festzunageln. Noch mehr Durchschlagskraft kann man durch Artes entfesseln. Bei Artes handelt es sich um Skills, sowohl Physische als auch Magische, die nach und nach erlernt werden und im Kampf eingesetzt werden können. In Verbindung mit einem Partner kann man dann sogenannte Linked Artes entfesseln. Die Figuren verbinden hierbei ihre Skills und erschaffen so eine völlig neue Attacke, die noch mehr Schaden verursacht. Doch es geht noch komplizierter. Ludger schaltet im Verlauf des Spiels mehrere Waffen frei. Neben den Standard Doppelklingen die ihm ab beginn des Spiels zur Verfügung stehen, kann Ludger später noch zu einem Hammer und Pistolen wechseln. In Kombination mit dem Linked Artes System ist es daher ratsam, die Wahl der Waffen auf seinen Partner abzustimmen. Nutzt der Ludgers Partner z. B. Pistolen sollte Ludger ebenfalls Pistolen nutzen, um besonders vernichtende Artes freizusetzen. Leider ist das Link System und die damit verbundenen Attribute etwas kompliziert. Man muss nicht nur berücksichtigen welche Arte man schon in einem Link-Kombo genutzt hat, da jede Arte nur einmal in einem Linked Arte nutzbar ist, im besten Fall wechselt man im Kombo zeitgleich seinen Partner und die ausgerüstete Waffe. Dann stellt sich noch die Frage welche Artes lösen in Kombination mit welcher Waffe und welchem Partner welche Attacke aus? Löblich ist das die entdeckten Linked Artes in einem extra Menü-Punkt notiert werden. Im Kampf ist dies jedoch kaum von nutzen, da durch das Aufrufen des Menüs der Spielfluss unterbrochen wird. Hier hilft nur Zeit investieren und auswendig lernen.

test tales of xillia 2Grafisch macht „Tales of Xillia 2“ wie sein Vorgänger einen guten Eindruck. Änderungen gibt es praktisch keine. Traurigerweise macht „Tales of Xillia 2“ aber auch die gleichen Fehler wie der Erstling. Ein gutes Beispiel sind die stets aufpoppendend 3-D Modelle von NPCs und Gegenständen. Wie schon im ersten Teil kommt es beim Betreten eines Gebiets zu verzögerten Ladezeiten, in denen die Straßen für eine Sekunden völlig leer gefegt sind. Wartet man einige Momente kann man sehen wie Figuren nach und nach aus dem nichts auftauchen. Es ist wirklich Schade, dass die Zeit nicht genutzt wurde, um dieses doch eher unschöne Manko aus der Welt zu schaffen. Immer und immer wieder zu sehen wie sich NPCs aus dem nichts materialisieren ist nicht nur technisch unschön, es bremst auch den Spielspaß. Ein weiteres Manko sind die wiederverwerteten Gebiete und Gegner des ersten Teils. Auf den Spieler warten zwar auch neue Inhalte, es ist jedoch nicht abzustreiten das hier Sparfüchse am Werk waren und soviel wie nur möglich erneut verwendet wurde.

Die Spielzeit von „Tales of Xillia 2“ kann auf ca. 40 Stunden festgelegt werden. Wer Interesse an den zahlreichen Nebenquests hat, holt allerdings noch mehr Spielzeit heraus. Sobald das Spiel abgeschlossen wurde, werden zudem neue Quests freigeschaltet die z. B. das Besiegen von besonders schweren Monstern beinhalten. Ebenfalls freigeschaltet wird ein äußerst kurioses Extra: Ludgers Stimme. Sobald diese erworben wurde, bekommt man auch Ludger in Szenen in denen Entscheidungen anstehen  zu hören. Die Entscheidung Ludgers Stimme hinter einem Unlock zu verstecken ist jedoch mehr als fraglich.

Entwickler: Bandai Namco Games
Publisher: Bandai Namco Games
Release: 22.08.2014
Offizielle Seite: www.bandainamcogames.de

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TEST: Tales of Xillia 2 – RPG mit Deja-Vu Effekt
Tales of Xillia 2 ist ein gelungenes Sequel, das durch die interessante Geschichte und gute Präsentation glänzt. Ebenfalls willkommen ist das wie immer tolle Tales-Kampfsystem, das auf Echzeitaktion statt rundenbasierter Taktik setzt. Wer auf der Suche nach einem guten JRPG ist, kann bedenkenlos zuschlagen, auch wenn man den Erstling verpasst hat. Minuspunkte gibt es für den puppenhaften Hauptcharakter und eine fehlbesetzte Elle.
7.9