TEST: Twisted Metal – Böse, Böser, Tweet Tooth

Mit Waffen bewaffnete Fahrzeuge, völlig durchgeknallte Charaktere und aufgemotzte Karren. Das ist Twisted Metal, das jeher zu PlayStation gehört und in diesem Jahr auch auf der PlayStation 3 eine Wiederauferstehung erlebt. Mit etwas Verzögerung ist der Titel nun auch in Europa erhältlich, den wir uns einmal genauer für euch angeschaut haben.

Hinter Twisted Metal steht niemand geringes als David Jaffe, der vor allem als Game Director des ersten God of War-Spiels bekannt ist. Twisted Metal ist nun sein zweites Pferd im Stall und feiert besonders in Nordamerika große Erfolge. Das Genre Car-Combat ist eher ein Exot in der heutigen Zeit und brachte es in jüngster Vergangenheit maximal auf kleinere PSN-Ableger mit mehr oder weniger Erfolg. Nun ist der Genre König zurück!

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Die Story, die mit einem wirklich schwarzen Humor unterhält, ist schnell erzählt und dreht sich um ein Turnier eines gewissen Calypsos, in dem sich die Teilnehmer um Kopf und Kragen fahren. Allesamt bestehend aus Massenmördern und Psychopathen, die sich durchaus mit denen aus Batman messen könnten. Als Preis winkt nachher der sehnlichste Wunsch eines jeden Fahrers, der von Charakter zu Charakter völlig unterschiedlich und durchaus als verrückt zu bezeichnen ist. Allen voran steht hier der wahnsinnige Sweet Tooth, der bisher wirklich jeden in den Turnieren regelrecht abgeschlachtet hat. Wirklich jeden? Eine konnte entkommen und steht nun ganz oben auf der Abschussliste von Tweet Tooth, womit der erste Auftrag besiegelt ist. Ihr müsst das Twisted Metal Turnier gewinnen! Die Story, die jeder der einzelnen Charaktere bietet, ist überraschend gelungen und in Szene gesetzt, auch wenn sie immer recht kurz ausfallen.

Jede Storyline beinhaltet verschiedene Events, die aus dem klassischen Deathmatch, 1 vs. 1 oder maximale Ausdauer bestehen. Ihr gegen den Rest oder solange man durchhält ist das Ziel. Am Ende jeder Story wartet dann noch ein eindrucksvoller Endgegner auf euch. Ausgetragen werden die Schlachten natürlich in Fahrzeugen, die bis unter die Haube mit Waffen ausgerüstet sind. Von der einfachen Minigun, über Schwärmraketen oder Fernzündbomben steht hier allerhand zur Verfügung. Darüber hinaus sind in der gesamten Arena Waffen verstreut, die ihr jederzeit aufsammeln und so eurem Gegner richtig einheizen könnt. Es ist geradezu ein Fest, wenn ihr mit euren Vehikeln kreuz und quer durch die Arenen brettert und eurem Gegner unausweichlich von hinten mit Zielraketen torpediert, dass nicht nur deren Reifen qualmen. Die Ideen, die Entwickler Eat Sleep Play dabei umgesetzt hat, sind geradezu explosiv. Oder wo sonst kann man einen Napalm-Luftschlag von oben auf ein Fahrzeug niederkrachen lassen? Auf der anderen Seite ist es aber auch recht lästig, wenn man selbst zum Ziel geworden ist und panisch versucht seinen Gegner zu entkommen, die wie Magneten an einem kleben und einen geradezu in die Vernichtung drängeln.

Die Fahrzeugauswahl ist ebenso ausgefallen wie das Waffenarsenal. Ein gepanzerter Eiswagen, der sich wie ein Transformers umbauen lässt und zu Fuß weiter geht, ist genauso auf dem Schlachtfeld zu finden wie ein Helikopter oder Abschleppwagen. Allesamt mit speziellen Eigenschaften, Vor- oder Nachteilen. Jeweils drei Fahrzeuge darf man sich vor jeder Schlacht zusammenstellen und im Notfall darauf zurückgreifen. Habt ihr Fahrer, Fahrzeuge und Arena gewählt, sollte euch nichts mehr aufhalten in die Schlacht zu ziehen.

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Es empfiehlt sich definitiv erst einmal das Twisted Metal Training zu absolvieren und sich mit den Grundlagen vertraut zu machen. Ohne diese habt ihr so oder so gleich verloren. Das recht flüssige und leichte Steuerungskonzept ist anfangs jedoch ein wenig gewöhnungsbedürftig. Gas geben mit Quadrat, Bremsen mit X, Waffen auf den Schultertasten. Gerade in den hektischen Schlachten wird man hier anfangs durcheinander kommen. Zur weiteren Übung sollte man sich dann vielleicht erst der Story widmen, bevor man sich in den Schwerpunkt von Twisted Metal stürzt – dem Online-Modus. Neben den klassischen Spielmodi, die auch offline zur Verfügung stehen, kommt hier der ultimative ‚Nuke-Mode‘ hinzu, in dem sich die Clowns und Dolls in gegenseitigen Teams bekämpfen. Diese haben jeweils eine riesige Statue auf dem Schlachtfeld aufgestellt, die es zu zerstören gilt. Dazu muss man einen Anführer des gegnerischen Teams gefangen nehmen und opfern. Schafft das eigene Team es nicht, seinen Anführer zu befreien, wird eine Rakete auf deren Statue abgeschossen, die nach dem dritten Treffer in sich zusammenfällt. Der ‚Nuke-Mode‘ ist definitiv der spannendste und aufregendste Spielmodus, der den meisten Teamgeist fordert und auch am meisten Spaß macht. Genial gelöst ist auch die Möglichkeit seine Gesundheit zu regenerieren. Hier fährt ein Truck in der Arena herum, über dessen Heckrampe man einfach hinüber fahren kann und sofort volle Energie zurückerhält.

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Leider wurde der Online-Modus mit einem unglücklich gewählten Matchmaking-System ausgestattet, der komplett in der Hand des Hosts liegt. Allein er bestimmt über die Karte auf der gespielt wird und wann das Spiel startet. So kann es unter anderem vorkommen, dass man ewig in einer Lobby wartet und gar nichts passiert. Auch ein Abstimmungsverfahren über eine Map gibt es nicht, weshalb es schon mal ewig dauern kann, bis sich genug passende Spieler zusammengefunden haben. Immerhin kann man sich mit einem Text- oder Sprachchat nebenbei beschäftigen. Die Serververbindungsprobleme, die in letzter Zeit häufig die Runde machten, hat man offenbar mit dem inzwischen vierten Patch weitestgehend gelöst.

Schon im Vorfeld betone Game Director David Jaffe, dass Grafik-Junkies lieber einen Bogen um Twisted Metal machen sollten. Dementsprechend haben wir unsere Erwartungen auch nicht gleich allzu hoch angelegt; und siehe da, man konnte uns noch überraschen. Sicherlich ist Twisted Metal jetzt nicht der grafische Überflieger, aber es sieht dennoch wirklich hübsch und passend aus. Ohnehin bewegt man sich ja fast nur mit hohen Geschwindigkeiten durch die Arenen und um wirklich störenden Makel zu finden, muss man schon anhalten und danach suchen. Dafür punktet das Spiel mit einer fast komplett zerstörbaren Umgebung. Kein Haus, kein Baum, kein Ladengeschäft oder was euch sonst so im Weg steht, übersteht das Chaos wirklich lange und wird einfach niedergewalzt. Es werden acht unterschiedliche Settings mit rund 30 Arenen darin geboten; von einer amerikanischen Kleinstadt-Umgebung, einem verschneiten Metro-Setting, bis zu einem „Killosseum“ das über und über mit tödlichen Fallen gespickt ist und sich ständig verändert. Unsere persönliche Lieblingsarena für den Kampf. Jede Arena bietet ihre ganz eigenen Besonderheiten und Highlights, sowie werdet ihr vor besondere Herausforderungen gestellt, wie einem Käfig, der sich ständig bewegt und den man nicht verlassen darf. Zudem läuft Twisted Metal in flüssigen 60fps vor euch her, ohne dass diese ständig einbrechen. Hervorzuheben sind auch die tollen Zwischensequenzen, die mit einem Filter überlagert sind, die an alte 8mm Filme erinnern. Ein Beispiel findet ihr hier.

Musikalisch wird man fast überwiegend mit harten Metal Sounds beschallt, von denen man wohl Fan sein muss, um es dauerhaft ertragen zu können. Bei uns ist das nicht der Fall, weshalb wir dann doch lieber auf den Custom-Soundtrack zurückgegriffen haben. Was die Soundeffekte im Spiel angeht, fehlten uns leider ein wenig die kräftigen Motorensounds und Bässe, die man eigentlich hinter solchen Maschinen vermuten würde. Würde man mit verbunden Augen fahren, stellt man sich teilweise eher einen Rasenmäher unter dem Hintern vor, anstatt eines brachialen Schlachtgefährts. Hier hätte man die Balance etwas verlagern können – weniger Kopfschmerz-Musik, dafür kräftigere Soundeffekte. Irgendwie schade! Schön anzuhören ist aber die komplett deutsche Synchronisation, die euch mit einer finsteren Stimme stets über das aktuelle Spielgeschehen auf dem Laufenden hält.
Offizielle Homepage: twistedmetal.com

TEST: Twisted Metal – Böse, Böser, Tweet Tooth
„Twisted Metal ist vor allem eines – ein total durchgeknallter Fun Racer, der trotz des exotischen Genres zu überzeugen weiß. Die Story ist trotz anfänglicher Zweifel richtig gut geworden und individuell auf jeden Charakter zugeschnitten. Für unseren persönlichen Geschmack überwiegt der Online-Part zu stark, was jedoch jeder anders empfinden wird. Wir hätten uns mehr von den Online-Spielmodi in der Story gewünscht, vor allem den ‚Nuke-Mode‘. Dafür gibt es hier aber Endgegner. Die einzelnen, interaktiven, Arenen und Karten sind einfach fantastisch gewählt und optimal für das Spiel designt worden. Hier kann man sich richtig austoben und zu jeder Zeit auch noch etwas Neues entdecken. Wem die KI-Gegner nicht reichen und auch online nicht gerne unterwegs ist, versucht sich am besten via Split-Screen gegen einen Freund oder an den Herausforderungen, wo jedes Match individuell angepasst werden kann. Etwas vermasselt hat man dagegen das Matchmaking-System, das zu stark von nur einem Spieler abhängig ist und einen teils lange in der Lobby warten lässt. Auch Soundtechnisch wäre sicherlich mehr drin gewesen. Wer aber auf einen einfach gestrickten Fun Racer aus ist, bei dem man das Gehirn einfach mal abschalten kann und einfach drauf loszielen, der ist mit Twisted Metal definitiv richtig.“
8.5
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