Bioware schlägt zurück: Wenn Gamer-Groll zum sozialen Pranger wird

BioWare feuert zurück: Mark Darrah kritisiert die toxische Gaming-Community, die Entwickler angreift und Entlassungen feiert – ohne zu wissen, wer wirklich für Probleme verantwortlich ist.

Niklas Bender
Freelancer und Editor-in-Chief bei PlayFront.de seit 2022. Liebe die PS5, zocke quer durch alle Genres und eine Schwäche für humorvolle Texte – Sarkasmus inklusive.
3 Min Read

Mark Darrah, ein BioWare-Veteran mit 23 Jahren Erfahrung im Studio, hat sich gegen die fragwürdige Freude mancher Spieler ausgesprochen, wenn Entwickler nach einer kontroversen Veröffentlichung entlassen werden. Offenbar brauchen einige Leute ein neues Hobby, denn „Mitarbeiter-Entlassungs-Bingo“ scheint gerade im Trend zu sein.

Seine jüngsten Kommentare scheinen sich auf „Dragon Age: The Veilguard“ zu beziehen, obwohl er es nicht direkt erwähnt. Nach dem holprigen Reveal und der darauffolgenden Internet-Eskalation wurde BioWare von personellen Umstrukturierungen heimgesucht. Darrah kritisiert nun diejenigen, die das wie einen sportlichen Sieg feiern. Schließlich sei es ja vollkommen normal, dass ein Spiel, das einem nicht gefällt, am besten mit der sozialen und finanziellen Vernichtung der daran beteiligten Entwickler quittiert wird. Logisch, oder?

Spieler und ihr idiotisches Verhalten

In einem neuen YouTube-Video mit dem charmanten Titel „Für 70 Dollar bekommt man keine Grausamkeit“ erläutert Darrah, warum diese Haltung nicht nur unangebracht, sondern schlicht idiotisch ist. Er macht klar, dass die meisten Spieler keinen blassen Schimmer haben, wer für welches Problem eines Spiels wirklich verantwortlich ist – aber hey, wozu braucht man Fakten, wenn man stattdessen random Leute im Internet beleidigen kann?

„Ich sage nicht, dass ihr nicht wütend sein dürft“, beginnt Darrah. „Aber wenn ihr auf Twitter (eigentlich heißt es X) herumkriecht, um gezielt einzelne Entwickler persönlich anzugehen oder Entlassungen bejubelt, dann überschreitet ihr eine moralische Grenze.“ Eine interessante Ansicht – immerhin könnten einige Spieler ohne ihre tägliche Dosis Internet-Wut gar nicht mehr richtig existieren.

Er erklärt weiter, dass Spieler meist keine Ahnung haben, was intern während der Entwicklung passiert ist. Vielleicht hatte der Autor des Spiels keine Zeit, vielleicht wurde das Projekt fünfmal neu gestartet, vielleicht ist das Skript mies, weil ein Manager in letzter Minute beschlossen hat, alles umzuschmeißen. Aber Details sind ja nebensächlich, wenn man seine Pitchfork-Armee in den Kommentarspalten mobilisiert.

Verzerrte Wahrnehmung?

„Dragon Age: The Veilguard“ wurde laut Darrah insgesamt positiv aufgenommen (Metascore 3.9 bei Usern), was allerdings nichts daran änderte, dass einige Fans mit Fackeln und Mistgabeln loszogen – sei es wegen der Story oder wegen der dreisten Existenz queerer Charaktere. Dass das Internet bei solchen Themen grundsätzlich im Reaktionsmodus „Hysterisches Kreischen“ funktioniert, dürfte niemanden überraschen.

Darrah weist auch auf einen interessanten Fakt hin: Jeder einzelne Autor, der jemals an Dragon Age gearbeitet hat, hat BioWare inzwischen verlassen. Aber ja, sicher waren es genau diese Leute, die man am besten persönlich im Netz fertig macht.

Letztendlich scheint sich BioWare nun mehr auf „Mass Effect Next“ zu konzentrieren. Vielleicht ein Segen für Dragon Age – oder auch nur der nächste Schauplatz für das Internet-Tribunal der Gamer-Richter. Gewiss ist nur: Die nächste toxische Eskalation ist nur einen Trailer entfernt.

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